Am 12. Februar 1975 starb in Bern, vergessen und in seiner Heimat lange unbedankt, der Schweizer Diplomat Carl Lutz, Retter von über 60.000 ungarischen Juden während des 2. Weltkriegs. Von 1954 bis 1961 war Carl Lutz schweizerischer Konsul in Bregenz. Das Ökumenische Bildungswerk Bregenz erinnert im November 2019 mit einer Ausstellung und einer Filmvorführung an diesen großen Menschen.

Gegenspieler der Nationalsozialisten in Ungarn

Als deutsche Truppen im März 1944 Ungarn als letztes Land in Europa besetzten, intensivierten die Nazis und ihre Helfer die Transporte der ungarischen Juden in die Konzentrationslager, besonders nach Auschwitz. In der Folge wurde Carl Lutz, damals Schweizer Vizekonsul in Budapest, zum Gegenspieler von Adolf Eichmann. In Verhandlungen mit ihm beruft sich Lutz auf ein angebliches britisches Mandat, durch das 8.000 Jüdinnen und Juden die Emigration nach Palästina erlaubt werden sollte. Überraschenderweise akzeptiert das Führerhauptquartier in Berlin dieses Kontingent, wohl auch weil Lutz während seiner früheren Tätigkeit in Palästina bei der Wahrnehmung deutscher Interessen im Jahre 1940 gute Dienste geleistet hatte.

Retter von Zehntausenden

Lutz lanciert daraufhin ohne Bewilligung des offiziellen Bern eine beispiellose Schutzbriefaktion, welche die Hilfe suchenden Menschen unter den diplomatischen Schutz der Schweiz stellt. Er überschreitet dabei das ihm von den Berliner Stellen zugestandene Kontingent um ein Mehrfaches und lässt die Pässe immer wieder von 1 bis 7999 nummerieren. Er mietet den Schauraum einer Glasfabrik, das sogenannte Glashaus, und erklärt es zur Außenstelle der Schweizer Gesandtschaft. Hier stellen nun jüdische Freiwillige im Schichtbetrieb die Schutzbriefe her. Im Laufe der sich zuspitzenden Ereignisse werden das Glashaus und weiter 76 unter Schutz gestellte Gebäude für viele Juden zum lebensrettenden Refugium, das sie vor der Deportation in die Vernichtungslager bewahrt.Von den 800.000 ungarischen Juden wurden 600.000 von den Nazis ermordet. Etwa die Hälfte der 124.000 Budapester Juden, die überlebt haben, verdankt dies dem mutigen Diplomaten Carl Lutz.

Ein vergessener Held

Er  blieb allerdings in der Schweiz als quasi „seine Kompetenzen überschreitender Beamter“ zu Lebzeiten und noch viele Jahre nach seinem Tod völlig ungewürdigt. Erst 1995 wurde er offiziell „rehabilitiert“. Immerhin erging es ihm besser als dem schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, der in Budapest ebenso Juden gerettet hatte: Dieser wurde 1945 nach Moskau verschleppt; sein weiteres Schicksal ist bis heute ungeklärt.

Carl Lutz wurde  1964 von Yad Vashem mit dem Titel „ Gerechter unter den Völkern“ geehrt. Seit 2004 besteht in Ungarn eine Carl-Lutz-Stiftung, die u. a. eine Wanderausstellung über sein Wirken konzipiert hat, welche nach Stationen in den USA, in Kanada, Israel und Südamerika in einer neuen deutschsprachigen Fassung nun auch in vielen Städten der Schweiz und in Berlin gezeigt wurde. Endlich ist sie nun auch in Bregenz zu sehen, wo Carl Lutz von 1954 bis 1961 als schweizerischer Konsul wirkte.

Das ökumenische Bildungswerk in Bregenz gedenkt Carl Lutz mit einer Ausstellung, die vom 8. bis 29. November 2019 in der Herz-Jesu-Kirche in Bregenz zu sehen sein wird.
Eröffnung: Freitag, 8. 11. 2019, 18:30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Herbert Pruner

Weitere Informationen zu Carl Lutz

Carl-Lutz-Stiftung

Carl Lutz Gesellschaft

Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten