Wenn man mich fragt, was mein Lieblingsbibelzitat ist, fällt mir unter anderem als erstes eines zum Thema Freude ein. „Die Freude am Herrn ist eure Stärke“ (Neh 8,10). Insgesamt kommt das Wort „Freude“ (in Variationen) in der Bibel 187mal vor. Freude ist etwas, wofür wir gemacht sind. Was Gott sich für jede und jeden von uns wünscht. Er hat uns für ein Leben in Fülle geschaffen (Joh 10,10). Die Freude ist in unserem Glauben grundgelegt. Schließlich bedeutet „Evangelium“ ja auch „Frohe Botschaft“. Aber diese Freude „beschränkt“ sich in der Bibel nicht nur auf den Glauben. Bzw. der Glaube ist nichts vom Leben losgelöstes, sondern Glaube und Leben gehören immer zusammen. Darum bedeutet Freude am Glauben auch gleichzeitig Freude am Leben.

Ich hatte das Glück, die Freude am Herrn, also die Freude am Glauben in meinem Leben schon oft spüren zu dürfen. Sei es beim Singen im Chor in meiner Heimatstadt Mainz, beim Ministrieren, später dann im Studium im Austausch mit Gleichgesinnten oder beim Weltjugendtag in Krakau 2016…

Diese Erfahrungen haben mich Gottes Liebe zu mir, meine Einzigartigkeit, wie wunderbar er mich geschaffen hat, spüren lassen. Und was läge näher, als aus diesen Erfahrungen heraus froh durch´s Leben zu gehen und es in vollen Zügen zu genießen?

Lebensfreude kommt in der Bibel, wie bereits erwähnt, oft vor. Spontan fallen mir mehr Stellen aus dem Neuen Testament ein, weil Jesus dort oft bei Menschen zu Gast ist, mit ihnen isst und feiert. Jesus ist ständig am Feiern. Sein erstes Wunder findet auf einer Hochzeitsfeier statt (Joh 2,1-2,12) und betrifft den Wein, der wesentlich zur Freude der anwesenden Gäste an der Feier und am Leben beiträgt. Im weiteren Verlauf seines öffentlichen Wirkens wird dann aber auch oft berichtet, wie Jesus bei Menschen zu Gast ist und diese dann ein Fest ausrichten, einfach nur, weil er da ist, um seine Anwesenheit zu feiern. Was das Thema Jesus und Feiern angeht, hat mich mein Dogmatik-Professor von der Uni sehr geprägt und immer wieder auf diesen Aspekt hingewiesen. Manchmal sage ich in Gesprächen mit Ehrenamtlichen in der Pfarre „Jesus hat viel gefeiert und wir sollen uns ein Beispiel an ihm nehmen“. Das finden sie dann meistens lustig, aber es ist ernst gemeint.  

Auch im Alten Testament finden sich jedoch genug Stellen, wo das Leben gefeiert wird. Die erste Stelle, die mir hier einfällt, ist der Auszug aus Ägypten (Ex 14,15-14,31). Das erste, was berichtet wird, nachdem die Israeliten durch das rote Meer gezogen sind und so vor den Ägyptern gerettet wurden, ist, dass sie zum Glauben an Gott kommen und dann ein Lied singen und tanzen (Ex 15,1-15,21). Auf diese Weise drücken sie ihre Freude über die Rettung und über das Leben, das ihnen quasi neu geschenkt wurde, aus.

Es gibt in der Bibel also immer wieder verschiedenste Anlässe und Gründe zum Feiern und ich finde, dass man die meisten davon super auf unser alltägliches Leben heute übertragen kann. Sei es ein ganz konkreter Anlass wie eine Hochzeit oder ein Geburtstag oder einfach nur die Freude, zusammen und am Leben zu sein.

Und was heißt das jetzt genau für mich und mein Leben? Auch beim Thema Lebensfreude gilt es natürlich, die Balance zu halten. Das Leben ist leider einfach keine einzige Party. Es gibt schwierige Phasen, es gibt unmotivierte Phasen. Es gibt Phasen, wo ich gestresst bin und morgens nicht aus dem Bett aufstehen will, weil ich so viel zu tun habe, dass ich gar nicht weiß, wie ich das alles schaffen soll. Scheinbar ist da keine Zeit und kein Platz mehr für Lebensfreude. Auch in diesen Phasen, wo ich der Lebensfreude nicht so offensichtlich z.B. durch Feiern Ausdruck verleihen kann, kann sie eine Grundhaltung sein. Ich darf mich nämlich auch über das Leben freuen, wenn es gerade nicht so läuft, wenn ich nicht alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe und wenn mein Umfeld und vielleicht auch ich selber unzufrieden mit mir sind. Ich kann trotzdem versuchen, mich über die kleinen Dinge zu freuen. Und wenn mir das nicht gelingt ist das auch in Ordnung. Denn zur Lebensfreude als Teil unserer christlichen Berufung gehört eben auch die Gewissheit, dass ich gut so bin, wie ich bin. Freude hat ja auch verschiedene Gesichter. Sie kann sich stürmisch und überschäumend äußern, sie kann aber auch mehr das Gesicht einer tiefen, inneren Zufriedenheit haben.

Diese Freude zu allen Zeiten in uns tragen, sie in guten Zeiten nach außen dringen lassen und mit unseren Mitmenschen teilen und versuchen, ihr auch in schlechten Zeiten Raum zu geben oder sie zumindest nicht ganz zu vergessen, sich vielleicht schon darauf zu freuen, wann die Freude wiederkommen wird – dass Dir das gelingt wünsche ich Dir für die nächste Zeit und Deinen weiteren Weg!

Franziska Römelt, Berufungspastoral

Dieser Artikel erschien im anstösse.