Zum Fest der "kleinen Auferstehung" - Ikonenmeditation
„Ich öffne eure Gräber und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf. ... Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig ..., Spruch des Herrn“ (Ez 37,12b-14)
Weit entfernt sind diese Aussagen von uns: Ezechiel war der Prophet des babylonischen Exils (597 - 539 v. Chr.). Er verkündet die Auferstehung von den Toten, dass sie durch Gottes Geist wieder lebendig werden. Er verbindet es mit der Ankündigung der Rückkehr ins Gelobte Land.
Was geht uns das an? Wir Christen verbinden das mit dem Gedanken an die Auferstehung von den Toten am Jüngsten Tag. Außerdem passt die Lesung ganz gut zum Evangelium von der Auferweckung des Lazarus. An ihm erfüllt sich eine andere Prophezeiung: der Messias (der Gesalbte des Herrn) wird Kranke heilen, Blinde sehend machen, Taube hörend, Lahme gehend und eben Tote zum Leben erwecken. Punkt. Wir müssen halt warten, bis zum jenem bereits genannten Jüngsten Tag, an dem auch wir auferweckt werden. Das sollte uns mit Hoffnung erfüllen; aber was hilft es uns hier und heute?
Bei unseren östlichen (orthodoxen) Brüdern und Schwestern wird dieses Evangelium am Samstag vor dem Palmsonntag gelesen.
Und dieser Tag, der sogenannte „Lazarus-Samstag“ ist ein Festtag: das Fest der „kleinen Auferstehung“. Die Auferweckung des Lazarus ist die Bestätigung, das Angeld für unsere eigene Auferstehung! Bevor die Christen sich in die Betrachtung der Leiden, des Sterbens und der Auferstehung des Herrn vertiefen, erhalten sie die Versicherung, dass die Auferstehung aller die Frohbotschaft für alle ist.
Aber können wir nicht auch - mitten im Alltag - immer wieder eine Auferstehung erfahren?
Gibt es nicht auch in unserem Leben Bereiche, die wie tot sind und dann wieder erfüllt mit Leben, mit Schwung, mit Energie, mit Be-geist-erung sind? Brauchen wir nicht auch jemanden - wie Lazarus - der uns aus dem Grab, in dem wir festgehalten sind, herausholt? Denn wir können uns nicht selbst befreien, wir können uns nicht am eigenen Schopf herausziehen. Wir sind ebenso wie Lazarus auf einen Ruf angewiesen: „Lazarus, komm heraus!“
Vielleicht kann uns ein Text aus einem der Gottesdienste in der Passionswoche da noch einen Anstoß geben, weiterzudenken: „Von meiner armen Seele wälze weg den schweren Stein der schlimmen Trägheit, Christus, und wecke mich aus dem Grab der Nachlässigkeit, du Herr allen Lebens!“
Mit Gottes Gutem Geist ausgestattet - der Bogen spannt sich hier (mitten in der Fastenzeit) bereits bis Pfingsten! - ist neues Leben möglich. Geschieht dann vielleicht ein kleines Stück weit das, worum wir im Vater Unser bitten: Dein Reich komme!? Ist das nicht das Gelobte Land, in das uns Gott führt, wenn er uns aus unseren Gräbern, aus unserer Totenstarre herausholt, hier, jetzt und heute? Wird so nicht sowohl der Spruch des Herrn, wie er vom Propheten Ezechiel festgehalten worden ist und die Auferweckung des Lazarus für uns topaktuell? Und erhält nicht dadurch die Auferstehung des Herrn, der Sieg über den Tod durch den, der das Leben selbst ist, eine tiefere Bedeutung?
Die Auferweckung des Lazarus - das Fest der „kleinen Auferstehung“ - ein Fest auch für uns?
( von Maria H.Duffner)
Von Marianne Springer veröffentlicht am 04.04.2009
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