Heute erinnern wir uns an die drei „Weisen aus dem Morgenland“. Stellen Sie sich doch einmal vor, wie einer der Sterndeuter, z. B. Melchior, seiner Frau erklärt, warum er sich mit seinen Freunden nun für unbestimmte Zeit verabschiedet.

Ob die Frau das wohl verstehen konnte? Welche Sehnsucht hat dieser neu entdeckte Stern in Melchior geweckt? Worauf war er neugierig?  Welche Unruhe hat ihn so gepackt, dass er seine Familie verlassen und zu einer Reise ins Ungewisse aufgebrochen ist?

Mit der Sehnsucht ist es im Moment nicht einfach. Wonach sehnen Sie sich gerade? Vermutlich vor allem nach einem: Dass der Virus wieder verschwinden möge. Und dass Sie endlich wieder sorglos andere Menschen treffen und berühren können. In einer Zeit des Lockdowns ist es allerdings schwierig, aufzubrechen und dieser Sehnsucht zu folgen.

Die Sehnsucht hat aber eine kleine Schwester und das ist die Neugier (in einem positiven Sinn verstanden, wie bei einem Kind, das die Welt entdeckt). Von einer Therapeutin habe ich den Satz gehört: „Wer neugierig ist, hat in diesem Moment keinen Platz für Angst oder Sorge.“ Und so versuche ich in dieser unabsehbaren Zeit der Einschränkungen und des Unplanbaren bewusst meine Neugier zu pflegen. Und in mir und in meinem Umfeld Neues zu entdecken und zu staunen. Wo mir die Neugier solche Momente des Entdeckens und Staunens schenkt, spüre ich kleine Vorboten des Frühlings in einer grauen Zeit.

Ich mag die drei Verrückten aus dem Morgenland, die einen Stern entdeckt haben, ihrer Sehnsucht und Neugier gefolgt sind und ganz unerwartet in einem Viehstall über ein neugeborenes Kind staunen konnten.

Mag. Thomas Berger-Holzknecht
Gemeindeleiter in der Pfarre Mariahilf