Orgel (erbaut 1927/28 von Josef Behmann) 3 Manuale, 72 Register Restaurierung: Kuhn (1986)

  Orgelführer Europa, Bärenreiter:

Als "neue elektropneumatische Monumentalorgel" war sie zur Einweihung präsentiert worden, und auch weniger informierte Besucher müssen damals auf den ersten Blick erkannt haben, dass hier höchst Ungewöhnliches entstanden war. So in die Breite gezogen und ohne die geringste Rücksicht auf die althergebrachte Werkanordnung hatte noch niemand einen Prospekt gesehen, ganz abgesehen von der schranklosen Aufstellung der Pfeifen wie Palisaden. Schließlich imponieren die Größe des Instruments, die im Bodenseeraum alles überragte, und vieles andere mehr.

Der Orgelbaumeister Josef Behmann war Anhänger der elsässischen Orgelreform, die in Straßburg durch Emil Rupp und Albert Schweitzer vertreten wurde - auf Schweitzers Anregungen geht der Spieltisch zurück. Ein Blick in die Disposition verdeutlicht, dass die Zeit extremer Grundtönigkeit mit ihrer Bevorzugung der 8´-Lage vorbei war. Im Hauptwerk stehen zwei labiale 16´- und sechs 8´-Register, dann folgen die Oktaven und Quinten bis in die hoheSeptime 1 1/7´. Auch das Schwellwerk im III. Manual bietet eine hohe Terzflöte 1 3/5´ und sogar einen Vogelsang 1´. Mixturen sind in allen Teilwerken vertreten. Allerdings kommt auch die Romantik nicht zu kurz - die elsässische Orgelreform verstand sich als eine Art Synthese von Klassischem (Barockem) und Romantischem deutscher wie französischer Prägung. Besonders das Schwellwerk des II. Manuals enthält dazu alle wesentlichen Bestandteile.

Es gibt die Aeoline  8´ und die Vox coelestis 8´ (deutsche Romantik), und es gibt die Trompete harmonique 8´, die Oboe 8´ und die Klarinette 8´ (französische Romantik). Aus dem elsässischen Konzept fällt nur das heraus, was besonders Rupp aufs Schärfste bekämpfte: das Hochdruckwerk, das noch im letzten Augenblick hinzukam. Mit einem Winddruck von 200 mm (normal sind 80 - 120 mm) werden fünf Seraphon-Register, u.a. eine Tuba mirabilis und im Pedal die Bombarde 16´ angeblasen. Die Orgel hat also auch ihr Kraftpaket. Dornbirn gehört mittlerweile zu den schon äußerst selten gewordenen Zeugen der damaligen Zeit des Aufbruchs und Ertastens neuer Möglichkeiten. Die Orgel in St. Martin befindet sich heute - auch nach der Restaurierung durch die Schweizer Orgelbaufirma Kuhn - in faktisch originalem Zustand! (Göttert / Isenberg)