Liebe Pfarrfamilie im Seelsorgeraum Bregenz!

Die Visitation, die in diesem Jahr im Dekanat Bregenz durchgeführt wird,
führt mich auch in die Pfarren des Seelsorgeraumes Bregenz. Seit Beginn
des Jahres finden Treffen und Begegnungen in verschiedenen Bereichen und
zu verschiedenen Anlässen statt, die das pfarrliche Leben prägen: Austausch
mit den Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenräten, dem Leitungsteam sowie
mit Religionslehrerinnen und -lehrern, Gottesdienstfeiern und Pastoralbesuche
in den Pfarren, Firmungen und Treffen mit Jugendlichen, das gemeinsame
Fronleichnamsfest, ein Besuch im Sozialzentrum Mariahilf mit
anschließender Wallfahrt auf den Gebhardsberg und einiges mehr.

Bei den Begegnungen, die bisher stattgefunden haben, war es für mich sehr
berührend, miterleben zu können, wie groß der Einsatz der haupt- und
ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, wie groß aber auch das
Bedürfnis vieler Menschen ist, in der Kirche Heimat und einen Ort der
Geborgenheit und des Gebetes zu finden. Besonders auch die Pastoralberichte,
die jede Pfarre verfasst hat, haben mir einen Einblick in das pfarrliche
Leben gegeben: in Gelungenes, das Freude schenkt und Ermutigung ist
für die Zukunft; in das, was ihr gemeinsam tragt und bewegt; aber auch in
Sorgen und Herausforderungen, die eine Weichenstellung für die Zukunft
erfordern. Allen Gläubigen möchte ich ein von Herzen kommendes Danke
sagen: danke für Euer großes Engagement in den Pfarren des Seelsorgeraumes.
Danke für Eure Zeit und Begabungen, die Ihr zur Verfügung stellt.
Danke auch für Eure Freude am Evangelium, für Euer Gebet und die
Verbundenheit mit Eurer Heimatpfarre.


Die Pfarren in Bregenz haben in den letzten Jahren eine Entwicklung hin
zu einem Seelsorgeraum begonnen, die für viele Bereiche auch Veränderung
bedeutet. Allen, die diesen Weg mitgegangen sind und unterstützt
haben, die Fragen gestellt und Zweifel geäußert haben, sage ich herzlich
danke. „Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es
nicht?“ Dieser Satz des Propheten Jesaja hat mir persönlich vor vielen
Jahren Augen und Ohren geöffnet für all das Gute, was Gott auch heute in
der Welt und durch uns wirkt. Mit Blick auf die Zukunft sind mir – neben
vielem anderen – besonders zwei Punkte wichtig geworden, die ich mit
Euch teilen möchte:

1. Jeder Mensch ist Gottesexperte
Als Christinnen und Christen vertrauen wir fest darauf, dass Gott in jedem
Augenblick unseres Lebens mit uns verbunden ist. Gott weiß um jeden
Menschen. Aber auch umgekehrt gilt der Satz: Jeder Mensch weiß um Gott.
Jede und jeder hat eine eigene Gottes- und Glaubenserfahrung, kennt die
Nähe und Zuwendung Gottes, aber auch Wüstenzeiten, in denen alles
trocken scheint und Fragen offenbleiben.


Ich sehe eine unserer Grundaufgaben darin, die göttliche Berufung in
Menschen zu wecken und sie in ihren Erfahrungen mit Gott und in ihren
Fragen über Gott zu begleiten: klug, diskret und geduldig. Unsere Pfarren
sollen demnach Räume sein für Gebet und Gottesdienst, für Kontakt und
Begegnung, für Stille und Gemeinschaft. „Mit Gott nahe bei den Menschen
sein“ – mit diesem Leitsatz, den das Leitungsteam gewählt hat, seid Ihr,
meine ich, genau in dieser Spur unterwegs.

2. Gemeinschaft stärken: Tragen und Getragen-Werden
Gemeinschaft und Zusammenhalt ist das Um und Auf des pfarrlichen
Lebens – egal, ob es das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten betrifft, die
Pfarrcafés, Seniorenrunden oder das gute Miteinander innerhalb eines
Arbeitskreises. Menschen sollen dabei zwei Erfahrungen machen können:
zum einen, dass sie selber Verantwortung übernehmen und die Gemeinschaft
mittragen können; und zum anderen, dass sie selber getragen werden.
Um es in einem Bild zu sagen: Die Kuppel des Petersdomes in Rom wurde,
so hat es mir eine Führerin einmal gesagt, ohne Mörtel gebaut. Dessen
Funktion haben die einzelnen Steine übernommen, die eben zwei Aufgaben
haben: Sie tragen und werden getragen.

Ich wünsche Euch, dass Ihr dies in den Bregenzer Pfarren ebenso erlebt:
dass jede Pfarre selbst mittträgt, aber auch getragen wird, wenn die Situation
es erfordert. Und auch ganz persönlich wünsche ich Euch, dass Ihr in
den verschiedenen Momenten des Lebens in den Pfarren Gemeinschaft und
gelebte Nächstenliebe erfahren könnt.

Für Euren Weg als Katholische Kirche in Bregenz, aber auch für Eure
persönlichen Lebenswege wünsche ich Euch von Herzen Gottes Segen. Gott
möge Euer Leben mit Freude und Vertrauen ausleuchten.

Dr. Benno Elbs, Bischof der Diözese Feldkirch