Liebe Gläubige,
am 4. Adventssonntag wurde ich als Bischof von Feldkirch im Dom verabschiedet. Die leitende Aufgabe wird nach Entscheidung des Papstes in absehbarer Zeit ein anderer übernehmen.
Allen meinen Dank, die in diesen Jahren mir in meinen Aufgaben beigestanden sind. Alle bitte ich, mir die Unzulänglichkeiten in meinem Bemühen zu verzeihen.
Einiges an Wichtigem aus meinem Dienst will ich durch dieses
Schreiben an Euch weitergeben. Durch den Auftrag des damaligen Pastoralamtsleiters Hofer habe ich mich besonders in der Ehe- und Familienpastoral eingesetzt. Das hat mich in meinem Glauben stark geprägt. Aus Erfahrungen der Ehevorbereitung und der Beratung wurde mir deutlich: Um die Ehebeziehung auf Dauer lebendig zu
halten, ist die Fähigkeit zur Liebe erforderlich. Diese ist zwar in jedem als Talent gegeben, braucht jedoch Entfaltung und Bildung. Unser Glaube hat als wichtigstes Gebot die Liebe als Gottes-, Nächsten- und Selbstliebe. Unsere Begabungen in Liebe leben zu können – dies soll durch den inneren Vollzug der Sakramente und der Messfeier ent-
faltet und gefördert werden. Was in der Botschaft Jesu an Anregung ausgesprochen ist, soll das tägliche Leben mit der Erfahrung von Sinn und Freude erfüllen.
Generell und grundlegend scheint mir für die Zukunft – und damit wir Zukunft haben – das Bemühen für einen persönlichen Glauben. Die Befähigung zur echten Liebe ist wohl der Wunsch eines jeden. Dass Liebe nicht selbstverständlich da ist, zeigt die Zahl der Trennungen und der unverbindlichen Beziehungen gerade im Bereich Ehe, Familie. Es geht jedoch auch heute darum, ,,neuer Mensch" nach der Vorgabe des Apostels Paulus zu werden (Eph 2,15), nicht einfach zu über-nehmen, was der Zeitgeist und allzu oberflächliche Medienangebote suggerieren. Das trägt nicht.
Auch darauf möchte ich hinweisen: Die Botschaft Jesu ist durch die Entwicklungen der Moderne nicht überholt. Vieles an Menschlichkeit und sozialem Miteinander wurde durch unseren Glauben grundgelegt und wird durch ihn auch heute getragen. Wenn er als entbehrlich und verzichtbar seine Bedeutung verliert, bleibt dies nicht ohne Wirkung auf das Niveau unseres Menschseins. Ich erhoffe besonders von der jungen Generation, dass sie heute in der verwirrenden Vielfalt der Angebote zur Lebensgestaltung nach dem Tragenden und Echten sucht. Die Talente einzugraben (Lk 19,1lff.) ist nicht zukunftsträchtig. Jesus ist auch heute für die Mehrung der Begabungen, auch im Bereich des Glaubens.
Es gab und gibt die Menschen des guten Willens. In unserer Zeit der Freiheiten und der Freizügigkeit ist es wichtig Profil zu zeigen. Die Botschaft Jesu schenkt Orientierung. Die kommende Festfeier zeigt uns den Gott, der zu uns kommt, wenn wir unser Herz öffnen. Er schenke uns Zukunft.
Von Patrick Stefanon veröffentlicht am 03.01.2012
