„Weine nicht, Giovanni!“, sagte Opa zu seinem Enkel, der, wie immer, wenn er etwas auf dem Herzen hatte, bei ihm in der Stube saß....

Dieses Mal war Giovanni traurig, weil die Lehrerin seiner Klasse die Aufgabe gegeben hatte, Tiere für die Krippe in der Schule zu bringen. Die anderen Kinder brachten schöne und große Stofftiere, die ihre Eltern ihnen gekauft hatten, und dazu bunte Stoffmaschen für den Ochs und für den Esel, lustige Glöckchen für die Schafe und Kälber und viele weitere schöne Dinge, mit denen sie die Tiere verzierten.

Nur Giovanni war mit leeren Händen dagestanden. Seit sein Papa gestorben war, gab es nie genug Geld zuhause für besondere Dinge wie schöne Stofftiere. Außerdem hatte Giovanni auch keine Idee mehr, welches Tier er bringen könnte, weil die anderen Kinder schon so viele Tiere aufgestellt hatten.

Aber Opa tröstete Giovanni und sagte: „Ich habe etwas ganz Besonderes für dich!“ Er sprang vom Sofa auf und ging in den Keller. Giovannis Augen begannen zu leuchten. Denn Opa brachte immer Überraschungen aus dem Keller mit, aus seiner „Schatzkammer“, wie er sagte. Ja, und auch dieses Mal war es wirklich ein kleiner Schatz: Ein wunderschönes, gelbbraunes Tier mit zwei Höckern und etwas längerem Hals. Es war – ja, ihr habt es erraten: ein Kamel! „Das Kamel ist aber ein ganz besonderes Tier, Giovanni!“, gab Opa seinem Enkel noch mit auf den Weg.

„Das Kamel ist das fleißigste und geduldigste Tier, das es gibt. Es kann sehr lange durch die Wüste gehen, ohne zu fressen und zu trinken. Und außerdem, Giovanni: Das Kamel steht nicht irgendwo bei den anderen Tieren, sondern es hat seinen ganz besonderen Platz bei der Krippe. Soll ich ihn dir verraten?“ Opa beugte sich hinunter und flüsterte etwas in Giovannis Ohr…

Liebe Kinder: Wir haben gehört, dass Giovanni sein Kamel zu Weihnachten auch zu uns in den Dom bringen wird. Aber aufgepasst: Auch hier bei uns hat es einen ganz besonderen Platz! Wer von Euch entdeckt zu Weihnachten das Kamel in unserem Dom?                                                                                                                © Fabian Jochum