Zum Erinnern stößt er an, der Tag des Judentums. Erinnern in mehrfacher Hinsicht.
Erinnern hat im jüdischen Glauben eine große Bedeutung - fast scheint es, als würde die gesamte Glaubenskraft aus der Erinnerung gezogen - aus der Erinnerung an das Heilswirken Gottes in der Geschichte. Immer sind es überlieferte Erfahrungen, die wieder und wieder erzählt und gefeiert werden und damit dem (Glaubens)leben Inhalt und Halt geben.
Das Erinnern zieht sich wie ein roter Faden weiter durch die christliche Gestalt des Glaubens. Im Zentrum finden wir ein Gedächtnismahl - ein Erinnerungsritual, das Kraft schenkt und Identität stiftet. Das Kirchenjahr ist geprägt durch Erinnerungen an das Leben Jesu. Das stete Wiederholen dieser Erfahrungen will zur Verinnerlichung führen.
Der Tag des Judentums will uns erinnern. Er will ins Bewusstsein rufen, dass wir, Christen und Juden, Christinnen und Jüdinnen, Geschwister im Glauben sind, dass unsere Wurzeln gemeinsame sind. Für uns ChristInnen ist der jüdische Glaube deshalb von großer Bedeutung, ihn zu verstehen ist geradezu Bedingung für das Verständnis unseres eigenen Glaubens.
Der Tag des Judentums will auch die Erinnerung wachhalten an die jahrhundertelangen Verfolgungen, denen Juden ausgesetzt waren. Und hier trägt die Kirche Mitschuld. Es gilt deshalb, die Vergangenheit genau anzuschauen, Zusammenhänge zu erkennen und die Suche nach Wahrheit nicht aufzugeben. Ebenso gilt es, in der Gegenwart hellhörig zu sein gegenüber jeder Form des Antisemitismus und hier klar Stellung zu beziehen.
Von Patricia Begle veröffentlicht am 16.01.2012

