Es gibt ja viele romantische Vorstellungen von dem, was eine Braut sein soll. Meistens sind ein weisses Kleid und viele rosa Träume dabei. Der Traum so vieler Mädchen einmal: „Ganz in weiss mit einem Blumenstrauss…“ *sing*. Es muss der perfekte Tag sein, mit dem perfekten Mann und sie muss die perfekte Braut sein. Schmetterlinge im Bauch, Gefühlschaos.

*kotzwürg* Bei so pseudromantischem Kitsch muss ich kotzen! Ich war einmal auf so einer „pinken“ Hochzeit. Die Braut hat’s mit ihrem Kleid kaum in die Kirche geschafft, weil der Reifen, der das Kleid aufspannen sollte, für die Kirchentür zu breit war. Jede Position in der Kirche wurde nur für die Kamera gemacht und es kam sogar so weit, dass Eltern mit Kindern angewiesen wurden, mit schreienden Kindern hinauszugehen, um den perfekten Ton aufnehmen zu können. Ich musste aufpassen bei dem ganzen absurden Scheiß nicht laut herauszulachen.

Was hat das jetzt alles mit der Liebe Gottes zu tun?
Rein gar nichts!
Doch in der Bibel ist sehr oft von der Braut die Rede, aber auf eine vollkommen andere Weise! Gott liebt die Kirche, wie ein Bräutigam seine Braut liebt. Immer wieder wird die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen mit diesem Bild verglichen. Die Braut ist nicht nur eine einzelne Person, sondern ein ganzes Volk, das Volk Israel. Später wird dieses Bild auf die Kirche übertragen. Die Katholische Kirche glaubt noch immer, dass sie als Kirche die Braut Gottes ist. Die Kirche Braut?!?! Vielleicht haben ja deswegen so viele der Männer in der Kirche Kleider an? Der Papst vielleicht sogar ein Brautkleid? Weiß und so… Crazy Shit! Nein, die ganze Kirche und jedes einzelne Mitglied ist Braut!
Was heißt es, als Braut zu leben? Muss sich dann jede/r ein Kleid anziehen? Johannes Paul II. hat in seiner „Theologie des Leibes“ viel zur bräutlichen Bedeutung des Leibes geschrieben. Häää? Bräutliche Bedeutung des Leibes? Der Papst hat mehrere Jahre damit verbracht, dieses Thema den Menschen zugänglich zu machen, also ist es unmöglich das Ganze in wenigen Sätzen zu erklären.

Freiheit
Johannes Paul sagt: Die Voraussetzung dafür, dass der Mensch „bräutlich“ sein kann, ist die Freiheit, Geschenk zu sein. Was ist Freiheit? Tun und lassen, was ich will? Leider nein. Freiheit meint: „Sich selbst ganz zu haben.“ Nur wer ganz in Besitz von sich selber ist, nicht abhängig von irgendjemand und irgendetwas, ist wirklich frei. Wenn ich nicht von der Meinung anderer abhängig bin, bin ich frei. Wer alle paar Minuten aufs Handy schauen muss, ob sich was getan hat, ist nicht frei. Wer den perfekten Tag, den perfekten Mann, das perfekte Kleid für die Hochzeit haben muss, ist nicht frei!
Freiheit bedeutet, auch der Mensch werden zu können, der du bist. Viele Menschen haben viele Sehnsüchte, wie sie sein wollen. „Wenn ich nur so große Brüste, diese Muskeln, das perfekte Aussehen… hätte, dann wäre ich glücklich.“ NEIN! Du bist gut, so wie du bist! Das soll dich aber nicht davon abhalten, die Person zu sein, die du sein sollst. Ein scheinbarer Widerspruch, der aber zum Menschsein dazu gehört. Beides sind wichtige Aspekte von Freiheit. Die Freiheit ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Beziehung mit Gott. Gott ist frei und er hat dich für die Freiheit geschaffen.

Geschenk
Gott hat dich auch dafür geschaffen, Geschenk zu sein. Schenken ist radikal! Das heißt: Ich gebe mich vollkommen hin, bin Geschenk für andere! Das ist nicht der Freibrief dafür, sich ausnützen zu lassen. Im Gegenteil! Die Person, die die wahre Bräutlichkeit lebt, weiß um ihren eigenen Wert und ist nicht billig. Trotzdem frei und vollkommen umsonst. Liebe kann nur geschenkt sein. Vorsicht! Hinter manchen Geschenken steckt purer Egoismus! Geschenk zu sein fordert heraus, es ist kein Ponyhof.

Gemeinsam
Wenn du deinen Körper anschaust, dann ist offensichtlich, dass er nicht für sich alleine geschaffen worden ist. Egal welche Geschlechtsorgane du hast, sie sind nicht nur da, um den Harndrang zu erleichtern, sondern du siehst, dass sie eine andere Funktion haben. Der Mensch genügt sich nicht selbst, sondern er braucht die anderen. Der menschliche Körper zeigt, dass er nicht für sich alleine, sondern für Gemeinschaft gemacht worden ist. Ein Körper alleine macht nicht viel Sinn. Erst im Hinblick auf das andere Geschlecht wird dein Körper sinnvoll. So zeigt schon der Körper, dass du Geschenk bist. Geschenk bin ich, bist du von Anfang an. Denn du hast dich nicht selbst gemacht. Dass ich bin, dass du bist, ist schon Geschenk, Geschenk von Gottes Liebe, der selbst ganz frei ist. Du sollst frei sein, um Geschenk zu sein: für andere und für Gott. So wirst du ganz Mensch, wirst Gottes Braut. Kein (Alb-)Traum in pink, sondern ganz DU selbst.

Daniel Palmanshofer
Theologie- & Philosophiestudent

Aus dem anstösse. Hier findest du alle Ausgaben zum Downloaden und kanns dich für ein kostenloses Abo in gedruckter Version anmelden.