Bausteine für einen Jugendgottesdienst

„Personal Jesus“

Wer ist Jesus? Was wissen wir über ihn? News und Fake News? Hat es ihn überhaupt gegeben?
Hören wir uns den Song „Personal Jesus“ in der Version von Johnny Cash an:

www.youtube.com/watch?v=qpYW3qng78E
Your own, personal, Jesus
someone to hear your prayers,
someone who cares […]

Feeling unknown
and you‘re all alone,
flesh and bone,
by the telephone,
lift up the receiver,
i‘ll make you a believer […]
Reach out and touch faith

Der Song handelt von einem Versprechen: Jemand wird dein „persönlicher Jesus“ sein, das Telefon abnehmen und zuhören, da sein, Gebete erhören. „Jesus“ ist hier eine Chiffre, ein Symbol für dieses „sich kümmern“.

„I make you a believer… Reach out and touch faith.“ – Dieser „Glaube“ bezieht sich im Song nicht darauf, ob diese Person theoretisch existiert oder wie sie wissenschaftlich ganz genau beschrieben werden könnte. Es geht nicht Zahlen und Fakten über die Person, um ihr Gewicht, ihre Größe, die Haarfarbe oder das Bankkonto, sondern ganz praktisch darum, ob das Versprechen wahr ist: Ich bin für dich da. Es dreht sich um die persönliche Beziehung, um Glauben im Sinne von Vertrauen.

Und wenn Jesus nicht nur das Symbol für „Ich bin da“ wäre, sondern wenn er wirklich da wäre, wenn er selbst wirklich diese Person wäre? Dann wäre auch die Frage nach Jesus keine theoretische mehr, sondern eine praktische. Es ginge nicht mehr um die „News“ oder „Fake News“ auf Ebene der Geschichtsbücher, sondern um die Wahrheit auf einer persönlichen Ebene.

Wer ist Jesus? Darüber können wir als von der Wissenschaft geprägte Menschen des 21. Jahrhunderts dicke Bücher studieren, wir können googeln oder Dokumentationen auf Netflix anschauen. Aber lassen wir die Frage nach Jesus auch auf der anderen Ebene zu, auf der Ebene der persönlichen Beziehung, des Vertrauens, des Herzens, der Liebe?

„Amen“: Der Sprung in den Glauben
Wir kommen damit dem auf die Spur, das was Wort „glauben“ bedeutet – nicht als für wahr halten von Informationen, sondern als vertrauen auf in eine Person. Glaubst du an Jesus? Es geht nicht um überprüfbares Wissen, sondern: Traust du dich, damit zu rechnen, dass Jesus hier und jetzt wirklich da ist als jemand, der dich trägt und hält? Die Betonung liegt auf: Du glaubst es. Du rechnest damit und baust darauf. Du weißt es nicht. „Glauben“ in diesem Sinne braucht einen Vertrauensvorschuss. Es ist ein Wagnis, ein Schritt ins Ungewisse.

Es ist so ähnlich wie verliebt sein: Du fragst nicht nur nach überprüfbaren „News“ über die geliebte Person, sondern nach deinen Gefühlen, nach dem Vertrauen und der Verbundenheit. Du fragst nach der Liebe. Und Liebe bleibt immer ein Wagnis. Sicherheit entsteht erst Schritt für Schritt, wenn du es wagst, in der Liebe und mit der Liebe einen Weg zu gehen.

In unseren Gottesdiensten kommt das Wort „Amen“ sehr häufig vor. Dieses Wort bedeutet: „So ist es.“ oder „Ich bestätige die Aussage, es ist wahr.“. „Amen“ kommt vom hebräischen „aman“, welches mit „Glaube“, aber auch mit „Treue“ oder „Verbundenheit“ übersetzt wird. Wir sprechen mit diesem Wort also genau diese Wahrheit und den Glauben aus, nicht im Sinne von „News“ oder „Fake News“, sondern im Sinne von Beziehung und Vertrauen.

Wer ist Jesus? Darüber zu diskutieren ist gut. Einen Gottesdienst zu beginnen im Vertrauen, im Glauben (nicht im Wissen!), dass ER wirklich da ist, das ist noch einmal ein anderer Zugang. Ich lade dich herzlich ein, diesen Schritt des Glaubens zu wagen und dein „Amen“ dazu zu sagen. Wir setzen auf die Gegenwart Gottes und bauen darauf und beginnen:

„Im Namen des Vaters +, der dich erschaffen hat, im Namen des Sohnes +, der dich erlöst hat, im Namen des Heiligen Geistes +, der in uns wohnt. AMEN.“

Wer ist Jesus für dich?
Wir hören aus dem 16. Kapitel des Matthäusevangeliums:

13 Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? 14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! 17 Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.

Was denken die Leute über Jesus? Sie halten ihn für alles Mögliche. Viele News und Fake News. Jesus stellt aber noch eine zweite Frage, die den Akzent auf die persönliche Sicht der Jünger legt. „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Die Anrede „ihr“ steht ganz betont am Beginn der Frage. Und so wie die Frage Jesu beginnt auch die Antwort des Petrus (der stellvertretend für die Gemeinschaft der Jünger antwortet) mit der persönlichen Anrede „Du“: „Du bist der Christus (also der Messias), der Sohn des lebendigen Gottes.“

Die Frage Jesu und die Antwort des Petrus liegen auf einer anderen Ebene als die verschiedenen News und Fake News über Jesus. Es geht um die persönliche Beziehung zwischen Jesus und seinen Jüngern. Und noch ein Aspekt: In dem, was Petrus als seinen Glauben vertrauensvoll ausspricht, wird sichtbar, wer Jesus in den Augen Gottes ist: Jesus ist Gottes Sohn. Das ist eine Wahrheit, die ich nicht wissenschaftlich überprüfen kann. Ich kann sie nur glauben. Deswegen sagt Jesus auch zu Petrus: „Nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel.“ (Mt 16,17).

Wenn wir in den Evangelien die Geschichten über Jesus lesen, ist diese Unterscheidung wichtig: Die Evangelien sind keine Geschichtsbücher im Sinne moderner Geschichtswissenschaft, es sind Zeugnisse persönlichen Glaubens der Menschen, die mit Jesus unterwegs waren. Die Evangelien erzählen die frohe Botschaft, dass Jesus keine besonders spezielle und ausgefeilte Lehre gebracht hat, sondern uns den vertrauensvollen Zugang zu Gott, dem Vater, öffnen wollte. Denn nicht nur Jesus war Gottes Sohn, auch wir sind Gottes geliebte Kinder, leben von seiner Liebe, Treue und Verbundenheit.

Wer ist Jesus für dich? Wir hören den Song „Der Herr ist mein Hirte“
(www.youtube.com/watch?v=veYrBcizR3E).

Währenddessen kannst du der Frage nachgehen, wer Jesus für dich ist, wenn du möchtest, anhand der folgenden Begriffe (die ihr als Kärtchen oder als Powerpoint-Präsentation oder in anderer passender Form entsprechend vorbereiten könnt. Und, je nachdem, wie es für die Gruppe passt, könnt ihr euch noch eure eigenen Begriffe ergänzen und euch austauschen.)

JESUS - FRIEDENSFÜRST - MEISTER - DER ANFANG UND DAS ENDE - HERRSCHER - MESSIAS - RETTER - HERR - ERLÖSER - SOHN GOTTES - LAMM GOTTES - DER EINZIGE - ICH BIN DIE TÜR - ICH BIN DER GUTE HIRT - ICH BIN DER WAHRE WEINSTOCK - ICH BIN DIE AUFERSTEHUNG UND DAS LEBEN - ICH BIN DER WEG, DIE WAHRHEIT UND DAS LEBEN - ICH BIN DAS LICHT DER WELT - SOHN DES HÖCHSTEN - IMMANUEL - KÖNIG - MITTLER - DER HEILIGE GOTTES - HEILAND

Vater Unser
Wer ist Jesus? Und wer bist du? Jesus wollte uns ermuntern, so wie er selbst ganz in die Liebe Gottes einzutauchen und aus ihr zu leben. So wie Jesus sind wir von Gott geliebt und dürfen zu ihm „Papa“ sagen. Beten wir das „Vater Unser“.

Zwei Fragen zum Schluss
Was wäre, wenn Jesus wirklich „your personal Jesus“ wäre, die Person, der du vertrauen kannst und die dir zuhört? Traust du dich, zu glauben, dass Jesus auferstanden und lebendig ist, dass er eine Person deiner Gegenwart und nicht der Geschichtsbücher ist?

Zum Schluss dieses Gottesdienstes zwei Fragen. Du musst nicht hier und jetzt eine Antwort geben. Nimm die Fragen als Anregung mit in die kommenden Tage:

Auf einer Skala von 1 („Fake News“) bis 10 („Amen“ – So ist es!): Wie sehr hast du schon erlebt oder traust du dich damit zu rechnen, dass Jesus wirklich dein „personal Jesus“ ist, eine Person, der du vertrauen kannst und die dir zuhört? Traust du dich, zu glauben, dass Jesus auferstanden und lebendig ist, dass er eine Person deiner Gegenwart und nicht der Geschichtsbücher ist?

Was müsste Jesus für dich tun, welche Frage müsste er für dich beantworten, damit deine Antwort auf der Skala von 1 bis 10 um einen Punkt höher steigt? Trau dich, in den kommenden Tagen Jesus genau darum zu bitten und ihm deine Frage zu stellen.

Segen
„Glaubst du an Gott?“
„Ich lebe davon, dass ER an MICH glaubt.“
Was hältst du von Jesus Christus?
„Ich baue darauf, dass ER MICH hält.“
Was denkst du über den Heiligen Geist?“
„Dass er dich und mich verbindet,
mehr als wir uns denken können.“ 1         

(diesen Text vielleicht zu zweit im Wechsel lesen)

Und so segne uns Gott, der  Vater, und der Sohn, und der Heilige Geist. AMEN

QUELLE
1 Nach Andreas Knapp, in: Ders., Tiefer als das Meer. Gedichte zum Glauben, Würzburg 2005, 68.

 

Dieser Artikel erschien im anstösse.