Die Jünger tun sich anfangs schwer, an die Auferstehung Jesu zu glauben. Mit ihren Zweifeln sind sie uns nahe.

Der Evangelist Lukas hat in seinem Evangelium die Ereignisse nach der Auferstehung Jesu festgehalten:
In der Frühe des Auferstehungstages gehen die Frauen zum Grab und finden es leer. Die Apostel glauben ihnen nicht, zumal die Frauen davon berichten, himmlische Wesen hätten ihnen gesagt, Jesus sei auferstanden.
Wenigstens Petrus geht der Sache auf den Grund, eilt zum Grab und kann sich davon überzeugen: Es ist tatsächlich leer; die Frauen haben die Wahrheit gesagt.
Aber auch seine Worte bewegen die Jünger wohl noch nicht so recht. Das beste Beispiel hierfür sind die Emmausjünger. Sie setzen sich noch am gleichen Tag von der Gruppe ab und treten sozusagen den Rückzug an. Erst als sie selber die Erfahrung der Begegnung mit Jesus machen, versuchen sie ihrerseits, die Apostel und Jünger von der Auferstehung Jesu zu überzeugen, indem sie von ihren Erlebnissen mit dem Auferstandenen unterwegs und in Emmaus berichten.
Mitten hinein in dieses Gespräch – hier stehen wir mit dem Evangelium des 3. Ostersonntages – erscheint Jesus. Die Reaktionen der Anwesenden aber sind nicht Jubel und Freude, sondern Angst und Schrecken, weil sie meinen, ein Gespenst zu sehen.

Mit dem Beispiel der Jünger und ihren Reaktionen möchte Lukas all jene Menschen auffangen, die sich mit dem Glauben an die Auferstehung Jesu schwer taten und tun. Die Jünger hatten Jesus sogar persönlich erlebt. Dennoch mussten sie darum kämpfen, um an seine Auferstehung glauben zu können. Das kann auch für uns wichtig sein: Die Apostel und Jünger waren laut Evangelium keine unkritischen Ja-Sager. Sie wollten Gewissheit für ihren Glauben.

Wie geht es uns heute mit unseren Zweifeln?

Die Zeiten, in denen Jesus durch verschlossene Türen ging und seine Wunden berühren ließ, seinen Jüngern den Sinn der Schrift erschloss, sind - so leid es uns auch tun mag - vorüber. Letztlich sind wir darauf angewiesen, zuerst den Zeugen von damals zu vertrauen.
Wir sind aber auch darauf angewiesen, uns gegenseitig in unserem Glauben zu bestärken, uns von Erfahrungen zu erzählen, in denen wir selber die Kraft des Auferstandenen spürten. Wir sind aufgerufen, uns gegenseitig den Sinn der Schrift zu erklären, uns gegenseitig daran zu erinnern, dass Gott es gut mit uns meint, uns bis ins Letzte trägt und hält.
Was uns in allen Zweifeln auch helfen kann, ist das gelebte Vorbild, das Zeugnis anderer Menschen. Zu sehen, dass es da Menschen gab und gibt, die aus der Kraft des Evangeliums leben, die bis zuletzt im Vertrauen auf Jesus ihren Weg gehen – auch wenn dieser Weg das Letzte von ihnen abverlangt.
Wir können an die vielen Heiligen denken, die sich in ihren Leben radikal auf andere Menschen eingelassen haben, dass man viele Jahre später noch von ihnen erzählt.

Aber wir müssen auch gar nicht so weit gehen: Vielleicht sind da Menschen in unserem eigenen Umkreis, vielleicht sogar in unseren eigenen Familien, bei denen wir merken oder merkten, dass sie glücklich und zufrieden leben oder lebten, die sogar glücklich sterben konnten, weil sie zutiefst auf das Mitgehen Jesu in ihrem Leben und in ihrem Sterben vertrauen oder vertrauten. Sie alle können uns helfen, unsere Zweifel zu überwinden und immer mehr in diesen Jesus und seine Botschaft zu vertrauen.
All diese Menschen lassen uns, wenn wir wieder einmal zweifeln, wenn wir uns schwer tun mit unserem Glauben, innerlich doch spüren, dass da an diesem Jesus Christus etwas dran sein könnte!

Ich wünsche Ihnen einen schönen 3. Ostersonntag
Diakon Gerold Hinteregger