Einsamkeit – Nicht nur ein Problem des Alters

 Im Frühjahr 2018 kam das neueste Buch von Prof. DDr. Manfred Spitzer auf den Markt: „Einsamkeit - die unerkannte Krankheit“. Spitzer vertritt darin die These, dass Einsamkeit eine Krankheit mit fatalen Folgen für Körper und Seele sei. Wer einsam ist, so sagt er, erkranke häufiger als andere an Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, Depressionen und Demenz. Und was noch schlimmer ist und manch einer wird sich jetzt das Lachen nicht verkneifen können: Einsamkeit soll sogar ansteckend sein und sich verbreiten wie eine Epidemie, zumal man sich dagegen weder impfen, noch krankschreiben lassen kann. Doch nicht nur Singles oder Alleinstehende sind davon betroffen, sondern auch Verheiratete! Und Spitzer wird noch dramatischer: Einsamkeit sei die Todesursache Nummer Eins in den westlichen Ländern. Diese alarmierende Botschaft wird mittlerweile weltweit von zahllosen wissenschaftlichen Studien bestätigt, die deutlich machen: Einsamkeit ist mehr als Alleinsein und nicht nur ein Problem des Alters.

 

An Spitzer scheiden sich die Geister. Aber weniger an seiner Person, als an den Thesen, die er vertritt. Dass Spitzer aneckt und anstößt ist an und für sich nichts Schlechtes. Denn dadurch wird diskutiert und das mitunter sogar sehr kontrovers. Und auch das ist gut so. Das nennt man dann Meinungsbildung und fordert die gegenseitige Toleranz heraus.
Doch die Position, die Manfred Spitzer vertritt, ist für den heutigen Mainstream natürlich mehr als radikal: keine PCs an Schulen, Smartphones so spät als möglich, aber garantiert nicht für Kinder und auch Tablets haben nach seiner Meinung nichts vor Kinderaugen, geschweige denn in Kinderzimmern zu suchen. Das geht aber so nicht, sagen die Verfechter des digitalen Fortschritts. Wir leben doch nicht mehr im finstersten Mittelalter, sondern im 3. Jahrtausend. Spitzer hingegen ist davon überzeugt, dass das sehr wohl geht. Und er hat dafür seine Gründe. Und die waren es ihm wert, das ziemlich hohe Risiko einzugehen, staatliche Forschungsgelder in nicht unbeträchtlicher Höhe zu verlieren!

Wer einen garantiert spannenden Abend erleben will, ist herzlich in den Reichshofsaal eingeladen.

Pfr. Thomas Sauter

 

 

 Zur Person:

 

Prof. DDr. Manfred Spitzer studierte in Freiburg i. Br. Medizin, Psychologie und Philosophie. Nach seiner Promotion in Medizin und Philosophie und seiner Habilitation im Fach Psychiatrie war er als Oberarzt an der psychiatrischen Universitätsklinik Heidelberg tätig. Drei Forschungsaufenthalte in den USA prägten sein weiteres wissenschaftliches Arbeiten an der Schnittstelle von Neurobiologie, Psychologie und Psychiatrie.
Seit 1997 ist Spitzer Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm. 2004 gründete er das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL), das im Bildungsbereich sowohl Grundlagenforschung betreibt als auch Bildungseinrichtungen evaluiert und sie bei der Weiterentwicklung ihrer pädagogischen Arbeit begleitet.
Manfred Spitzer ist Autor zahlreicher Bestseller.

Vortrag und Diskussion mit Prof. DDr. Manfred Spitzer
Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm

Donnerstag, 28. März 2019, 19.30 Uhr
Reichshofsaal Lustenau

Eintritt: 15,- € (Abendkasse 17,- €)