Predigt von Diakon Roland Sommerauer zum Thema "Heilige Familie"

Wir feiern das Fest „Heilige Familie“...


...und das am Beginn des dritten Lockdowns.
Am Ende eines Jahres, in dem viele Familien vor große Herausforderungen gestellt wurden bzw. werden…

Wer das Ideal der Heiligen Familie und seine konkrete Lebenswirklichkeit unter einen gemeinsamen Hut bringen möchte, um mit dieser Spannung leben zu können,  für den ist ein genauerer Blick auf das Vorbild der Heiligen Familie hilfreich, die auch viele Herausforderungen zu meistern hatten:

Da ist Maria, die man als unehelich Schwangere aus dem Dorf gewiesen hätte - ihr Verlobter nimmt sie zu sich, um den guten Ruf und den Schein zu wahren. - Denken wir an die vielen Mädchen, die in schwierigen Situationen verzweifelt nach Auswegen suchen, nur weil ihnen die Gesellschaft kein Verständnis entgegenbringt.

Da muss Maria in einer Bauernscheune ihr Kind zu Welt bringen, weil es nichts gibt, wo sie vorübergehend samt Lebensgefährten hätte wohnen können. - Nichts unterscheidet sie von jungen Leuten, die von einem Wohnungsamt zum anderen rennen, und überall hören: Nichts frei! Und Zu teuer!

Da lebt die Heilige Familie nach ihrer überstürzten Flucht aus Palästina jahrelang im ägyptischen Asyl, in einem fremden Land. -Wieviele Eltern können auch heute noch als Flüchtlinge ihren Kindern die Geborgenheit eines Elternhauses nicht bieten.

Da macht sich Sohn Jesus auf einer gemeinsamen Wallfahrt selbständig und setzt sich von seinen Eltern eine Zeitlang ab, und die Eltern, die ihn tagelang suchen, fragen völlig irritiert, warum er ihnen das angetan hat. Jeder von uns kennt heute Eltern, deren Kinder plötzlich eigene, oft unverständliche Wege gehen.

Da bittet Maria ihren Sohn bei einer Hochzeit, dem Hausherrn aus einer Verlegenheit zu helfen und muss sich gefallen lassen, von diesem vor den Gästen schroff zurechtgewiesen zu werden - Wieviele Menschen fühlen sich heute in ihrer Situation gedemütigt und möchten am liebsten im Boden versinken?

Da sind Eltern, die die öffentlichen Auftritte ihres Sohnes mit immer größerer Sorge verfolgen, denn dieser gerät mit den herrschenden Sitten und Gesetzen immer mehr in Widerspruch. - Das machen viele Eltern durch, deren Kinder mit Gesetzen ungute Erfahrungen machen.

Schließlich bleibt da eine Mutter, die den Schmerz und die Schande ertragen muss, Mutter eines Hingerichteten zu sein. - Wie fühlt sich eine Mutter, ein Vater, heute, wenn das eigene Kind einen tödlichen Unfall verursacht, den Drogentod stirbt oder eine Kerkerstrafe verbüßen muss?

Ein Blick auf die heilige Familie kann viel von der Spannung zwischen Ideal und Wirklichkeit nehmen.

Wenn wir - vom Kitsch befreit - auf dieses Vorbild der heiligen Familie schauen, so kann uns auch in diesem sehr herausfordernden Jahr die heilige Familie helfen.

Für alle Familien, die das Unbegreifliche begreifen und das Unerträgliche ertragen müssen, mag es trostvoll sein, zu wissen, dass Gott seiner Familie in der Welt die konkrete Lebenswirklichkeit mit all ihren Niederungen zugemutet hat –

Ein deutliches Zeichen der Solidarität mit allen Familien auch im heurigen Corona Jahr, die Sehnsucht und Alltag auf einen Nenner bringen möchten und unter der Tatsache leiden, dass sie damit nicht zurande kommen.

Mit dem Hinweis auf die Heilige Familie könnte die Kirche beispielhaft statt idealisierend argumentieren: Menschen wie du und ich haben in ihrem Bemühen um eine gute Familie Gottes Wohlgefallen gefunden.        

Mit der Fürsprache der Heiligen Familie können wir alle – verheiratet und unverheiratet - auch in die Keller unserer Herausforderungen gehen.

Gerade dort wirkt Gott.

Gerade da möchte Gott uns unterstützen.


Gerade da ist Gott da mit seinem Licht, wie uns auch in der Weihnachtszeit zugerufen worden ist:

„Das Volk, dass in der Finsternis ging,
sah ein helles Licht“ (Jesaja 9,1)

In bin überzeugt:
Gott geht mit seinem Licht
auch in den nächsten Lockdown mit.
Er hat eine offene Tür für unsere Anliegen.
Und mit der Heiligen Familie starke Fürsprecher.

AMEN