Donnerstag ist Feiertag: „Fronleichnam“ oder wie im liturgischen Kalender zu lesen ist „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“. Ein arbeitsfreier Tag für viele Menschen und für andere ist es, wie es im Bregenzerwald zu hören ist, „Üsar Herrgotstag“.

Während meiner Kaplanzeit hatten Pfarrer Rudi und ich von Dienstag bis Freitag gemeinsamen Mittagstisch. Frau Rosmarie bekochte uns und achtete auf gesunde Ernährung. Als die Räume und somit auch die Küche im Pfarrhaus erneuert wurden, war der Ort des Kochens und Essens die Küche im Kaplanhaus.

Eines Tages öffnete ich den Kühlschrank und es stand neben meiner Milchpackung eine andere und zwei kleine Botschaften auf je einem Zettelchen, die da lauteten: „Herr Kaplan, das ist ein Nahrungsmittel!“ und auf dem anderen Papier: „Herr Kaplan, das ist ein Lebensmittel!“ Der erste Zettel befand sich bei der Milchpackung mit pasteurisierter haltbar Milch, der andere bei der Packung mit Milch aus der Molkerei. Und bei der Begegnung mit Frau Rosmarie an diesem Tag wurde ich aufgeklärt, was sie damit meinte. Nämlich: Je natürlicher die Milch ins Glas oder in den Kaffee kommt und um so weniger Entzug von Fett oder Prozesse zum Haltbarmachen getätigt werden, desto besser, geschmackvoller, wertvoller und gesünder ist die Milch.

Diese beiden Milchpackungen und das Gespräch in der Küche im Kaplanhaus kommen mir in den Sinn, wenn ich an Fronleichnam denke und an das, was wir feiern, wen wir ehren und warum wir dies tun.

Das Evangelium des Festtages (Mk 14,12-16.22-26) ist uns vertraut. Es erzählt vom Letzten Abendmahl und der bedeutungsvollen Handlung und den wirkmächtigen Worten Jesu als er das Dankgebet spricht: „Nehmt, das ist mein Leib!“ – Jesus schenkt sich den Jüngern damals.

Wir tun bis heute, was er uns zu tun aufgetragen hat. Heute schenkt sich Jesus uns. Und er gibt sich nicht in erster Linie, dass unser Hunger gestillt wird, dass wir sonst nichts mehr brauchen, damit wir satt sind. Nein, Jesus schenkt sich uns in einem kleinen Stück Brot, das sein Leben enthält. Es ist seine Offenheit für die Menschen, seine Bereitschaft andere zu hören, seine Geduld mit und seine Liebe zu den Menschen. Was uns gereicht wird an Fronleichnam und so oft an Sonn-, Feier- und Werktagen, das ist er selbst: es ist sein Leben, das sich mit dem unseren verbindet.

Das Brot, die Hostie, die Kommunion, ist Mittel zum Leben. Jesus selbst ist es, der uns nicht nur satt macht, sondern der in uns ist. Jesus ist das Mittel zum Leben für dich und für mich! Ich erhoffe für uns alle, dass diese Verbindung nachhaltig (wie wir heute so gern und oft sagen) wird und unser aller Leben reich macht. Jesus lebt in uns. Er schenkt uns Lebendigkeit. Jesus ist unser Leben.

Mag. Manfred Fink