Bischofsblog: Lärm und Stille liegen oft nahe beieinander. Etwa im Frei- bzw. Hallenbad ist das so. Wenn man an der Oberfläche seine Längen zieht, gibt es diesen Moment, in dem man untertaucht – und plötzlich ist der Lärmpegel, den spielende Kinder und gesprächige Erwachsene verursachen, gedämpft. Von einem Moment auf den anderen wird es still und ich bin, ehe ich dann wieder auftauche, für eine kurze Zeit bei mir selbst.

Ein leises Säuseln

Einmal unter- oder abtauchen: Das sagen wir, wenn wir uns vor etwas verstecken wollen. Aber auch dann, wenn wir all jene Stimmen, die jeden Tag auf uns einreden, bewusst in den Hintergrund rücken, um einmal verstärkt auf die eigene Stimme zu hören: auf die Stimme in mir, die von meinen Ängsten und Sehnsüchten, von meinen Träumen und Bedürfnissen erzählt. Bei Exerzitien, einem Waldspaziergang oder einfach einem Abend allein daheim können wir erfahren, dass in der Stille all das zum Klingen kommt, was wir sonst gern überhören oder ignorieren. Und vielleicht geht es uns dann wie dem Propheten Elija. Er zog sich vierzig Tage und vierzig Nächte in die Wüste zurück und begegnete Gott – nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer, sondern in einem leisen, zarten Säuseln (vgl. 1 Kön 19). „Still, still, still, wer Gott erkennen will“, heißt es in einem alten Lied. Das ist eine tiefe Erfahrung, der man in der Bibel oft begegnet: Gott kommt nicht mit Pauken und Trompeten. Vielmehr tritt er mit sanften Schritten in unser Leben. Die Liebe kommt immer leise.

Jugendliche Ruhestörung

Auch aus diesem Grund wird die Kirche in erster Linie mit einem Ort der Ruhe und der Einkehr in Verbindung gebracht. Umso überraschender ist die Botschaft von Papst Franziskus, die er immer wieder an Jugendliche richtet: „Macht Krach, seid laut und revolutionär.“ Er meint damit, dass Jugendliche kritisch ihre Stimme erheben sollen, wenn sie mit etwas nicht zufrieden sind. Auch ich finde, dass eine jugendliche Ruhestörung wohltuend wirkt. Sie rüttelt wach und legt den Finger in wunde Punkte, die von Erwachsenen gern übersehen und nicht beachtet werden. Besonders merken wir das bei der Initiative Fridays for Future. Seit Jugendliche die Mächtigen in Politik und Wirtschaft mahnen, dass sie zu wenig, ja viel zu wenig für die Zukunft der Erde und der kommenden Generationen tun, ist das Thema Klimaschutz verstärkt in das Bewusstsein der Menschen getreten. Und das ist gut so. Dieser „lästige Schrei der Jugendlichen“ (auch ein Zitat von Papst Franziskus) zeigt uns, dass es in bestimmten Situationen besser ist, unangenehm laut als angenehm leise zu sein.

Benno Elbs
Bischof

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