Bericht über Besuch bei Sr. Birgit Willam (geboren in Hohenems) von Wolfgang Ölz

Ich verbrachte diesen Sommer eine wunderbare Zeit auf der Kinderalm in St. Veit im Pongau. Auf Einladung von Schwester Birgit Willam durfte ich bei den Kleinen Schwestern von Betlehem mitleben. Eine Reportage erschien im Vorarlberger KirchenBlatt. Der Treffpunkt bringt Auszüge aus einem Interview. Übrigens lädt Schwester Birgit alle Pfarrangehörigen ein, Tage der Stille auf der Kinderalm zu verbringen. (Kleine Schwestern von Betlehem, Kinderalm, A-5261 ST. Veit im Pongau, T 06415 7022).


Welche Bedeutung haben die Erinnerungen an die Kindheit für die Schwestern?
Die Schwestern haben nicht nur einfach den Job zu beten, sondern in der Begegnung mit Jesus ist die ganze Person auf allen Ebenen durchdrungen von Gott. Jede soll das werden, was sie unter dem Blick Gottes ist. Das Denken an die Kindheit kann schön oder schmerzhaft sein. Es geht darum, die Erinnerungen nicht zu wälzen, sondern seine ganze Geschichte in Jesus zu betrachten. Denn: Ihm gehört alles, mein ganzes Leben ist von ihm geheilt und durch seine Gegenwart geheiligt.

Wie wurde Schwester Birgt berufen?
Schwester Birgit hatte eine einfache Berufungsgeschichte. Eintritt: 6. Oktober 1992 als Lebensschülerin, erste Profess 1997, ewige Profess 2005. Jede Sekunde freut sie sich über ihre Berufung und es wird immer stärker und sie wird immer glücklicher. Sie hat Jesus mit 14 Jahren gefunden. Nun ist sie fast fünfzig. Mit der Zeit kommt eine menschliche Reife, das Vergleichen und die Eifersucht nehmen ab. Jetzt macht sie in der Begleitung die Erfahrung, dass das Leben tiefer geht und schön ist.

Haben die Schwestern auch Freizeit?
Jeder Moment gehört Gott. Jeden Tag gibt es eine halbe Stunde Entspannung fürs Spazierengehen oder Gartenarbeiten. Sr. Birgit: Ich habe mich ganz frei  entschlossen, die freie Willensentscheidung Gott zu übergeben. Jemand anderer darf mir den Willen des Vaters sagen, weil ich dem anderen den Auftrag dazu gegeben habe. Gott gibt aber alles zurück. Er lässt nichts unbelohnt. Als ich die Schwelle meines Elternhauses das letzte Mal übertreten habe, habe ich gewusst, ich verlasse dieses Haus und werde nie wieder zurückkommen

Was möchte Schwester Birgit noch erreichen?
Ich möchte Güte und Demut empfangen – bevor er mich heimholt. Der Mönch lebt auf die definitive Begegnung mit Gott hin, so wie er jetzt schon im Lesen der Heiligen Schrift und in der Eucharistie Gott begegnet. Sr. Birgit: Ich denke x-mal am Tag daran, ersehne den Augenblick vor Gott stehen zu können.

Warum der Orden der Kleinen Schwestern von Betlehem?
Gott hat mir im Juni 1992  ganz klar gesagt, dass ich  eine kontemplative Berufung habe. Da machte ich im August Exerzitien in Frankreich und habe gespürt, das ist der Wille Gottes für mich. Es war nicht die Faszination für Äußerlichkeiten wie den Habit der Schwestern, sondern der Wille Gottes. Ich werde ein erfülltes Leben haben und das wurde mir sofort bestätigt. Die Berufung  besteht im Leben in der Einsamkeit mit Gott und in der geschwisterlichen Communio. Beide Aspekte sind wichtig: Die wachsende Liebe zu Gott und zu den Schwestern.

Wolfgang Ölz