Sandra arbeitet als Sozialarbeiterin beim IFS in Bregenz, in der Jugendberatung Mühletor. Dabei ist die Altersgruppe – von 11 bis 21 Jahren - sehr weit gefasst. Die Themen mit denen junge Menschen zu ihr kommen sind vielfältig: Fragen und Anliegen im Bereich Ausbildung und Zukunft, ebenso wie im Bereich Identitätsfindung und Selbstwert/Selbstbewusstsein, psychische Belastungen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen und viele andere.

Was sind die Hauptthemen, mit denen junge Leute momentan zu dir kommen?

Das ist sehr unterschiedlich. Fragen und Sorgen rund um das Thema Schule und Ausbildung, ebenso familiäre Belastungen, sowie teilweise ein Zustand der Erschöpfung. Corona bzw. die damit verbundenen Maßnahmen haben Spuren hinterlassen. Es wird deutlich, was zu Zeiten von Lockdowns, Homeschooling, Schließung von Freizeitangeboten und Co von den jungen Menschen getragen wurde und wieviel ausgehalten werden musste. Viele prägende Erlebnisse, und jugendtypische Entwicklungsschritte, wie beispielsweise Ausgehen, sich Schritt für Schritt von Zuhause abnabeln, Abschlussrituale rund um den Lebensbereich Ausbildung, das Bedürfnis und Streben nach Autonomie und Freiheit, konnten nicht er- und durchlebt werden.

Hast du das Gefühl, dass die Benutzung sozialer Medien mehr geworden ist?

Ich denke schon,  da es über längere Zeiträume gefühlt für viele junge Menschen eine Möglichkeit war „Beziehung“ zu leben, Kontakt zu halten, sich Zeit zu vertreiben und sich mitunter vermeintlich weniger alleine zu fühlen. Ich möchte hier auch betonen, dass dies bei vielen Erwachsenen auch nicht anders war bzw. ist.

Was sind die Hoffnungen und Ängste?

Fragen, welche junge Menschen wiederkehrend beschäftigen sind sehr vielfältig, haben aber sehr oft mit dem Thema Ausbildung (was möchte ich machen, was kann ich machen, wo habe ich überhaupt Zugang und Möglichkeiten), Familie (verschiedenen Sorgen und Ängste rund um die Familie, seien es finanzielle, existenzbedrohende Problemsituationen, hohe psychische Belastungen bei den Eltern etc.), Identität und Zugehörigkeit zu tun. Das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, ein Teil von/in Etwas zu sein ist sehr bedeutend für uns alle.

Für welche Themen brennen Jugendliche?

Das ist je nach eigener Lebenssituation und den damit verbundenen Herausforderungen sehr unterschiedlich. Sport/Fitness, Musik, Mode, gesellschaftliche Krisen und Herausforderungen wie der Ukraine Krieg oder der Klimawandel, sexuelle Orientierung und Identitäten, psychische Gesundheit, Achtsamkeit und vieles mehr. Dies sind alles Themen, welche über verschiedene Socialmedia-Kanäle und Influencer sehr verbreitet und viele Inhalte dazu zu finden sind.
Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass Socialmedia ein Teil der heutigen Lebenswelt ist (nicht nur von jungen Menschen) und ich es wichtig finde, dies nicht im ersten Schritt mit gut oder schlecht zu bewerten. Es finden sich viele wertvolle Beiträge, Inhalte, Kanäle, welche Positives zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen können, gleichzeitig finden sich natürlich auch kritische und gefährdende Inhalte. Bedeutend für mich ist, junge Menschen dabei zu unterstützen, einen gesunden kritischen, hinterfragenden „Blick“ zu entwickeln und ein Gleichgewicht in der Nutzung von Medien zu finden. Ich nehme mich da dann auch gerne selber als Beispiel. Ich verleire mich genauso immer wieder mal in den vielen, schnell und leicht verfügbaren Inhalten, Themen, Videos, Beiträgen etc., spüre dann auch wie dies innerlich mit mir etwas macht und weiss dann: „Ok, jetzt sollte ich wieder mehr auf die Art und Weise und das Ausmaß meiner Nutzung achten.“ Das achtsame Hinspüren bei sich selber und was innerlich ausgelöst wird, ist wichtig und man sollte dann darüber auch ins Gespräch kommen.
Fakt ist: Socialmedia und der digitale Raum sind Teil unserer heutigen Lebenswelt. Es geht dabei nicht um Entweder-Oder, Gut oder Schlecht, sondern Sowohl-als-auch.

Was kannst du Leuten mitgeben, die mit Jugendlichen arbeiten, aber mit der SocialMedia-Welt gar nichts am Hut haben?

Habt und zeigt Interesse! Am besten Jugendliche direkt fragen, was ihnen an Socialmedia-Plattformen gefällt, was sie mitunter dort aktiv gestalten, was sie konsumieren und gern anschauen, ob sie schon schlechte Erafrhungen gesammelt haben und, wenn ja, welche. Gemeinsam Inhalte anschauen hilft. Sich von den Jugendlichen Postings zeigen lassen und versuchen mit ihnen in einen Austausch zu kommen kann helfen verschiedenen Perspektiven und Gedanken hierzu gemeinsam zu entdecken.

Wie sehen Jugendliche ihre Zukunft?

Das ist sehr unterschiedlich, je nach persönlichem Hintergrund und der präsententen Lebenswelt. Ich kann aus meinen Beratungen beispielhaft beschreiben, was sich viele Jugendliche für ihre Zukunft wünschen: eine Ausbildung haben und abschließen, eine gute Arbeit, eine schöne Wohnung/Haus, dass es einem selbst und der Familie gut geht, keine finanziellen Sorgen zu haben, eigene Familie/Kinder, keine Sorgen zu haben und einfach glücklich sein.

Was kannst du als Jugendarbeiterin anderen, die mit jungen Leuten arbeiten, mit auf den Weg geben?

Sich die eigene Neugier, das Interesse und die Offenheit zu lernen, zu erfahren, zu erleben bewahren. Wir können ganz viel von jungen Menschen lernen und immer wieder werden eigene Muster, Ansichten, Wahrnehmungen auf den Kopf gestellt. Jede Generation ist anders- das ist gut so und sehr wichtig!


Hier kannst du dich melden, wenn du Redebedarf hast:

Bludenz-,Klarenbrunnstrasse 12
05-1755-560
Bregenz, St.Anna-Strasse 2
05-1755-510
Dornbirn, Kirchgasse 4b
05-1755-530
Feldkirch, schießstätte 14
05-1755-550


www.ifs.at

Sandra Reich
Sozialarbeiterin, ifs Bregenz

Dieser Artikel erschien im anstösse.