Die Türe öffnet sich ... Gedanken zu Maria-Verkündigung

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Ikonen-Meditation von Maria Duffner

Stellen Sie sich vor, es gäbe keine Türen - dann dürfte es keine Mauern geben. Denn Türen sind Verbindungen von einer Seite zur anderen. Ein Haus ohne Türen - was bringt das? Das Haus soll Schutz bieten - vor der Witterung; aber auch die Privatsphäre, der persönliche Bereich wird durch die umgrenzende Mauer geschützt. Kontakt nach außen ist aber nur durch Tür und Fenster möglich. Ein Haus ohne Türen bietet diesen Schutz nicht. - Türen als Verbindung zwischen Drinnen und Draußen; als Verbindung zwischen getrennten Räumen, ja auch zwischen getrennten Welten - ist das Fest, das wir heute feiern - nämlich die Ankündigung des Herrn („Maria Verkündigung“) nicht auch so eine Türe? Ist diese Begebenheit nicht die Verbindung zwischen Gott und der Welt, zwischen Himmel und Erde?

"Heute ist unseres Heiles Beginn und die Offenbarung des urewigen Geheimnisses:
Gottes Sohn wird einer Jungfrau Kind, und Gabriel verkündet die Gnade.
Deshalb rufen auch wir mit ihm zur Gottesgebärerin: Sei gegrüßt, voll der Gnaden, der Herr ist mit dir.“ … so singen die Christen der griechisch-byzantinischen Tradition heute in ihrem Festgesang.

Heute ergreift Gott die Initiative, er will das Heil der Menschen, deshalb wendet er sich den Menschen zu mit dem Angebot, als Mensch geboren zu werden. Und Maria ist bereit dazu, diese „Türe“ zu sein. Durch sie kann Gott Mensch werden - klein, armselig, hilflos, der andere Menschen braucht, um heranwachsen zu können. Gott geht auf die Menschen zu, damit die Menschen Gott begegnen können, ihn finden können. Er ist nicht nur der ganz Ferne, Er ist im Hier und Jetzt. Er ist da und wir können und dürfen ihm antworten.

Ikone Maria-VerkündigungDiese Botschaft überbringt der Erzengel Gabriel. Aber die Ikone lässt erahnen, dass diese Botschaft nicht irgendeine Botschaft ist, sondern dass sie von größter Bedeutung ist. Die majestätische Ruhe, die Ikonen ausstrahlen, ist hier verschwunden. Der unfassbare Inhalt der Botschaft lässt auch  Engel erstaunen. Wer kann es schon fassen, dass der, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, ein kleines, hilfloses Kind werden will – einer von uns, in allem uns gleich außer der Sünde (Phil 2,11)? Der Engel kommt herein geeilt, alles an ihm ist in Bewegung (nur noch bei der Osterikone, wenn der Auferstandene herantritt, um den gefallenen Menschen aus den Gräbern zu holen, ist eine ähnliche Unruhe und Bewegung zu erkennen.) Die Muttergottes aber sitzt bei ihrer Arbeit – der Überlieferung nach (in den apokryphen Schriften) ist sie gerade dabei das Garn zu spinnen, aus denen der Vorhang im Tempel gewebt werden soll – bleibt ruhig und stellt ihre Fragen. Sie sagt nicht blindlings „ja“ zum Angebot Gottes. Denn Gott zwingt niemanden zu dem, was dem Heil für alle Menschen dient. Es ist müßig, zu spekulieren, was passiert wäre, wenn die Muttergottes dieses „Ja“ nicht gesprochen hätte. Sie hat es, nach reiflicher Überlegung gesprochen und ist so zur Türe geworden, die Erde und Himmel verbindet.

In den orthodoxen Kirchen ist der Altarraum, der den Himmel darstellt, durch eine Bilderwand, eine Ikonostase von dem Raum für die Gläubigen scheinbar getrennt. – Allerdings sind für die östlichen Christen die Ikonen der Bilderwand „Fenster zur Ewigkeit“ – und damit keine Trennung sondern eine Verbindung. Aber es gibt auch drei Türen: links und rechts die sogenannte „Engelstüre“ durch die der Priester, der Diakon und die Ministranten aus und eingehen. Der Diakon übernimmt in der Liturgie die Funktion des Engels, der die Botschaft von Gott verkündet, der aber auch die Kommunion austeilen darf. Er bringt unsere Bitten vor Gott in den Fürbitten, die er singt. Durch die mittlere Türe aber, die „Königstüre“, geht der Bischof immer; Priester und Diakon nur, wenn sie das Evangelium (das Wort Gottes) oder Gott in den eucharistischen Gaben zum Menschen bringen. Die Ikone auf der Königstüre ist aber immer die Ikone von der Ankündigung des Herrn. Denn die Muttergottes ist die Pforte, durch die Gott in die Welt kommt – wie wir oben schon gesehen haben

Aber bis zu einem gewissen Grad sind auch wir solche Türen, wie Maria eine war: Wenn wir zur Kommunion gehen, lassen wir uns nicht nur auf Gott ein; wir lassen Ihn ein! Und so wie Maria wären und sind auch wir verpflichtet, Gott in die Welt zu bringen.

Gott in die Welt bringen ... bedeutet das nicht, dass wir durch unser Leben, unsere Haltung ein wenig dazu beitragen, dass es in unserer Umgebung „heller und heiler“ wird? Auch wenn wir uns unserer Schwächen, unserer Armseligkeit bewußt sind - wie Maria - sagen wir eigentlich jedesmal bei der Kommunion dieses „Ja“, das auch Maria gesprochen hat!

DIE TÜRE ÖFFNET SICH - GOTT WIRD MENSCH!

Maria H.Duffner


Von Marianne Springer veröffentlicht am 24.03.2009

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