In der Kinderschutzrichtlinie der Katholischen Jungschar Österreich heißt es, dass „ausgehend [vom] christlichen Selbstverständnis und im Sinne der UN-Kinderrechtskonvention […] Kinder und Jugendliche vor allen Formen der Gewalt, Vernachlässigung, Ausbeutung und Diskriminierung zu schützen“ sind.

Das Wort „Diskriminierung“ stammt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „unterscheiden“. Wenn Personen auf Grund von bestimmten Merkmalen wie Geschlecht, Hautfarbe oder Religion benachteiligt werden, nennt man dies Diskriminierung. In der Charta der Grundrechte der Europäischen Union wurde vereinbart, dass „Diskriminierungen insbesondere wegen des Geschlechts, […], der Hautfarbe, der ethnischen oder sozialen Herkunft, […] der Sprache, der Religion oder der Weltanschauung, der politischen […] Anschauung, […] einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung“ verboten sind (Artikel 21). Leider findet Diskriminierung immer noch sehr häufig statt, hauptsächlich im Alltag, in staatlichen Organisationen und auch in Bildungsstätten. Diskriminierung kann in verschiedensten subtilen und offenen Erscheinungsformen auftreten, von unbedachten, aber kränkenden Äußerungen über willkürliche Ungleichbehandlung bis hin zu aktiver Gewalt.

Generell unterscheidet man zwischen drei großen Bereichen der Diskriminierung: individuelle, institutionelle und strukturelle Diskriminierung. Die individuelle Diskriminierung beinhaltet Vorurteile und Stereotypen, aber vor allem auch konkrete Handlungen und Verhaltensweisen durch einzelne Personen. Beispiele für diese Art der Diskriminierung sind etwa, wenn Personen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Hautfarbe offen beschimpft oder Hijabs im Sportunterricht verboten werden sowie Demonstrationen gegen Gleichberechtigung von homosexuellen Personen.

Institutionelle Diskriminierung

Institutionelle Diskriminierung hingegen geht immer von einer Institution aus, zum Beispiel Schulen, dem Gesundheitswesen, der Polizei oder dem Arbeitsmarkt. Zum Beispiel werden People of Color (= Personen, die in der weißen Mehrheitsgesellschaft als „anders“ definiert werden) bei polizeilichen Überprüfungen sehr oft anders behandelt als weiße Personen. Ebenfalls tragen die Bildungsinstitutionen mit ihren Organisationsstrukturen, offenen und unausgesprochenen Regeln, den Kommunikationsformen und Routinen dazu bei, dass Kinder mit verschiedener sozialer Herkunft nicht dieselben Chancen und Möglichkeiten haben. Auch wenn Personen mit „nicht-österreichischem“ Namen auf Wohnungs- oder Jobsuche sind, tritt oftmals institutionelle Diskriminierung auf.

Sturkturelle Diskriminierung

Von struktureller Diskriminierung spricht man, wenn Gesetze, Normen und Regeln, die eigentlich für die Gesamtheit der Bevölkerung gelten, für eine bestimmte Personengruppe nicht angewendet werden oder sie von einer tatsächlichen Gleichbehandlung ausgeschlossen sind. Während individuelle Diskriminierung auf der persönlichen Ebene zwischen Menschen und die institutionelle Diskriminierung innerhalb von staatlichen Institutionen stattfindet, passiert strukturelle Gewalt immer innerhalb einer gesamten Gesellschaft. Zum Beispiel werden die Lohn- und Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen nicht als institutionelles, sondern strukturelles Problem gesehen, da die gesamte Gesellschaft auf einem Patriarchat basiert.

Sprachliche Diskriminierung

Diskriminierung kann auch auf sprachlicher Ebene stattfinden. Hierbei werden einzelne Personen oder Personengruppen von anderen bewusst oder unbewusst verbal herabgesetzt, abgewertet, beleidigt oder angegriffen. Dies können einzelne Wörter oder Begriffe sein, welche Geringschätzung zum Ausdruck bringen oder auch Sätze oder Texte, die Stereotype und Vorurteile beinhalten oder historisch negativ belastet sind. Zum Beispiel wird in letzter Zeit im deutschsprachigen Raum sehr oft über die Verwendung des Wortes „Mohr“ diskutiert. Dieser Begriff wird oft für Straßennamen, Apotheken oder Süßigkeiten verwendet und ist eindeutig rassistisch einzuordnen, da er früher für unterwürfige afrikanische Sklaven verwendet wurde.

Sprachliche Diskriminierung existiert noch auf einer weiteren Ebene, nämlich wenn unbedenkliche Bezeichnungen in negativem Kontext erwähnt werden, ohne dass diese zur Erklärung der jeweiligen Situation beitragen. Besonders in Berichten über Straftaten wird häufig auf die Nationalität des Täters verwiesen, obwohl diese in keinem Zusammenhang mit der Straftat steht.

Mediale Diskriminierung

Auch in Medien – Werbung, Zeitung, Fernsehen – ist Diskriminierung allgegenwärtig. Vor allem Sexismus spielt eine große Rolle in der heutigen Werbung. So werden Frauen immer noch als Verkaufsstrategie für anscheinend männliche Produkte verwendet. Davon sind aber nicht nur Frauen, sondern auch Männer genervt. Ebenfalls sollten Medien die gesellschaftliche Diversität widerspiegeln. Deshalb müssen People of Color, Personen mit Behinderungen und verschiedenen Religionen sichtbar gemacht werden.

Soziales Problem

Diskriminierung hat ihre Wurzeln in den Macht- und Herrschaftsverhältnissen und zielt immer darauf ab, dass die „herrschende“ Gruppe weiterhin an der Spitze bleibt. Das ist zum Beispiel bei Sexismus, Rassismus, Behindertenfeindlichkeit oder Homophobie der Fall. Sowohl beabsichtigte wie auch unbeabsichtigte Diskriminierung beruht auf tief in der Gesellschaft verankerten Sichtweisen, die oftmals als normal oder natürlich gelten. Zum Beispiel wird Männern eine natürliche körperliche Überlegenheit zugeschrieben, was bedeutet, dass Frauen für die Baubranche als nicht geeignet angesehen werden. Dies führt dazu, dass Schutzkleidung, Maschinen und Werkzeuge hauptsächlich für Männer gedacht sind, was zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Ausübung eines Berufes, führen kann. Ebenfalls sehen viele Personen Homosexualität als etwas Unnatürliches an, woraus oft homophobe Sichtweisen und Praktiken entstehen.

Was Tun?

Um gegen Diskriminierung anzukämpfen, muss auf der persönlichen Ebene versucht werden, sich von Vorurteilen und Stereotypen zu lösen, damit diese nicht zur Ausgrenzung verwendet werden. Ebenfalls sollte auf der sprachlichen Ebene bedacht werden, dass bestimmte Begriffe verletzend gegenüber Personen sind, auch wenn man das selbst nicht so empfindet.

Doch die wichtigste Arbeit muss auf der institutionellen und strukturellen Ebene passieren. Organisationen und Institutionen müssen ihre aktuellen Handlungsweisen und Praktiken analysieren und überarbeiten. Ebenfalls muss es Betroffenen möglich sein, dass sie Unterstützung bei der Durchsetzung ihres Rechts bekommen.

Um die gesamte Gesellschaft auf vorhandene Diskriminierung und deren Folgen aufmerksam zu machen, können bestimmte Maßnahmen gesetzt werden, wie zum Beispiel Anti-Diskriminierungs- oder Diversity-Trainings. Auch in der Schule sollte das Thema Diskriminierung im Lehrplan verankert werden, damit kommende Generationen bereits früh dafür sensibilisiert werden.

Adeline Hagen, KJJS Lustenau Kirchdorf

Dieser Artikel erschien im anstösse. Die komplette Ausgabe findest du hier.