„Der Tod ist groß…“ „Der Tod ist groß. Wir sind die Seinen Lachenden Munds. Wenn wir uns mitten im Leben meinen, wagt er zu weinen mitten in uns.“

Lachen und weinen gleichzeitig? Was der Dichter Rainer Maria Rilke in seinen Zeilen auf den Punkt bringt, klingt verrückt. Aber: Beschreibt diese widersprüchliche Verrücktheit der Gegensätze nicht das Leben ganz echt, so, wie es ist? Der Tod ist groß – und doch gibt es Hoffnung. Das ist Leben pur und entspricht auch der christlichen Hoffnung, die im Leben, im Tod und in der Auferstehung Jesu Christi gründet.
Tod und Leben, Abschied und Hoffnung gemeinsam: Ich denke dabei auch an Valentin Alge, der vor einem Jahr tödlich verunglückt ist und uns, als er sich als Zivildiener von der Jungen Kirche verabschiedet hat, ganz ähnliche Gedanken von Johann Wolfgang von Goethe mit auf den Weg gegeben hat:
„Heute geh ich. Komm ich wieder,
 Singen wir ganz andre Lieder.
 Wo so viel sich hoffen lässt,
 Ist der Abschied ja ein Fest.“

Día de los muertos: Was für ein Theater!
Heuer lädt die Junge Kirche wieder zu „Día de los muertos” ein. „Was für ein Theater zu Halloween”, denken sich manche. Aber nein, wir machen nicht einfach nur eine Party, sondern haben uns dabei etwas gedacht. Wir lassen eine Tradition mexikanischen Ursprungs hochleben, die Leben und Tod in ihrem Zusammenhang feiert. Das ist Leben pur und Religion im besten Sinne des Wortes: Wir begehen mit einem fröhlich-tiefsinnig-ernsten Ritual, was wir mit Worten nicht erklären können.

Der „Día de los muertos“ ist in Mexiko eigentlich ein Maskenball. Die Griechen und Römer nannten die Masken, mit denen sie Theater spielten, „ persona“ . Ja, manchmal ist unser persönliches Leben ein Theater. Wir können nur die Maske ablegen und aus der Rolle fallen.
Aber wir haben die Hoffnung, dass hinter allen Masken und Rollen des Lebens und auch des Todes sich mehr als nur das Nichts verbirgt. Dass wir durch alle Abschiede und Tode hindurch sein können, wer wir sind. Persönlich. Lebendig. Im Leben über die Grenze des Todes hinweg. Vielleicht ist das Auferstehung.

Wenn sich also jemand beschwert, was die Junge Kirche da für ein „Theater“ an Halloween macht: Dieses Theater erzählt kein Märchen, sondern vielleicht die tiefste Wahrheit unseres Lebens. Sei dabei und feiere mit uns das Leben pur beim „Día de los muertos” am Vorabend von Allerheiligen!

Fabian Jochum
Jugend- und Jungscharseelsorger

Dieser Artikel erschien im anstösse. Die gesamte Ausgabe findest du hier.

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