Leitartikel von Diakon Rikard Toplek im Pfarrblatt Hohenems von Mai 2021

Ein Hauch von …

Ein Hauch von Sommer durchweht unsere Natur. Es ist der Hauch der Ahnung, dass bald der Sommer beginnt. Spüren wir auch den Hauch des Pfingstgeistes? Wie ein Hauch sagen wir, wenn wir etwas erleben, das berührt, belebt und bewegt, zugleich aber keinerlei Aufhebens macht, leise ist und unmittelbar. Wind spüren wir manchmal auf diese Weise. So heißt es an einer anderen Stelle der Bibel: Gott war nicht im Sturm, sondern im Säuseln des Windes. Gottes Geist ist also sanft wie ein Windhauch, wie ein kaum hörbares und doch kraftvolles, ins Ohr gehauchtes „Ich liebe dich!“

Wie ist das mit dem Hauch des Pfingstgeistes?
„Und er hauchte ihnen den Heiligen Geist ein.“ Diese Worte aus dem Johannesevangelium beseelen mich seit vielen Jahren immer wieder. Eine zärtliche Geste, mit der der Heilige Geist kommt. Denn: Etwas Einhauchen, das geht nicht von weit weg. Und: Etwas Einhauchen, das geht nicht bei allen gleichzeitig. Jesus musste also jedem einzelnen Jünger, der da in Jerusalem mit schlotternden Knien hinter verschlossenen Türen ängstlich und ratlos erstarrte, buchstäblich nahegekommen sein. Sie sahen nicht den Hauch einer Chance, dass es weitergehen könnte mit der Botschaft Jesu, mit der Botschaft der Liebe Gottes, ja vom Sinn und Wert des Lebens. Und wenn doch, hatten sie nicht den Hauch einer Ahnung, wie.

Gott ruft ins Leben!
Und dann kam Jesus und hauchte sie an. Jesus rief, ja berief seine vor Angst erkalteten Jünger in der Gemeinschaft, berührte dabei jedoch jeden einzelnen im Herzen. Einen Hauch von Wärme, Leben und Sinn spürt nur, wer die inneren Antennen ausgefahren hat, der Sehnsucht nach Sinn im Herzen spürt, jenen Sinngrund, in den wir zutiefst eingebettet und verwurzelt sind. Und so sucht sich der Geist Gottes Resonanzräume in unseren Herzen. Wer genau hinhört, der spürt die sanfte pfingstliche Botschaft, die zugleich kraftvoll in uns atmet und spricht: Ich meine dich!

Wirkung des Geistes!
Die Jünger hatten nun wenigstens den Hauch - ja, was für einen? Die Wirkung, das ist ebenfalls im Evangelium zu lesen, ist dann einfach wunderbar. Den Hauch einer Ahnung, in welchen großartigen Sinn sie da eingebunden sind; den Hauch einer Hoffnung, dass Jesus wirklich lebt, die Botschaft von der Liebe Gottes, vom Frieden, von der göttlichen Würde des Menschen, ja der gesamten Schöpfung, nicht tot zu kriegen ist.

Notwendiger Hauch
Wir brauchen den Hauch, mit dem uns der Auferstandene anhaucht, umgibt und durchdringt, um in all der Dunkelheit, in all dem Unfrieden, der Entfremdung, … den Hauch einer Hoffnung zu sehen. Ohne diesen Hauch resignieren, erkalten und erstarren wir, brechen Beziehungen ab. Ohne den Hauch einer Chance auf Vergebung wird aus einem kleinen Streit ein friedloser Zustand. Aus einer kleinen Grenzüberschreitung wird ein Zerwürfnis zwischen Nachbarvölkern. Aus einem Konflikt wird ein Krieg. Sähen und spürten wir nicht immer wieder den Hauch einer Hoffnung, wir würden gar nicht erst anfangen, uns um Versöhnung zu bemühen, Wege zueinander zu suchen, Brücken zu bauen.

Von Gottes Geist beseelt
Das geht nicht ohne den Hauch einer Öffnung füreinander, den Hauch einer Ahnung, dass jeder Mensch, von diesem Geist Gottes beseelt ist. Darum hauchte Jesus die Jünger innerhalb ihrer engen Grenzen, ihrer Erstarrung, ihrer Verschlossenheit an. Dazu gab er ihnen den Hauch einer Ahnung.  

Ermächtigt, ermutigt zum Leben
An Pfingsten sind wir eingeladen diesen Hauch, der uns belebt, uns Mut macht in uns zu erspüren. Der Hauch, der jedem Einzelnen von uns Mut macht und uns als Gemeinschaft, als Kirche ermutigt, auch dann weiter zu vertrauen, wenn es eng wird. Wir sind von Jesu Geist ermächtig zum Leben, zu ermutigen, zu trösten, zu stärken, ja aufzurichten. Jesu Hauch durchdringt an Pfingsten unsere Grenzen der Erstarrung, haucht uns an und sagt uns zu: „Empfangt den Heiligen Geist!“ Seid wunderbar!

Diakon Rikard Toplek