Leitgedanken von Hartmut Vogl aus dem Pfarrblatt Ausgabe 4 Mai 2019.

„Lange Nächte“ sind in Mode: Entweder sind sie kommerziell (Einkaufen) ausgerichtet oder sie dienen zur Unterhaltung (Musik) bzw. tragen zur kulturellen Bildung (Museen, Forschung) bei. Gemeinsam ist allen die Absicht, auch ein neues Publikum außerhalb der üblichen Öffnungszeiten in die Institutionen zu locken.

Zum mittlerweile 15. Mal laden die Pfarren Österreichs am Freitag, dem 24. Mai, ab 18 Uhr zur „Langen Nacht der Kirchen“. In Bregenz bieten die Evangelische Gemeinde in der Kreuzkirche auf dem Ölrain, die Martinskapelle in der Oberstadt, die Nepomukkapelle am Kornmarkt, die Seekapelle und das Haus der Kirche in der Rathausstraße und die Pfarren Herz Jesu, Mariahilf und St. Gallus ein vielfältiges Programm mit verschiedenen Schwerpunkten. Allen liegt zugrunde, den vertrauten Kirchenraum neu erlebbar zu machen. Das genaue Programm ist in Foldern abgedruckt bzw. auf der Homepage www.langenachtderkirchen.at ersichtlich.

Erlebnis Kirchenraum
Im liturgischen Alltag feiern wir im Kirchenraum Eucharistie, wir empfangen die heiligen Sakramente und wir verabschieden uns von unseren Verstorbenen. In ihrer Funktion sind uns Kirchenräume vertraut und bekannt. - Welche neuen Perspektiven bieten sich, wenn plötzlich ungewohnte Blickwinkel eröffnet werden? Wie wirkt ein vertrauter Kirchenraum, wenn man ihn vom Presbyterium, von der Kanzel oder von der Empore betrachtet? Welche Kapellen verbergen sich hinter den vielen verschlossenen Türen? Was haben Kirchtürme zu bieten? Wo sind die Glocken und wie viele ergeben das „große Geläute“? Was ist in den Gebäuden um die Kirchen und wie gehören sie zum Ensemble? Die lange Nacht kann dazu beitragen, das Erlebnis Kirchenraum zu erweitern bzw. zu vertiefen.

Zum Leben erwachte Kirchenräume
In jedem (Wort-)Gottesdienst werden biblische Texte vorgelesen, gedeutet und ausgelegt: Auf diese Weise werden sie Ausdruck unseres lebendigen Glaubens. In den vertrauten Gebeten treten wir mit all unseren Sorgen und
Wünschen, mit unserem Dasein und Leben vor Gott. In ihren Bildern und Gleichnissen spricht die frohe Botschaft zu uns Gläubigen! Was aber können die vielen Heiligen auf den Altarbildern, die Darstellungen in den Fenstern, die Fresken und Deckengemälde und die vielen Statuen erzählen? Welches Glaubenszeugnis verkörpern sie, welches Martyrium haben sie erlitten oder welche biblische Szene stellen sie dar? Kennen wir „unsere/n“ Patron/in bzw. die Umstände für die Namensgebung der einzelnen Kirchen? Wissen wir Bescheid um die Geschichte der Entstehungszeit bzw. der Errichtung?

Die lange Nacht lädt dazu ein, das Leben in und aus den Kirchenräumen auf vielfältige Weise zu erkunden.

Leben im Kirchenraum
Ein Leitmotiv des 2. Vaticanum (1962-1965) war das „Aggiornamento“, also „das [bewusste] Anpassen an aktuelle Verhältnisse“: Wahrnehmbar wurde dies mit dem Volksaltar und dem Blick des Zelebranten zur Gemeinde, mit der Feier der Heiligen Messe in der Landessprache und der Einbeziehung von Laien in das pfarrliche und liturgische Leben (PGR, Liturgiekreis, ...). Somit kam „neues Leben“ mit innovativen Gottesdiensten und zeitgemäßen Formaten in den Kirchenraum. Kindergottesdienste, Krippen- und Auferstehungsfeiern für Familien bringen eine erfrischende „Unruhe“ in diese der Tradition verhafteten Räumlichkeiten. - Im Rahmen der Langen Nacht wird neben der Gelegenheit zu Meditation und Gebet auch zu Lesungen, Theater und Kabarett eingeladen und es gibt spezielle Programmangebote für Kinder und Jugendliche. Chöre singen (nicht nur Messgesänge) und neben der Königin der Instrumente werden auch andere Ensembles und Instrumente den Kirchenraum mit vielleicht ungewohnten Tönen erklingen lassen. Aber es darf auch (z.T. im Kirchenraum) gegessen und getrunken werden - und sogar Messwein wird verkostet. Neben spirituellen Angeboten gibt es unterschiedliche Möglichkeiten zur Begegnung und künstlerische Darbietungen.

Mit ihrem Besuch bei diesen vielfältigen Angeboten, mit ihrem Interesse und ihrer Beteiligung bringen alle, auch solche, die sich der Kirche vielleicht schon etwas fern fühlen, aktives Leben und damit gesunden Austausch und Diskurs in diese vertrauten Kirchenräume.

Kommen Sie vorbei, bringen Sie Ihre Bekannten mit und werden Sie Teil der Langen Nacht der Kirchen! Alle Organisator/innen freuen sich über Ihren Besuch.