Die Bregenzerin Deborah Scherr (29) verbrachte 5 Monate als Praktikantin bei einem Projekt der Dreikönigsaktion in Kapstadt (Südafrika) und half dort mit, der Xenophobie entgegenzuwirken und das Miteinander zwischen Südafrikaner/innen und Zuwanderern zu fördern. Hier erzählt sie, welche Erfahrungen sie beim Leben und Arbeiten in Kapstadt gemacht hat.

Bei meinem SolidarEinsatz[1] habe ich viele Personen aus den unterschiedlichsten Ländern kennengelernt. Wir unterhielten uns viel über das Reisen in andere Länder. Dabei kam immer wieder zur Sprache, welch‘ Unterschied es macht, in welchem Land bzw. auf welchem Kontinent man aufwächst und viele Menschen dadurch nicht dieselben Möglichkeiten haben.

Die Kluft zwischen Arm und Reich ist groß in Kapstadt. Ich hatte das Gefühl, dass es entweder „sehr reich“ oder „sehr arm“ gibt und nur ziemlich wenig dazwischen. In der Gesellschaft sind die Folgen der Apartheid noch deutlich spürbar. Schwarze und Weiße leben meist in getrennten Wohnvierteln, mehr neben, als miteinander. Viele sind der Meinung, dass die Hautfarbe auch heute noch eine große Rolle spielt und über das Leben der Menschen bestimmt.

Starke Gemeinschaft und Zusammenhalt im Township

Solidareinsatz Deborah Scherr 1Eines der eindrucksvollsten Erfahrungen für mich war, als ich in einem der größten Townships[2] Südafrikas übernachtet habe. Eine Arbeitskollegin lud mich zu ihr nach Hause ein.Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich die Einladung wirklich annehmen soll, da mir alle von einer Übernachtung in einem Township abrieten. Doch bereits nach kurzer Zeit verflogen meine Bedenken.

Schon als wir durch die Straßen von Khayelitsha (Township) liefen, merkte man, dass die Community neugierig war, was ich als Weiße dort mache, da eher selten bis gar nicht Weiße in Townships gehen. Die Stimmung war einfach unbeschreiblich. Bei manchen saßen mehrere Leute in einem Kreis und sangen Lieder und bei anderen tanzten sie zu Selbstgesungenem durch das Zimmer. Es war wirklich erstaunlich zu sehen, wie stark der Zusammenhalt in der Gemeinschaft dort ist. Es fühlte sich nicht an, als wären sie Fremde, sondern man fühlte sich gleich zugehörig. Die Gemeinschaft war wie eine große Familie. Es war sehr schön mitzuerleben, wie sie sich untereinander unterstützen, beispielsweise mit Lebensmitteln, obwohl sie teilweise selbst nicht viel haben und ums Überleben kämpfen.

Herausforderungen der globalen Gesellschaft

Solidareinsatz Deborah Scherr 2In der heutigen Gesellschaft ist es sehr wichtig, globale Kommunikationsfähigkeiten zu besitzen. Dies beinhaltet nicht nur das Verstehen von unterschiedlichen Sprachen. Im Ausland zu arbeiten und mit Einheimischen zu interagieren, hilft, die Traditionen und Gebräuche dieses Landes zu verstehen. In einem anderen Land zu leben, ermöglicht einem, die Erfahrung zu machen, eine einzigartige und komplett andere Form des Lebens zu führen. Es ist für beide Seiten eine Bereicherung, da gegenseitig Neues voneinander gelernt werden kann. Auch können Vorurteile abgebaut werden.

Meine Mitarbeit bei der Organisation Africa Unite war sehr vielfältig und kann durch folgende Arbeitstätigkeiten veranschaulicht werden: Organisation von Veranstaltungen, Unterstützung bei Arbeitssuche, Sozialarbeit – case work, Workshops für Kinder zu Lebenskompetenzen und Drogensensibilisierung, Gemeindearbeit, Fundraising-Projekte, Aktion zur Aids-Sensibilisierung und noch einiges mehr.

Eine Umarmung genügt

Bei meinen Projekten in den Townships kamen viele aus der Community auf mich zu und zeigten ihre Dankbarkeit mit einer Umarmung. Dies zeigte mir, dass sie die Unterstützung sehr geschätzt haben und sich darüber gefreut haben. Durch die Zusammenarbeit mit Personen unterschiedlicher Kulturen können Vorurteile abgebaut werden. Es zeigt ein gegenseitiges Interesse und es entstehen Freundschaften.

Es war eine sehr schöne und lehrreiche Zeit, in der ich neue Einblicke und Erfahrungen gewonnen habe. Das Beste waren die vielen interessanten und tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte und die vielen Freundschaften, die daraus entstanden sind. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, einen Solidareinsatz zu machen!

Die Dreikönigsaktion der kath. Jungschar vermittelt mit dem Bildungsprogramm „SolidarEinsatz“ laufend Praktika und Volontariate bei ihren Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Africa Unite in Südafrika ist eine davon. www.solidareinsatz.at

Ansprechperson für Vorarlberg und Tirol ist Susanne Schaudy.

 


[1] Mit dem Bildungsprogramm SolidarEinsatz vermittelt die Dreikönigsaktion der kath. Jungschar Praktika und Volontariate bei ihren Partnerorganisationen in Afrika, Asien und Lateinamerika. www.solidareinsatz.at

[2] In einem Township lebt die Mehrheit der Schwarzen Bevölkerung. Townships wurden während der Apartheid eingeführt, um gezielt Schwarze von Weißen zu trennen. Von den Behausungen ist ein Township vergleichbar mit einem Slum.