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Ist die Bibel ein Buch für Kinder?
Auf den ersten Blick ist die Bibel kein Kinderbuch...
...es kommen nicht viele Kinder in der Bibel vor, die verschiedensten Texte sind Zeugnis von Glaubens- und Lebenserfahrungen von Erwachsenen. Trotzdem ist die Bibel auch ein Buch für Kinder – weil Kinder Geschichten brauchen und mögen, weil unsere mitteleuropäische Kultur bis heute stark von biblischen Gestalten und Motiven geprägt ist und nicht zuletzt, weil sich Kinder auch mithilfe biblischer Texte mit ihrem Glauben auseinander setzen können. Im Folgenden findest du einige Gedanken, was eine „gute“ Kinderbibel ausmacht.
Prinzipiell ist wichtig, dass sowohl der biblische Text als auch das lesende Kind ernstgenommen wird. Das heißt, dass die biblische Geschichte nicht dazu verzweckt werden darf, den Kindern eine erzieherische Botschaft zu vermitteln, sondern ihre Aussage bestehen bleibt.
Die Auswahl der Texte:
Kinderbibeln sind in der Regel Auswahltexte, die aus der Fülle der biblischen Texte einige herausgreifen. Eine gute Zusammenstellung berücksichtigt nicht nur die Sichtweise der Kinder, sondern verliert die Bibel als Textsammlung nicht aus den Augen. Es sollen also nicht nur Geschichten ausgewählt werden, die anschaulich sind und in denen z.B. möglichst viele Tiere vorkommen, sondern auch poetische Texte wie Psalmen oder Gebete, die untrennbar zur Bibel dazugehören. So ist etwa die Geschichte der Arche Noah ein beliebtes Sujet in Kinderbibeln, obwohl es hier ursprünglich nicht um eine niedliche Ansammlung von Tieren, sondern um die weit gehende Vernichtung der menschlichen Art geht.
Die Sprache:
Natürlich ist es sinnvoll, heute nicht mehr verständliche Begriffe für die Kinder behutsam anzugleichen oder zu erklären, ohne dabei jedoch den Sinn des ursprünglichen Textes zu verändern. Wenn aber z.B. von der Brotvermehrung als dem „erstaunlichen Picknick“ oder von der Salbung in Bethanien als „einer Party für Jesus“ gesprochen wird, verlieren die Geschichten an Tiefgang und werden in den lesenden Kindern ganz andere Assoziationen wecken.
Die Illustrationen:
Ein Großteil der Illustrator/innen von Kinderbibeln neigt dazu, den Text mit einer Unzahl an „Zierzeilen“ und Rahmen zu überfrachten. Gelungene Illustrationen beschränken sich auf das Wesentliche und/oder bilden den Text nicht einfach ab, sondern ergänzen und interpretieren ihn, eröffnen beim mehrmaligen Hinschauen auch neue Sinnebenen. So illustriert etwa Annegert Fuchshuber die Seligpreisungen mit Bildern von Menschen, die versucht haben, nach dieser Botschaft zu leben, wie Mutter Theresa oder Sophie Scholl. Auch wenn das für die Kinder vielleicht nicht immer gleich entschlüsselbar ist, wird es dem Text doch vielleicht mehr gerecht als eine einfache Abbildung von Jesus auf dem Berg.
Raum lassen für die Phantasie der Kinder:
Biblische Texte sind oft reduziert, weil sie Raum für die persönlichen Assoziationen der Lesenden lassen wollen. Wenn Texte aus der Bibel in Kinderbibeln sehr ausschmückend wiedergegeben werden, kann das dazu führen, dass bestimmte Bilder und Sichtweisen vorgegeben werden, die die Phantasie und Deutungslust der Kinder einschränken.
Wenn man aber Kindern biblische Geschichten erzählt oder vorliest, ist es wichtig, ihnen nicht eine fixe Deutung vorzusetzen und sich dessen bewusst zu sein, dass die Bibel kein Buch der Antworten, sondern vielmehr ein Buch der Fragen ist. Die Geschichten sollen den Kindern nicht als „Beweistexte“ präsentiert werden, um z.B. Erziehungsmaßnahmen zu rechtfertigen, sondern als Beispiel-Erzählungen, die veranschaulichen, wie Menschen zu früheren Zeiten mit wichtigen Fragen nach Gott, nach Leben und Tod, nach guten Beziehungen untereinander... umgegangen sind.
Broschüre
Die Broschüre „Empfehlenswerte Kinderbibeln“ der Deutschen Bibelgesellschaft gibt eine Übersicht über zahlreiche Kinderbibeln und zeigt Kriterien im Blick auf empfehlenswerte Kinderbibeln. Die Broschüre ist in der Medienstelle der Diözese Feldkirch um 1,10 € erhältlich.

