Gewaltschutz- und Beratungsstelle der Kirche

Wie wird sie erreicht?

Die Ombudsstelle ist eine Beratungsstelle zum Schutz vor Gewalt und sexuellen Übergriffen in der katholischen Kirche und wurde für jene Menschen eingerichtet, die Gewalt innerhalb der Kirche erlebt oder beobachtet haben. Die Mitarbeiter*innen sind weisungsfreie und zur Verschwiegenheit verpflichtete Fachpersonen aus Psychologie, Psychotherapie, Psychiatrie und Sozialarbeit. Aufgabe der Ombudsstelle ist es, den Betroffenen zu ermöglichen, ihre Gedanken und Gefühle zu ordnen. In der Folge erarbeiten sie miteinander mögliche nächste Schritte. Zudem vermittelt sie weitere Unterstützungsmöglichkeiten. Die Beratung ist kostenlos. Sie ist telefonisch (Tel. 0800 / 84 80 08 kostenlos)  und per Email () erreichbar, die Kontaktdaten finden sich auf der Homepage der Katholischen Kirche.

An die Ombudsstelle können Fälle von Missbrauch und Gewalt herangetragen werden. Sie bietet Hilfe für Betroffene und ihre Angehörigen an. Sie leistet Krisenintervention und können, wenn gewünscht, psychotherapeutische Hilfe vermitteln.

Die Ombudsstellen beraten kirchliche Einrichtungen in Fragen der Verhinderung von sexuellen Missbrauch und Gewalt und können auf Defizite in der Prävention und im Umgang mit Vorwürfen von Gewalt und sexuellem Missbrauch hinweisen und kooperieren mit den Stabsstellen.

Warum richtet die Katholische Kirche eine solche Schutzstelle ein?

Es war eine Vorgabe der Bischofskonferenz, dass in jeder Diözese eine Ombudsstelle eingerichtet werden musste. Die Rahmenordnung für die katholische Kirche legt die Struktur fest. Ebenso legt sie fest, dass überall eine diözesane Kommission und eine Stabsstelle für Prävention von Missbrauch und Gewalt eingerichtet wird. Darüber hinaus gibt es die Unabhängige Opferschutzkommission (die sogenannte Klasnic-Kommission) und die Stiftung Opferschutz in Wien.
Hintergrund war bestimmt, dass sich immer mehr Betroffene gemeldet haben, die in der Vergangenheit Gewalt und Missbrauch in Einrichtungen der Kirche erlebt hatten. Zur Aufarbeitung dieser verstörenden Meldungen wurde eine professionelle Struktur benötigt. Die Betroffenen sollten angehört und ernst genommen werden und sollten bei verjährten Fällen eine Entschädigung erhalten. Bisher wurden mehr als 2.000 Anträge bearbeitet und mehr als 20 Millionen Euro an Entschädigungszahlungen ausbezahlt.
Außerdem wollte man nach Möglichkeit weiteren Missbrauch und weitere Gewalt verhindern. Dazu musste man die Strukturen analysieren und neue Strukturen schaffen.

Mit welchen Anliegen melden sich Leute bei euch?

Viele Menschen haben sich gemeldet, die als Kinder betroffen waren von Gewalt: körperliche, sexuelle oder psychische Gewalt, die jetzt aber schon lange erwachsen sind. Das fand oft in kirchlichen Einrichtungen statt: Heim, Schule, Internat oder auch im Rahmen der Kirche. Manche wollten eine finanzielle Entschädigung, manche wollten es einfach melden, manche haben überhaupt das erste Mal darüber gesprochen. Ein Anliegen hatten jedoch alle: Sie wollten ernst genommen werden und sie wollten, dass man ihnen glaubt. Manche haben sich gemeldet, weil sie geistigen oder spirituellen Missbrauch erlebt haben. Oder Menschen haben ein übergriffiges Verhalten beobachtet und möchten das melden.

Welche Schritte werden von euch eingeleitet?

Bei zurückliegendem Missbrauch an Kindern wird im Rahmen eines Gesprächs aufgeschrieben, was vorgefallen ist: wer, was, durch wen, wo, wie oft und in welchem Rahmen erlebt hat. Wenn die Betroffenen einverstanden sind, dann wird ein Antrag auf Entschädigung und/oder Ersatz von Therapiekosten gestellt. Dieser wird von der diözesanen Kommission geprüft. Es wird erhoben, wer der Beschuldigte ist, wo er zu welcher Zeit eingesetzt war, ob die Umstände nachvollziehbar sind. Oft sind ja die Erinnerungen nicht mehr so genau und vollständig. Der Beschuldigte und sein*e Vorgesetzte*r (oder deren Nachfolger*in) werden über die Vorwürfe informiert und können Stellung beziehen. Dann tagt die Kommission und spricht eine Empfehlung aus. Dann geht der Antrag an die Unabhängige Opferschutzkommission in Wien, die dann über den Antrag entscheidet. Die zugesprochenen Entschädigungen werden über die Stiftung Opferschutz abgewickelt und überwiesen.
Bei anderen Anliegen werden die Menschen angehört und es wird gemeinsam ein Plan entwickelt, je nachdem, was das Anliegen der Betroffenen ist. Es geschieht nichts gegen den Willen der Betroffenen.

Wie arbeitet die Katholische Kirche das Thema Gewalt auf?

Gewalt und Missbrauch ist immer auch ein Machtmissbrauch. Deshalb müssten auch die Machtstrukturen in der Kirche noch mehr durchleuchtet und verändert werden, damit die Struktur den Missbrauch nicht mehr ermöglicht. Der geistige Missbrauch muss auch noch mehr aufgearbeitet werden. Er trifft vor allem sehr gläubige Menschen und zerstört oftmals deren Gottesbeziehung. Die notwendigen Einrichtungen wurden geschaffen, um Gewalt und Missbrauch aufzuarbeiten. Es ist allen bewusst, dass Gewalt und Missbrauch geschehen und dass es gilt, alles aufzudecken und künftig zu verhindern.

Ruth Rüdisser, Ombudsstelle

Dieser Artikel erschien im anstösse. Die komplette Ausgabe findest du hier.