In der Stadt Myra, wo Nikolaus Bischof ist, gab es einmal eine große Hungersnot: Seit Wochen kein Regen, seit Monaten schon. Die Ernte verdorrt. Die Brunnen sind trocken. Nichts gibt es in Myra mehr zu kaufen, nichts zu essen.

Zu Nikolaus, so erzählt man, kommt eines Tages ein Bote, ganz atemlos ist er:
"Im Hafen der Stadt sind Schiffe eingelaufen. Schiffe des Kaisers, voll beladen mit Weizen für die Hauptstadt, für Rom. Im Hafen sind Schiffe, Bischof Nikolaus, voll mit Getreide - und wir hier hungern!" Schnell geht Nikolaus zum Hafen und dringt zum Kapitän vor: "Die Stadt hungert. Laßt Getreide ausladen, damit die Menschen gerettet werden!"

"Ehrwürdiger Vater, das Korn ist beim Einladen gewogen worden und für die kaiserliche Hauptstadt bestimmt. Ich kann nicht Getreide ausladen, so einfach unter der Hand. Das kostet meinen Kopf!" "Im Namen Gottes, des Vaters, des barmherzigen: Gebt mir hundert Sack Weizen, und es wird euch nichts geschehen, wenn ihr in Rom seid!"

Nikolaus-Schiff

Der Kapitän hat Angst, stimmt aber trotzdem zu. Nikolaus läßt das Korn austeilen. Es ist genug für den Hunger und genug als Saatgut für die nächste Aussaat. Man erzählt, daß in Rom an der Ladung des Schiffes nichts gefehlt habe.

Um 342 nach Christus stirbt Bischof Nikolaus.

Die Grabstätte des Heiligen war eine winzige Kapelle zu Myra. Aus den Gebeinen seines Grabes soll, so erzählt man, heilendes Öl entströmen. Die Gebeine des Heiligen wurden 1087 nach Bari gebracht. Dorthin wallfahren am Festtag seiner Ankunft in Bari Hunderttausende. Sie feiern den Mann, der in seinem Leben uns anschaulich die Liebe des Vaters nahe brachte.

Bei uns feiern Väter und Kinder das Fest des Bischofs Nikolaus am Abend des 5. und 6. Dezember.
Er ist der Vorbote derWeihnachtsfreude: Wie der Vater die Menschen durch die Geburt des Christus Kindes beschenkt, so erfreut sein heiliger Vorbote die Kinder mit Nüssen, Äpfeln und Süigkeiten.

Peter F. Bock

 

Von Helmut Köck veröffentlicht am 09.02.2012

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