Ich stehe vor der Stadtbibliothek Dornbirn und warte mit ein paar anderen, bis die Tür um 10:00 Uhr endlich aufgesperrt wird. Einige wollen wahrscheinlich Bücher ausleihen oder zurückgeben und bei ein paar anderen schauen Lebensmittel aus den Taschen. Das ist bei der Stadtbücherei mittlerweile zu einem gewohnten Anblick geworden, denn seit über einem Jahr gibt es dort den „Offenen Kühlschrank“. Was das ist erklärt mir Ingrid Benedikt, die Initiatorin des Projekts. Mit ihr bin ich auf einen Plausch in der Stadtbibliothek verabredet.

Die Tür zur Bibliothek geht auf, die einen laufen zu den Büchern, die anderen positionieren ihre Lebensmittel im Kühlschrank, oder in den Körbchen davor. „Nimm und bring!“ ist das Motto. Was man nicht mehr isst oder braucht, aber noch gut ist, kann man vorbei bringen und macht damit jemandem eine Freude, der vorbeikommt und es gut gebrauchen kann. Dabei soll es aber kein Sozialprojekt sein, denn alle dürfen vorbeikommen und was bringen bzw. mitnehmen.
Man merkt Ingrid gleich an, dass sie mit Herz und Seele zu ihrem Projekt steht. Mit ihr betreut ein kleines Team den Kühlschrank. Doch beginnen wir mal beim Anfang:

Corinna: Wie bist du auf die Idee zum „Offenen Kühlschrank“ gekommen?

Ingrid: Ich hab mir die Idee aus der Schweiz abgekupfert. Dort hab ich mir das Projekt unter die Lupe genommen und Tipps geholt, vor ich das ganze dann in Vorarlberg umgesetzt habe.

Was sollte man beachten, wenn man so einen „Offenen Kühlschrank“ starten möchte?

Man braucht auf jeden Fall einen guten Standort. Es sollte irgendwo sein, wo sowieso viele Menschen unterwegs sind. Damit muss man nicht extra irgendwo hin, sondern ist eh schon auf dem Weg. Das zweite ist, dass der Kühlschrank vorne verglast sein sollte. Dann sieht man gleich was drin ist. Ansonsten ist es für viele eine Hürde einfach mal rein zu schauen. Man braucht auch ein paar Leute die mitmachen, denn man muss ein Temperaturprotokoll für die Lebensmittelbehörde führen. Wenn man dann mal nicht kann, ist es echt blöd. Und man muss auch sonst ein bisschen dazu schauen, dass alles sauber bleibt.

Wie ist das Projekt angelaufen?

Erst war ich schon etwas skeptisch: Werden die Leute was mitbringen? Wird jemand wieder was raus nehmen? Aber es hat eigentlich ziemlich schnell gut funktioniert. Mittlerweile bekommen wir Ausschussware vom Bioladen und auch ein Caterer bringt ab und zu Übergebliebenes mit. Am allerbesten kommt immer das Selbstgemachte an, wie zum Beispiel Marmelade. Aber auch sonst ist ein ständiges Kommen und Gehen von Lebensmitteln.

Erlebst du mit deinem Projekt ein Umdenken in der Gesellschaft?

Auf jeden Fall! Vor allem junge Leute achten viel mehr auf einen bewussten Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Es gibt schon so viele tolle Initiativen um umweltbwussteres Leben zu erleichtern. Ich hab auf jeden Fall das Gefühl, dass wir langsam aber sicher in die richtige Richtung unterwegs sind.

Facts:

Standort
Stadtbibliothek Dornbirn,
Schulgasse 44

Öffnungszeiten
Dienstag 10 – 18 Uhr
Mittwoch 10 – 18 Uhr
Donnerstag 10 – 12 Uhr
Freitag     10 – 18 Uhr
Samstag  10 – 13 Uhr

Was darf alles in den Kühlschrank?

  • Die Lebensmittel müssen frisch und genießbar sein.
  • Sie dürfen abgelaufen sein, aber noch zum Verzehr geeignet.
  • Ernteüberschüsse
  • Eingekochtes, das frisch abgefüllt, gut verschlossen und mit Inhalt und Herstellungsdatum versehen ist.


Was sollte nicht rein?

  • Nichts Rohes, wie Milch, Eier, Fleisch
  • Keine angebrochenen Packungen
  • Keine Lebensmittel, die offensichtlich schon verdorben sind bzw. die schon „räudig“ aussehen oder riechen

Corinna Peter

Dieser Artikel erschien im anstösse zum Thema "Viele kleine Schritte".

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