„Ach, heute ist ja Aschermittwoch!“, ruft eine Passantin mit Fahrrad auf, als sie das Umleitungsschild vor der St. Martinskirche in Dornbirn bemerkt. „Asche to go“, steht darauf. Im gelben Kirchenzelt direkt vor den Pforten St. Martins einlösbar. Entschlossen parkt die Dame ihr Fahrrad und steigt die Stufen zum Zelt hinauf. Und damit ist sie nicht allein.

Isabel Natter

Genau genommen ist sie morgens um 9:15 Uhr, eine Viertelstunde nach Beginn der Aktion schon die sechste Person, die sich bei dieser Gelegenheit das Aschekreuz auf die Stirn zeichnen lässt. Und was an diesem Morgen in Dornbirn passiert, findet zeitgleich in mehreren deutschen Städten sowie in der Schweiz statt. Aber warum eigentlich „Asche to go“ in der Öffentlichkeit anbieten, wenn es auch im Gottesdienst ein solches Kreuzzeichen abzuholen gibt?

Warum also to go?

Alfons Meindl, Pfarrkoordinator und Initiator der Aktion in Dornbirn erklärt es sich so: „Viele PassantInnen, mit denen ich heute gesprochen habe, waren sich gar nicht bewusst, dass heute Aschermittwoch ist. Und wem kann man das verübeln? Man sieht es ja nicht, wenn man an der Kirche vorbeigeht. Man sieht es nicht, man hört es nicht und deshalb wissen es viele nicht.“

Mit einem Blick auf den geschäftigen Dornbirner Marktplatz fügt er hinzu: „Mit einer Aktion wie dieser wollen wir die Kirche wieder unter die Menschen bringen. Aktiv in den Dialog treten, statt hinter verschlossenen Türen zu warten. Denn Jesus hat ja auch nicht gewartet, bis die Leute endlich zu ihm gekommen sind. Er ist in die Welt hinausgegangen.“

Und es scheint zu funktionieren.

Die knapp 800 verpackten Brotscheiben, die zusätzlich zum Aschekreuz mitgegeben werden, sind bereits nach einer Stunde restlos verteilt. Und auch die beiden Priester, die im Zelt die Bekreuzigung vollziehen, haben viel zu tun. Alle paar Minuten steigt jemand die Treppe empor, sogar der Hund an der Leine darf mitkommen.

Doch nicht allen Menschen ist das recht. „Natürlich gibt es neben dem Interesse der einen auch die Kritik der anderen“, erzählt Meindl, der auf dem Marktplatz so manch ein Gespräch führt. „Es gibt ein paar Leute, die es gar nicht befürworten, dass das Aschekreuz auch außerhalb der Kirche angeboten wird, aber auch diese Stimmen sind uns recht, denn dadurch entsteht ein Gespräch und dadurch entsteht Bewegung. Man tritt in Kontakt, man spricht miteinander und schon wird der Glaube zu etwas Lebendigem.“

„Der Aschermittwoch erinnert an die Vergänglichkeit“,

so Pfarrer Erich Baldauf. „Aber auch daran, dass das Leben ein Geschenk ist. Und wo passt eine solche Erinnerung besser hin, als mitten hinein, in die Menschenmenge?“

Mitten hinein also, in die Menschenmenge, wo immer noch das Fahrrad jener Frau parkt, die in diesem Moment wieder die Treppe heruntersteigt, eine leichte Aschespur auf der Stirn. „Es ist ganz sonderbar“, meint sie. „Das letzte Mal, als ich das Aschekreuz bekommen habe, war ich noch in der Volksschule und das ist jetzt schon fast dreißig Jahre her. Seitdem habe ich es komplett vergessen. In die Kirche selbst gehen wir ja meistens nicht. Aber hier und heute auf dem Marktplatz, wo ich täglich vorbeikomme, hat mich dieses Umleitungsschild erinnert. Fast so, als wäre Gott plötzlich einen Schritt auf mich zugekommen.“