Es gibt Dinge, an die wird man nicht gerne erinnert. Umso wichtiger ist es, darüber zu sprechen – ohne Schuldzuweisungen und Vorverurteilungen. Am 7. November, 20 Uhr, diskutieren Pfarrer Edwin Matt, der Historiker Werner Dreier, Museumsdirektor Hanno Loewy und Kameradschaftsbundobmann Alwin Denz im Kolpinghaus Dornbirn zum Thema Erinnerungskultur und Aufarbeitung der NS-Vergangenheit.
Dornbirn (PDF) Das war damals eben so. Man konnte ja nicht anders. Alle haben es getan. Und dann gab es die, die eben doch anders konnten und nicht gehandelt haben, wie alle gehandelt haben. Carl Lampert, der am 13. November 2011 in Dornbirn St. Martin selig gesprochen wird, war einer von ihnen.
Runter mit den Scheuklappen
Wo Schreckliches geschieht, wo man schlussendlich vor den Trümmern von Katastrophen steht, da tun sich Gräben auf. Wo Opfer sind, da sind Täter. Wo Schuld ist, da wird nach Gerechtigkeit und Sühne verlangt. Was aber, wenn man einfach so weitermacht, als wäre nichts geschehen? Früher oder später brechen diese Tabuisierungen auf. Auch nach 70 Jahren sind Familien plötzlich mit einer Realität konfrontiert, welche alle Beteiligten heillos überfordert.
Keine Beschönigungen
Carl Lampert aus Göfis wurde am 13. November 1944 in Halle/Saale hingerichtet. Er stand dem nationalsozialistischen System im Weg. Er hörte auf sein Gewissen und verriet seine Überzeugungen auch unter Lebensgefahr nicht. Seine Seligsprechung am 13. November macht die Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus unumgänglich. Wie aber kann aufgebrochen werden, worüber jahrzehntelang geschwiegen wurde? Wie können Kirche und Gesellschaft sich aus der Tabuisierung befreien und zu einer ehrlichen Aufarbeitung der Vergangenheit gelangen? Wie lassen sich inmitten dieser traumatischen Verstrickungen von Schuld heilsame Wege der Versöhnung finden?
Dies sind Fragen, die beim Gesellschaftspolitischen Stammtisch der Katholischen Kirche Vorarlberg am 7. November diskutiert werden.
Übrigens, der Österreichische Rundfunk überträgt die Seligsprechungsfeier am 13. November 2011 ab 15.50 Uhr direkt auf ORF 2 und ORF 3.
Termin:
Mein Opa, ein Mörder?
Gesellschaftspolitsicher Stammtisch
7. November 2011
20 Uhr
Kolpinghaus Dornbirn
Es diskutieren: Pfarrer Edwin Matt (Pfarre Mariahilf, Bregenz), Werner Dreier (Historiker), Hanno Loewy (Direktor des Jüdischen Museums Hohenems), Alwin Denz (Obmann des Kameradschaftsbundes)
Moderation: Roland Poiger
Von Veronika Fehle veröffentlicht am 03.11.2011

