Suizid im Jugendalter. Suizidales Verhalten ist bis heute mit Tabus und Unsicherheiten belegt. Aus Angst, etwas falsch zu machen, trauen sich viele nicht das Thema anzusprechen und wissen nicht, wie sie reagieren sollen.

„Ich verbrachte mein Leben damit, gegen den Wunsch anzukämpfen, es zu Ende zu bringen“, so lautet ein Zitat einer jungen Frau, welche einen Suizidversuch überlebt hat.
Seit den 1980er Jahren ist zwar ein deutlicher Rückgang der Suizidhäufigkeit zu beobachten, dennoch ist die Zahl der Suizidtoten mehr als dreimal so hoch, wie etwa jene der Verkehrstoten. In Österreich sind laut Suizidstatistik jährlich etwa 30 bis 40 Suizide bei jungen Menschen zu beklagen, womit in Österreich vollendete Suizide zur häufigsten Todesursache bei den 10-14-Jährigen und zur zweithäufigsten bei den 15-19-Jährigen aufgestiegen ist. Zudem liegt die Zahl der Suizidversuche gegenüber den vollendeten Suiziden im Mittel um einen Faktor 10 bis 30 höher.
Wenngleich durchgeführte Suizidhandlungen bei uns glücklicherweise seltene Ereignisse sind, sind Gedanken über den Tod auch in der Kindheit und Jugend keine Seltenheit. Fast alle Jugendlichen erleben pubertäre Krisen. Die körperliche Entwicklung, die gesellschaftlichen Erwartungen, die Planung der eigenen Zukunft und die gleichzeitige Ablösung vom Elternhaus stellen gewaltige Herausforderung für Jugendliche dar. Dazu kommen, aufgrund des sich ändernden Hormonhaushaltes, bisher unbekannte Empfindungen und Gefühle. Ein Großteil der Jugendlichen meistert dies alles recht gut, viele erleben diese Phase aber eher als Lebensfrust denn Lebenslust.

Scheinbare Auswegslosigkeit
Bis zu 20% der Jugendlichen erleben längerfristige Phasen, in welchen sie den Eindruck gewinnen, dass die auftretenden Probleme und täglichen Herausforderungen für sie nicht mehr zu bewältigen sind. Dies führt oft zu Hilflosigkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und dem Eindruck, nichts wert zu sein.
Suizidversuche und Suizide sind oft ein Anzeichen für eine dramatisch zugespitzte, scheinbare Ausweglosigkeit, für großes psychisches Leid und die Einengung auf einen unumkehrbaren „Lösungsversuch“. Meist handelt es sich um eine sehr komplex erlebte Lebenssituation, die die Betroffenen in der aktuellen Lebenssituation ganz einfach überfordern.
Das Fass voller Probleme, Enttäuschungen, Ängste und Hoffnungslosigkeit läuft über. Menschen deren „Fass bald überläuft“ machen typische Phasen durch und senden zumeist Signale aus, zeigen bestimmte Merkmale. Sie sind darauf angewiesen, dass diese von aufmerksamen Erwachsenen und Gleichaltrigen wahr und ernst genommen werden, und dass sie eine geeignete Unterstützung erfahren. Das rechtzeitige Gesprächsangebot, das angemessene Reagieren kann Leben retten!
Denn wenn der Sog negativer Gedanken zu stark wird, ist es schwer, alleine aus dieser Abwärtsspirale wieder heraus zu finden.

Bitte Lebe!
„Suizidalität“ ist leider nach wie vor ein Tabuthema in unserer Gesellschaft. Aufgrund von Vorurteilen, falschen Annahmen und Mythen bzw. der Angst, etwas falsch zu machen, trauen sich viele nicht das Thema anzusprechen und wissen nicht, wie sie reagieren sollen.
Deshalb wurde von der SUPRO – Gesundheitsförderung und Prävention im Auftrag des Landes Vorarlberg und der VGKK die Webseite www.bittelebe.at produziert. Diese Webseite unterstützt Freunde, Bezugspersonen und Eltern von suizidalen oder gefährdeten Jugendlichen dabei, mögliche Signale zu erkennen, bietet Gesprächs- und Verhaltenstipps und listet die wichtigsten Anlaufstellen in Vorarlberg auf.

Zusätzlich gibt es bei der SUPRO ein Vielzahl an Materialien (Flyer, Plakate, Broschüren, …) zu diesem Thema, die kostenlos bestellt werden können (siehe auch https://www.supro.at/wissenswertes/suizidpraevention)

Suizidale Menschen wollen nicht sterben. Sie können nur nicht so weiterleben.

Gespräche können Leben retten!

Webseite: www.bittelebe.at
Notrufnummer Telefonseelsorge Vorarlberg: 142

Andreas Prenn
SUPRO

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