Im Bild der Schließfächer von einer Klassenfahrt mit Schülern beschreibt Maria H. Duffner, wie wir am Beginn einer Messfeier unseren Rucksack ablegen können und alles vor Gott bringen können, um entlastet feiern zu können.
Eine kleine Episode von einer Klassenfahrt:
Im Sommer war ich mit Schülern mit Rucksack und Zelt unterwegs. Wir wollten unsere Reise in Speyer unterbrechen, um die schöne Altstadt und vor allem den Dom zu sehen. Am Bahnhof stürmten die Schüler zu den Schließfächern, um ihr nicht ganz leichtes Gepäck einzulagern. Aber leider konnten nicht alle ein Schließfach ergattern und eine andere Möglichkeit, das Gepäck abzustellen, gab es nicht. Ein wenig enttäuscht beschlossen sie, die Rucksäcke bei der Stadtbesichtigung mitzuschleppen. Die Kameradschaft war so groß, dass die „Gepäcklosen“ den „Belasteten“ halfen, dass sie ihnen ein Stück weit die Last abnahmen. Bei der Besichtigung habe ich diese Belastung gespürt: Einerseits waren die Schüler froh, wenn wir stehen blieben und sie den Rucksack herunternehmen konnten, andererseits konnten sie – wegen dieser Last – die Schönheiten der Stadt nicht so wahrnehmen wie jene, die unbelastet durch sie hindurch spazierten. Richtig locker wurde es erst dann wieder auf der Weiterfahrt, als alle im Zug ihr Gepäck niederstellen konnten.
Wir kommen mitten aus dem Leben
Diese Episode fiel mir ein, als ich vor kurzem mit einigen Leuten über das Mitfeiern in der Messe nachgedacht habe. Da kam das Argument: wir kommen ja alle von draußen, aus unseren Kreisen – beladen mit Sorgen, Nöten, vielleicht gar nach einem Streit, der uns bedrückt. Wir kommen aber auch mit dem, was wir erlebt haben, mit dem Schönen, was wir gesehen haben. Da ist es oft schwierig, sich auf das zu konzentrieren, was Sache der Messe, der Eucharistie ist.
Es wäre sicher nicht richtig, wollte man nun sagen: das was war, das lassen wir draußen, jetzt „schalten“ wir auf fromm, auf „Christsein“, dann geht es wieder weiter. Aber irgendwie bleibt ein ungutes Gefühl, wenn diese Ereignisse uns während der ganzen Messe umschwirren wie lästige Fliegen an einem schwül-heißen Sommertag. Gibt es nicht doch noch eine andere Möglichkeit, wie wir uns selbst einbringen können, wie wir da sein können?
Unbelastet mitfeiern
Mir geht es beim Einstieg immer wieder so wie den Schülern bei den Schließfächern: In der Einstimmung, im Bußakt, im Kyrie lege ich bildlich gesprochen meinen Rucksack vor den Altar: ich bringe alles mit, was mich die ganze Woche umtreibt, wo ich Mist gebaut habe. Und mit der Vergebungsbitte („Der allmächtige Gott erbarme sich unser, er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben“) kann ich – wieder bildlich gesprochen – meinen gebeugten Rücken aufrichten und kann gerade und frei vor dem Herrn stehen – und unbelastet mitfeiern. Denn meine Lasten weiß ich vor Ihm gut aufgehoben. So ist die Messe für mich dann sogar ein wenig „Atemholen für die Seele“ – also Erholung. Und dann fällt es mir oft leichter, bei der Entlassung („Gehet hin in Frieden“) wieder alles aufzunehmen und in den Alltag hinauszuwandern.
Niemand geht alleine
Auch das Bild jener Schüler, die den anderen ein Stück weit tragen geholfen haben, finde ich wieder: in den Fürbitten in der Messe und in den Gesprächen vor allem nach der Messe, wenn da miteinander geredet wird, wenn Neuigkeiten ausgetauscht werden, wenn Anteil genommen wird: Niemand sollte da alleine sein, wir begegnen uns!
Übrigens: ich freue mich schon auf die nächste Messe!
Maria H. Duffner
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(Bild: Ryan Greenberg / flickr.com)
Von Matthias Nägele veröffentlicht am 02.07.2010
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