Auf dem Weg nach Egalwohin passieren die schönsten Dinge. Und zwar deshalb, weil man schlicht nur unterwegs ist und weil sich der Augenblick vor einem auffaltet, damit man sich ihm öffnen kann: In den Begegnungen und in der Zeit, die man gerade eben miteinander verbringt. Nicht mehr, aber vor allem nicht weniger.

In den Herbstferien, vom 26. Oktober bis zum 1. November, waren 16 junge Menschen im Rahmen des Reiseprojektes „Ziellos“ unterwegs durch Europa. In den letzten Jahren hat sich dieses Format als Busreise etabliert und bereits über 150 Teilnehmer/innen zugleich in gewohnte und überraschende Ecken des Kontinentes gebracht. Im Jahr 2019 ist aber alles neu: Zum ersten Mal hat sich unsere ziellose Reisegruppe mit einem Rucksack als Gepäck und einem Interrail-Ticket im Hosensack aufgemacht, um Europa auf Gleisen und Schienen zu erkunden.

Was das heißt? In Zahlen kann man Folgendes zusammenfassen: 2400km Schiene haben wir ticken und tocken gehört. Das sind alles in allem etwa 32h Zugfahrt: Von Feldkirch nach Wien und weiter nach Brno/Brünn. Von dort über Bratislava nach Budapest und dann weiter, am Plattensee entlang nach Zagreb. Dann sind wir direkt ans kroatische Meer, nach Rijeka, von wo wir dann über Trieste ins wunderschöne Venezia gerollt sind. Über Verona und Milano sind wir weiter nach Como und dann am letzten Tag via Lugano und Zürich zurück an den Anfangsbahnhof Feldkirch. Während unserer Aufenthalte haben wir nur etwa 30km zu Fuß marschieren müssen, weil es überall in unmittelbarer Bahnhofsnähe schon unglaublich viel zu erleben gab. Wir haben in einer umgebauten Kellerbar und in einem ehemaligen Spital übernachtet, haben mit den Italienern in Como den Tag der Toten gefeiert und in Venezia in einem schmucken Zweisterne-Hotel geschlafen, Kanalgeruch inklusive. Wir haben in Budapest bei Sir Lancelot übertrieben viel zu Abend gegessen. Dafür hat Aladin für uns getanzt und uns sogar einzweimal zugezwinkert. Zu all den schönen und lustigen Erlebnissen während einer ziellosen Zeit kommt eines dazu, das viel mehr wiegt als alles andere: Wir sind gemeinsam durch eine zeitlose Phase gereist, weil eine Zugfahrt wie eine Außerzeitzone ist, in die du dich hockst, in aller Gemütlichkeit, und die Landschaft an dir vorbeifahren lässt. Da trifft man sich auf einer anderen Ebene; als ob man miteinander ein wundervolles Schlupfloch entdeckt, das einen mal da mal dort hin bringt und in den Zwischenphase einfach mal die Zeit anhält.

Mit dem Zug, zwischen Rad-Schiene-Geräuschen (dafür gibt’s übrigens einen eigenen Wikipedia-Eintrag), haben wir also Europa erkundet, ziellos wie immer, und dabei keinen Verbrennungsmotor gebraucht. Und das ohne irgendwelche Einschränkungen oder Schwierigkeiten. Es war wunderbar und wunderschön, was uns dazu bringt, dass wir jedem/r dringend anraten, sich einmal oder mehrmal eine Interrail-Reise zu gönnen. Dann wird man zum Gönnjamin. Und das ist gut so! Reisen braucht nämlich keine Emissionen! Und wir brauchen keinen Parkplatz suchen!

Wir sehen uns, wenn’s weiter geht!
www.instagram.com/ziellos.reise

Johannes Lampert

Dieser Artikel erschien im anstösse zum Thema "Viele kleine Schritte".

Ps: Wenn ihr euch zum Abo anmelden wollt, dann meldet euch hier: