Erstkommunion feiern in veränderten Familiensituationen

Anregungen und Ideen für ein gelungenes Erstkommunionfest für Familien in neuen Familienformen

Erstkommunion ist für unsere Kinder ein besonderer Festtag! Geht es doch um die Einladung, an der Gemeinschaft der Getauften und am Festmahl des Lebens teilzunehmen und Jesus als „Nahrungsmittel“ zur Stärkung unseres Lebens zu empfangen. Wir feiern in der Eucharistie Gottes heilsames Handeln an uns Menschen. Diese Mahlgemeinschaft soll zum Segen für das Leben der Menschen werden. Gleichzeitig öffnet sie uns den Horizont des Vertrauens, der es ermöglicht, die Heilsgeschichte Gottes mit uns Menschen auch im Scheitern weiter zu schreiben.

Ein Familienfest
Das Fest der Erstkommunion wird als großes Fest in der Pfarrgemeinde, aber auch in der Familie begangen. Für Familien in Trennung, Scheidung, Alleinerziehende oder in neuer Beziehung stellt die Vorbereitung auf das Erstkommunionfest eine große Herausforderung dar. Da ist eine Mutter, die sich kürzlich von ihrem Partner getrennt hat. Ihr gehen bei den Ausführungen beim Elternabend ganz andere Gedanken durch den Kopf: „Die Katechetin hat gut reden! Mich beschäftigt im Moment nur eines: Wie bewältige ich dieses Familienfest in meiner Situation? Wo sitzt mein Expartner? Wenn der noch am Ende seine neue Freundin mitbringt? Das Wichtigste ist, dass es ein schönes Fest für unser Kind wird!“

Damit es ein Fest für alle wird
Ihre Tochter / Ihr Sohn steht im Mittelpunkt dieses besonderen Tages. Damit es für Ihr Kind ein besonderer Tag werden kann, ist es gut, im Vorfeld schon nach seinen Wünschen zu fragen, aber auch seine Ängste und Unsicherheiten ernst zu nehmen. Aber auch eigene Gefühle, Fragen, Wünsche und Erwartungen – auch die des/der getrennt lebenden Partners/Partnerin sollen im Gespräch eingebracht werden. Was brauche ich, damit es mir und meinem Kind gut geht und es ein schönes Fest wird?
Dabei kann bereits in der Vorbereitung auf die Erstkommunion geklärt werden, wie die Einbindung des getrennt lebenden Elternteiles möglich ist. Sie/er könnte zu einem Elternabend mit eingeladen werden, aber auch eine Tischrunde begleiten oder bei der Festvorbereitung mithelfen.

Beziehung klären
Kinder möchten das Erstkommunionfest mit beiden Elternteilen feiern. Entscheidend wird sein, dass Sie mit dem getrennt lebenden Elternteil und – wenn Sie in einer neuen Beziehung leben – mit dem neuen Partner im Gespräch die Beziehung zur Mutter / zum Vater der Kindes klären. Ein Gespräch ohne mit alten Verletzungen konfrontiert zu werden kann helfen, über die eigenen Fragen, Wünsche und die offenen Fragen über das bevorstehende Fest zu sprechen – v.a. in welcher Form der getrennt lebende Elternteil am Fest beteiligt ist. Einigen Sie sich über Angelegenheiten, die Ihr Kind betreffen und sprechen Sie sich gemeinsam ab (z.B. Geschenk, Wer trägt was mit bei? ...).
Zur Klärung von Ängsten, Gefühlen und Fragen steht die Beratungsstelle (z.B. Ehe- und Familienzentrum der Diözese Feldkirch, T 05522/82072) für ein Gespräch mit einer Seelsorgerin / einem Seelsorger bzw. einer Beraterin / einem Berater zur Verfügung.

Neue Formen für ihre „neue Familie“
Die Herausforderung an die Gestaltung des Festtages liegt daran, sich auf neue Formen des Feierns zu einigen. Sicher ist es für das Kind das größte Geschenk, dass es den Tag mit beiden Elternteilen verbringen kann. Wenn das nicht möglich ist, können einzelne Teile des Festes mit verschiedenen Personen gefeiert werden – z.B: das Mittagessen mit einem Elternteil (und dessen Verwandtschaft); den Nachmittagsteil mit dem getrennt lebenden Elternteil (und dessen Verwandtschaft) – oder umgekehrt. Vielleicht kann auch eine andere Bezugsperson (Gota, Göte, Freunde ...) eine Hilfe sein, den Festtag mitzufeiern.
In manchen Situationen kann es aber auch hilfreich sein, den getrennt lebenden Elternteil nicht einzuladen oder mit ihm / ihr zu einem anderen Zeitpunkt zu feiern oder etwas zu unternehmen.
Wenn Sie andere Gäste zum Fest einladen, ist es wichtig, die anderen Gäste über die Festgestaltung zu informieren. So können sich alle darauf einstellen, was wen wo erwartet. Viele Probleme können so im Vorfeld zwischen den Erwachsenen geklärt werden und werden nicht über das Kind abgewickelt.

Matthias Nägele
Fachteam Spiritualität, Liturgie, Bildung der Diözese Feldkirch

 

Von Matthias Nägele veröffentlicht am 11.02.2009

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