Am 18.4.2022 kamen über 200 Neugierige zu einem ökumenischen „Gottesdienst der besonderen Art“ für Suchende und Zweifelnde, Kirchenmuffel und Schwergläubige und erlebten einen österlichen Abend.

Mit dem Versprechen „Da blüht uns was“ wurde der Gottesdienst in den Medien und vor allem in SocialMedia-Kanälen beworben. Und das lockte Menschen aus dem ganzen Land an - von Bludenz über den Bregenzerwald bis zum Leichblachtal.

Humor ist erlaubt

Bei strahlendem Sonnenschein wurden die Ankommenden mit einem Gläschen Wein oder Saft willkommen geheißen. Die Bierbänke und Stehtische in und vor dem Carport der Stadtgärtnerei waren schnell gefüllt. „Vor den Wartenden hing ein Transparent, das zeigte, dass hier nicht nur Zweifel, sondern auch Humor und Selbstironie erlaubt sind. Jesus im Nazarenerstil mit dem V-Zeichen, die Frauenstatue schaut konzentriert aufs Smartphone und die Männerstatue daneben hat möglicherweise Kopfweh. Ich habe über diesen Vorschlag der jungen Grafikerin Katharina Leitner sehr gelacht“, meint der katholische Gemeindeleiter Thomas Berger-Holzknecht vom Vorbereitungsteam.

Musik und Poesie im Dialog

Evelyn Fink-Mennel und ihre „Messis Cellogruppe“ eröffneten den Gottesdienst mit einem frischen Musikstück. Für die Interpretation der österlichen Bibelstelle war die Wortakrobatin und Poetin Ines Strohmaier eingeladen. In ihrem Text – den Sie hier nachlesen können - sprach die Poetry-Slamerin offen und humorvoll darüber, was sie glaubt und was nicht und was Ostern für sie bedeutet. Anstelle der Predigt wurde ein Dialoggespräch mit offenem Mikrofon angeboten, in dem die vielfältigen Meinungen in der Gruppe hörbar wurden. „Für uns war in der Vorbereitung dieses Gottesdienstes wichtig, dass wir Dialog und ein Gespräch auf Augenhöhe mit einer alltagstauglichen Sprache ermöglichen“, meint dazu Sandra Küng von der Pfarrcaritas.

Auswahl im Gelände und Gebet

Im Anschluss konnten die Feiernden das ganze Gelände der Stadtgärtnerei erkunden und bei verschiedenen Stationen pflanzen, klagen, schweigen, küssen, die Bibel kulinarisch genießen oder einfach beim Lagerfeuer zusammen stehen und über das Gehörte weiter reden. Messis Cellogruppe holte die Menschen wieder ab zum Fürbittgebet, das im Augenblick entstand. „Die Fürbitten kamen direkt aus der Gemeinde. Wir haben die Mitfeiernden gebeten, nach kurzer Stille ein oder zwei Worte zu finden und diese dann als Fürbitte laut zu sagen. So entstand eine Art ‚Wortwolke‘ mit Worten wie ‚Oma‘, ‚Arbeit‘ oder ‚Frieden‘“, zeigte sich der evangelische Pfarrer Ralf Stoffers beeindruckt. „Die Worte entfalten ja ihre Wirkung bei jedem und jeder anders – das war wie ein Samenkorn, eingepflanzt bei Gott. Für mich war das einer der berührendsten Momente.“ Nach dem Vater Unser und einem Segen wurde der Gottesdienst abgeschlossen. Wälderlieder von Messis Cellogruppe und eine kleine Osterglocke zum Abschied rundeten den gelungenen Abend ab.

Mehr davon

Die Rückmeldungen zu diesem besonderen Gottesdienst waren ermutigend: „Einfach genial, mehr davon. Danke!“ oder „Ich war ein bisschen skeptisch, bin dann aber nicht enttäuscht worden. Man konnte die Wiederauferstehung in mehrfacher Hinsicht erfahren, mit allen Sinnen, die uns gegeben sind.“ Und: „Nach monatelanger gedrückter Stimmung sind wir wie verwandelt in positiver Aufbruchsstimmung. Es war so berührend und einfach wunderbar schön.“ Das ökumenische Experiment wird weiter geführt werden.