Pfarrers Seite

WÜSTEN HEUTE

Liebe Schwestern und Brüder,

Wüste, das ist das Motto unserer heurigen Fastenzeit. Es gibt viele Wüsten, in denen Menschen heute leben: aus dem normalen Alltag durch Krankheit, Tod, Trennung, Arbeitslosigkeit, Armut, Verlust, Verlassenheit, Einsamkeit, zerstörte Liebe und Beziehung, und andere Schicksalsschläge herausgerissen oder auf sich selbst gestellt sein. Wenn Sie gerade in so einer „Krise“ stecken, wenn Ihr bisheriges Leben auf der Kante oder auf Messers Schneide steht, dann ist das Wüste. Das Erscheinungsbild dieser Wüsten ist die „Entleerung der Seele“. Diese Erfahrung mit so mancher Art von Wüste in und um uns herum ist uns keineswegs fremd: Innerlich leer, physisch und seelisch ausgebrannt zu sein, ist das Schicksal vieler Mitmenschen. Heutzutage umschreibt man diesen Zustand mit Burnout. Aber auch die religiöse Wüste ist auf dem Vormarsch. Die Beziehung zu Gott wie aber auch unter uns Menschen ist von mancherlei Verödungserscheinung geprägt. Wenn man in einer Wüste steckt, ist die Sehnsucht nach einer Oase am größten. Unsere Wüstenwanderung ist sozusagen die Suche nach einer belebenden Oase des Neuanfangs, der Wende, der Heilung, der Versöhnung, usw.

Dass die Wüstenerfahrung Jesu ein gutes Ende hatte, das macht uns Mut, es ihm gleich zu tun und dranzubleiben, indem wir an einer positiven Wende im eigenen arbeiten. Aus der größten Wüste kann Gott ja neue, ungeahnte Wege entstehen und unsere Wüsten zu bewässertem Garten (vgl. Jes 58,11) werden lassen. Diesen Weg durch die Wüste wollen auch wir in dieser Fastenzeit gehen, um zu uns selbst zu finden.

So erzählt eine afrikanische Geschichte: Ein Missionar beobachtet das seltsame Gebaren eines Beduinen. Immer wieder legt sich dieser der Länge nach auf den Boden und drückt sein Ohr in den Wüstensand. Verwundert fragt ihn der Missionar: „Was machst du da eigentlich?“ Der Beduine richtet sich auf und sagt: „Freund, ich höre, wie die Wüste weint: Sie möchte ein Garten sein!“

Wie sich diese Wüstenerde danach sehnt, ein Garten zu werden, möge Gott unsere verschiedenen Wüsten in bewässerten Garten verwandeln. Der Garten ist das Sinnbild der Fülle in Gott: An der Verwandlung von Wüsten in blühende Gärten wollen wir in dieser Fastenzeit mitarbeiten. Ich wünsche uns allen eine gelingende Verwandlung!

 

Pfarrer Placide Ponzo