Der Bregenzer Künstler Hubert Matt wird bis zum Herbst 2012 den neuen Carl Lampert-Gedenkort in Dornbirn St. Martin gestalten. Dabei lassen sieben Betonröhren Tiefgründiges erahnen.

Dornbirn (PDF) Gemeinsam mit der Diözese Feldkirch und der Stadt Dornbirn hatte die Pfarre Dornbirn St. Martin im Umfeld der Seligsprechung Carl Lamperts einen Kunstwettbewerb ausgeschrieben, der mit 25.000 Euro dotiert wurde. Ein Gedenkort für den neuen Seligen sollte konzipiert werden – im öffentlichen Raum, um dort das Erinnern sichtbar werden zu lassen.

Vier Vorarlberger Künstler waren eingeladen worden, sich mit den Möglichkeiten eines neuen Gedenkortes auseinander zu setzen. Einzige Vorgaben: das Kunstwerk sollte witterungsbeständig und wartungsfrei sein und energieautark betrieben werden können. 

Ein Denkort und kein bloßes Denkmal

Kürzlich trat die neunköpfige Jury – bestehend aus Vertretern des Kulturbereichs und der Pfarre St. Martin – zusammen, um über den Wettbewerb zu entscheiden. Mit dem Bregenzer Designer und Designtheoretiker Hubert Matt wurde jener Künstler gefunden, der, so die Begründung der Jury, dem seligen Carl Lampert kein bloßes Denkmal setzt, sondern einen spezifischen „Denkort“ eröffnet. „Die Installation ,Layer‘ gestaltet einen imaginären Raum, der zugleich Spannung erzeugt und Spielraum zulässt. ,Layer’ erfüllt alle von der Projektgruppe genannten Kriterien: Sie nimmt auf den sensiblen Ort zwischen Marktplatz und Kirche Bezug und erweitert diesen Raum. Die durch das Kunstwerk neu entstehende imaginäre Ebene lässt den Erinnerungsort dazwischen entstehen. Der Bezug zu Carl Lampert wird durch eine noch zu gestaltende freistehende Tafel hergestellt.
,Layer’ erinnert an psychotherapeutische Aufstellungsarbeit. Systeme werden sichtbar gemacht, auch die un- und unterbewussten, die hier von den Kanaldeckeln dargestellt werden und die durch die ,Layer’-Stelen ein Stück weit geordnet werden.
,Layer’ überzeugt die Jury durch das Zulassen vielschichtiger Deutungsräume, die im Wechsel der Jahreszeiten sichtbar werden. Das Objekt kann dennoch begangen werden und besticht durch seine Sensibilität in der Bezugnahme auf die historisch ambivalente Örtlichkeit“, so die Juroren.

Kunst in Schichten

Das Konzept Hubert Matts ist so simpel wie es vielschichtig ist – was durch den Titel „Layer“, zu Deutsch Lage, Schicht, Schichtung, Ebene – bereits anklingt.
Sieben Betonröhren werden in das natürliche Gelände zwischen Pfarrhaus und Kirchturm eingelassen. Die Unebenheiten des kleinen Parks werden durch die Röhren ausgeglichen, die – je nach Gefälle – ein bis 30 Zentimeter über das Erdniveau hinausragen und dadurch eine imaginäre Ebene erzeugen. So spielen sie mit der Realität des Sichtbaren und der Imagination dessen, was unter der Erdoberfläche nur erahnt werden kann.

„Markiert wird das Verborgene, das System“

„,Layer’ greift das Gegebene auf – die Schächte – und damit eine unterirdische, nicht sichtbare Struktur, ein System. Es werden neue Schächte gesetzt – ein neues System. Sie bilden die Ecken eines siebenseitigen Polygons und zeichnen ein gemeinsames Höhenprofil. Damit entsteht eine imaginäre Ebene. Was purer Zweck und was Kunst ist, bleibt unscharf. Der Geländeverlauf mit seinen Objekten wird durch das Einziehen einer idealen Ebene spürbar. Der Ort wird kritisch. Markiert wird das Verborgene, das System“, beschreibt Hubert Matt sein Kunst-Konzept.

Hubert Matts Installation sprengt damit auch die Grenzen des Raumes. Im Weiterdenken des Hohlraum-Systems kann jeder weitere Hohlraum Teil dieses Kunstprojekts werden, das sich so über das gesamte Stadtgebiet erweitern kann.

Realisierung bis Herbst 2012

Bis Herbst 2012 wird „Layer“ im Park des Pfarrhauses umgesetzt werden und dort zur Erinnerung und dem Weiterdenken anregen. Die Antworten, die im Durchschreiten der Installation gefunden werden können, sind jedenfalls so vielschichtig, wie die Fragen, die Hubert Matt den Betrachtern seines Werks stellt.

Kurzbiografie Hubert Matt

Hubert Matt wurde 1959 geboren, unterrichtet Design und Designtheorie an der Fachhochschule Dornbirn und leitet die Hohenemser Sommerakademie. Der Künstler und Philosoph lebt und arbeitet in Bregenz. Arbeiten von Hubert Matt waren u. a. in der Neuen Galerie Graz, der Kunsthalle Wien, der Kunsthalle Krems, der Galerie Lisi Hämmerle und im Bildungshaus Batschuns  zu sehen.

Von Veronika Fehle veröffentlicht am 15.12.2011

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