Mitten in der unfreiwilligen „Corona-Fastenzeit-“ beginnt nun die christliche Fastenzeit, auch „heilige 40 Tage“ genannt. Da werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt: auf dies und jenes verzichten, Leber oder Lunge entlasten, abnehmen usw…

All diese Bemühungen in Ehren, aber für uns Christen kommt der eigentliche Sinn der Fastenzeit vom Ziel, von Ostern her. Die meisten wissen, dass wir da die Auferweckung Jesu feiern. Das ist aber nur erste Teil von Ostern.

Der zweite betrifft uns: Auch wir sollen auferstehen zum neuen Menschen. Wir haben zwar das körperliche Sterben und weiß Gott welche Leiden noch vor uns, aber das neue, das göttliche Leben sollte uns immer mehr dominieren, nicht so sehr das Sterbliche und Vergängliche.

Jesus war ja auch nicht erst nach der Auferstehung der neue Mensch, sondern schon vorher, und hat Menschen aufgebaut, getröstet, geheilt, befreit aus Einsamkeit und Ängsten. Auch uns hat Gott schon jetzt das göttliche Leben gegeben, damit wir als neue Menschen leben – vor dem Tod.

Dieser Thematik sollten wir uns in der Fastenzeit stellen, damit wir dann in der Osternacht mit den Osterkerzchen in der Hand das Taufversprechen erneuern können.

Was ist der neue, der österliche Mensch?

Man könnte es so sagen: Der neue Mensch kümmert sich weniger um das, was vergeht und stirbt, und mehr um das, was bleibt und was Gott schaffen möchte: Jesus hat es „Reich Gottes“ oder „Gottesherrschaft“ genannt. Der neue Mensch möchte, dass sich nicht das eigene Reich vergrößert, sondern dass es jeden Tag ein bisschen himmlischer auf der Erde zugeht.

Da kann es durchaus sinnvoll und hilfreich sein, dass man sich an den drei Stichworten orientiert, die als Überschrift über der Fastenzeit stehen: Fasten – beten – Almosen geben (Mt 6, 1-6.16-18). Sie sprechen an, was den neuen Menschen in uns hindert, herauszukommen, zu wachsen, zu leuchten, und auch das, was dieses Göttliche in uns mehr zum Leuchten bringen würde.

Fasten: Es kann sein, dass ein körperliches Bedürfnis eine so dominante Rolle spielt, dass alles Fühlen, Denken, Planen in die Richtung geht, dieses Bedürfnis zu befriedigen; dass für Gottes Plan, für Gottes Reich nicht mehr viel Herz und Herzblut übrig ist. Fasten wäre dann, auf diese Fixierung, die letztlich unfrei macht, zu reagieren, damit der neue Mensch atmen kann.

Beten: Hier ginge es darum, unsere Beziehung zu Gott zu überdenken und wieder oder mehr in die uns zugesagte Beziehung zu Gott hineinzufinden, ins Bewusstsein, dass wir Kinder Gottes sind und berufen, das Werk Jesu fortzuführen. Die Mittel dazu wären: Gebet, Besinnung, Bibellesen, Meditation ...

Almosen geben: Das meint bestimmt nicht, dass man die Spenden des letzten Jahres zusammenzählt und sich dann selbstzufrieden auf die Schulter klopft, sondern nüchtern betrachtet, wie man mit der Ungerechtigkeit in der Welt umgeht, die jeden Menschen auf eine andere Art anspricht. Da gibt es sehr viele Ausreden, mit denen man sein Gewissen beruhigt, z.B.: „Selber schuld!“, oder „Ich hab‘ mir auch alles erarbeiten müssen!“ oder „Was bringt’s, wenn wir ein paar Flüchtlinge aufnehmen, das verändert doch gar nichts!“

Nein, es geht immer um den einen Menschen, dem geholfen werden kann. Was wir tun, ist immer zu wenig, aber es verändert die Welt.

Ich wünsche Ihnen allen die Zeit und Muße, dass Sie dem neuen Menschen, dem Kind Gottes in Ihnen Aufmerksamkeit schenken und zum Wachstum verhelfen. Das kann geschehen, indem Sie manches lassen oder abstellen, was das Wachstum hindert, und indem Sie diesem „Kind in Ihnen“ geben, was es zum Wachsen braucht.

Wenn wir zu Ostern bekennen können: Ich bin ein bisschen vorangekommen auf dem Weg zum neuen Menschen, dann hat die Fastenzeit ihren christlichen Sinn erfüllt.

Pfarrer Mag. Arnold Feurle