Die Frohbotinnen sind jetzt mitten in Dornbirn, mit offener Tür und offenem Ohr für alle, die danach suchen. Damit haben sie ihr Ziel verwirklicht, das neben der Verbindung mit Christus immer auch das „mitten in der Welt“ vor Augen hat. Was die Geschichte der Gemeinschaft zudem durchzieht, ist das konsequente Fragen nach den Zeichen der Zeit und das demokratische Gestalten von Veränderungsprozessen.

Patricia Begle

Das „Werk der Frohbotschaft“ ist eine relativ junge Gemeinschaft, sie wird heuer 69. Insofern liegt es nahe, ihre Entwicklung mit der eines Menschen zu vergleichen und nach Werdegang, nach Entwicklungsschritten, nach inneren und äußeren Veränderungen zu fragen.
„Die späten 1950er und 1960er-Jahre - das war die kraftvolle Zeit der Jugendjahre“, erzählt Brigitte Knünz, Leiterin der Gemeinschaft. „Die Frauen haben eins nach dem anderen ins Leben gerufen.“ Es kam zur Gründung zahlreicher Institutionen: Familienhelferinnen- und Krankenpflegeschule in Bregenz, das Austria Catholic Center in London sowie das Bildungshaus Batschuns sind nur einige Beispiele.

Zur Eigenverantwortung 
In den Nach-1968er-Jahren kam es - wie an vielen Orten auf der Welt - zur „Revolution“. Zur internen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es in der Gemeinschaft sehr klösterlich zugegangen. „Es gab nur Taschengeld. Alkohol, Zigaretten und Kaffee waren verboten - auch Nylonstrümpfe waren nicht erlaubt“, erzählt Rosalia Kohler, die das Amt der Stellvertreterin innehält. Manche der Frauen standen vor ihrem Eintritt aber schon voll im Berufsleben und für sie stimmte diese äußere Form einfach nicht mehr. Gleichzeitig kam in dieser Zeit der Auftrag des II. Vatikanums, die Statuten zu überdenken. So begann die Gemeinschaft, ihre Regel neu zu schreiben. Der äußerst intensive und demokratisch geführte Prozess sollte zwanzig Jahre dauern, 1988 wurde die neue Regel approbiert. Sie führte vom starken Reglement in die Eigenverantwortung.
In diesen Jahren, die Zeit des mittleren Alters, ging es auch darum, die zahlreichen Unternehmen (siehe unten) weiterzuentwickeln und ihnen zu Beständigkeit zu verhelfen. „Sie wurden in solide Bahnen geführt, sie brauchten Tragkraft“, weiß die Leiterin.

Aufeinander schauen
Die Phase, in der sich die Gemeinschaft jetzt befindet, kann mit dem Lebensabend verglichen werden. Die Mitgliederzahl ist auf 58 gesunken, die meisten sind in Pension, Nachwuchs gibt es keinen. Der „Lebensabend“ wird auch im Umgang der Frauen miteinander spürbar. „Es hat etwas Gesetzteres bekommen, der Umgang und die Art, Sachen anzuschauen, ist barmherziger geworden“, überlegt Brigitte Knünz. Zudem richtet sich der Blick und das Interesse vermehrt auf die Gemeinschaft. Die Fürsorge füreinander wird groß geschrieben. Dafür wurde eigens eine Gruppe mit dem Namen „Sorge füreinander“ gegründet.

Zeichen der Zeit deuten 
„Wir müssen jetzt vieles in andere Hände übergeben“, erläutert Knünz. Das ist oft eine schwierige Aufgabe, steckt in den Unternehmen ja viel Herzblut, sind sie ja so etwas wie Kinder. So ist es hilfreich und gut, dass diese Entscheidungsprozesse demokratisch angelegt sind und schon lange Tradition haben, also gut eingeübt sind. Das Entscheidungsgremium, der Werkrat, besteht aus zehn Frauen, die gewählt werden. Vier Mal im Jahr treffen sie sich. Jedes Jahr steht dabei ein Unternehmen im Mittelpunkt, das auf drei Kriterien hin angeschaut wird: Entspricht es noch den Bedürfnissen der Zeit, muss es von uns getan werden? Reichen die personellen Ressourcen dafür noch aus? Trägt es sich finanziell noch?

In guten Händen
Den Frohbotinnen ist es wichtig, dass ihr Anliegen weitergeführt wird. Dass dies möglich ist, dafür sind das Austria Catholic Center in London und das Haus der Frohbotschaft in Batschuns zwei sprechende Beispiele. Ersteres ist heute ein Haus für Frauen, die von Menschenhandel betroffen sind, zweiteres steht Flüchtlingen zur Verfügung.

Neue Bleibe 
Nach drei Jahren Übergangswohnung sind die Frohbotinnen nun im Jänner in ihr neues Haus umgezogen. Es gehört den Kaplan Bonetti Sozialwerken, die Miete ist auf 25 Jahre angelegt. Bei der Raumaufteilung durften die Frauen ihre Wünsche einbringen - das sehen sie als großen Glücksfall. So entspricht das Haus den Zielsetzungen, die sie als Gemeinschaft schon ein Leben lang vor Augen haben: Der Raum der Stille vertieft die Verbindung zu Jesus Christus, zur Quelle. Die kleine öffentliche biblische Bibliothek ermöglicht Bildung. Die Wohnung für die Leitung macht das Haus zu einem Ort, an dem immer jemand da ist. Der große Tisch im Gemeinschaftsraum zeugt von Gastfreundschaft. Das dritte Schlafzimmer in der Wohnung ist „Zuhause“ für jene Frohbotinnen, die zwischendurch einmal heimkommen möchten.

Bewährtes weitergeben 
In welcher Form sich das Haus dann mit Leben füllen wird, ist noch offen. Fest steht lediglich, dass mittags immer gekocht wird. Dafür wurde Maria Gmeiner engagiert, sie ist Hausverantwortliche und zudem im Sekretariat tätig. Was für die Frohbotinnen neu ist, ist die Öffnung ihrer liturgischen Feiern. Sie werden in Zukunft immer montags um 18.30 Uhr in der Christuskapelle der Kaplan Bonetti Sozialwerke sein. „In der Liturgie haben wir viel Erfahrung, lange Tradition. Diese möchten wir gerne für andere offenhalten“, erklärt Brigitte Knünz.

Zukunft
Die große Frage, die nun ansteht, ist die Frage nach der Form. Der Freundeskreis der Frohbotinnen zeigt, dass es Menschen gibt, die mitgehen möchten. Ob die Gelübde auf Lebenszeit die einzig mögliche Form dafür sind - auf diese Frage werden die Frauen in den kommenden Monaten Antwort suchen.

Das Werk der Frohbotschaft

Die Frauengemeinschaft wurde 1947 von Msgr. Dr. Edwin Fasching gegründet mit dem Ziel, geistliches Leben nicht hinter Klostermauern, sondern mitten in der Welt zu verwirklichen.
Das Wirken der Frohbotinnen umfasst vier Bereiche: Bibel, Bildung, Interkulturelles/Interreligiöses, Soziales/Gastfreundschaft. 58 Frohbotinnen leben heute  in Österreich, London, Hamburg, Istanbul, Guatemala und Bolivien.

Derzeit ist die Gemeinschaft Trägerin folgender Institutionen:

  • Zeitschrift „Dein Wort - Mein Weg“
  • Bildungshaus Batschuns
  • Die Quelle (Verlag und Buchhandlung)
  • Lehranstalt für Sozialberufe in Bregenz
  • Kathi Lampert Schule für Sozialbetreuungsberufe in Götzis
  • Schule für Hör- und Sprachbildung in Dornbirn
  • Paedakoop Schule in Schlins
  • Bildungszentrum in Bolivien.

Ab Februar lädt die Gemeinschaft zu folgenden liturgischen Angeboten in die Christuskapelle der Kaplan Bonetti Sozialwerke ein:

  • Eucharistiefeier der Gemeinschaft, jeden 1. Montag im Monat, 18.30 Uhr.
  • Evensong, jeden 2. und 4. Montag im Monat, 18.30 Uhr Liederprobe im Haus der Frohbotschaft, 19.30 feierliches Abendlob.
  • Eucharistiefeier oder Wortgottesdienst, jeden 3. Montag im Monat, 18.30 Uhr.

Tag der offenen Tür:
Sa 27. Februar, 9 bis 17 Uhr.

www. frohbotinnen.at

(aus dem KirchenBlatt Nr. 4 vom 28. Jänner 2016)