Die Kulissen stehen, die Requisiten liegen bereit und der Text sitzt. Jetzt kommt noch der Feinschliff - denn am kommenden Freitag heißt es für "Jägerstätter": Premiere am Liebfrauenberg!

Fotos von den Proben gibt es hier.

Es ist schon erstaunlich, wie ein Theaterprojekt wie "Jägerstätter", das heuer auf dem Platz vor der Basilika in Rankweil zu sehen ist, die Massen zu bewegen versteht. Und das fängt schon bei den Mitwirkenden vor und hinter der Bühne an. Über 100 Frauen und Männer aller Altersklassen sind mit dabei. Über Wochen wurde auf dem Platz vor der Kirche gebaut, gehämmert und gesägt. Jetzt wird an Ort und Stelle geprobt. Und so mancher Zaungast oder Kirchgänger guckte doch relativ verdutzt aus der Wäsche, als er sich plötzlich mitten in den Proben zu "Jägerstätter" und damit auch mitten auf der Bühne befand. So ist das nämlich derzeit auf dem Liebfrauenberg: Wer in die Kirche will, der muss quer über die Bühne.

Menschlichkeit ist möglich

Es gehe ihr darum, erklärt Regisseurin Brigitta Soraperra, "sowohl einen ehrlichen, aufklärerischen Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus in Österreich zu werfen, als auch die beklemmende Aktualität des Stoffes für das Heute sichtbar zu machen. Es geht mir darum, aufzuzeigen, dass Menschlichkeit und Widerstand auch in Ausnahmezuständen möglich sind. Denn dafür haben wir ja unseren menschlichen Verstand, und unsere Fähigkeit zu Mitgefühl und zum Glauben an eine bessere Welt, die wir selber mitgestalten können – und müssen."

Wer ist denn dieser Jägerstätter?

Das ist eine Ansage und ein großer Auftrag zugleich. Denn Franz Jägerstätter gehört bis heute zu jenen Menschen, die der Gesellschaft quer im Magen liegen. Warum? Dafür gäbe es viele Gründe, einer davon ist sicher auch, dass das Beispiel Franz Jägerstätter zeigt, dass man sehr wohl hatte ahnen können, wohin das NS-Regime  treibt. Franz Jägerstätter war Landwirt und Mesner im oberösterreichischen St. Radegund. Als seine Einberufung kam, konnte er zunächst mehrfach als für die Gemeinde vor Ort unabkömmlich gestellt werden. Als der dritte Befehl kam, machte er sich auf nach Enns und erklärte, dass er aufgrund seiner christlichen Überzeugung den Wehrdienst für das NS-Regime nicht leisten könne. Franz Jägerstätter wurde inhaftiert, gefoltert und schließlich hingerichtet. Seine Familie wurde noch lange Zeit angefeindet. Bis heute ernten sie vielerorts nur Kopfschütteln. Franz Jägerstätter selbst wurde 2007 selig gesprochen.

Der österreichische Autor Felix Mitterer nahm nun diese Geschichte und brachte sie auf die Bühne. Es sei ihm wichtig, an diesen Menschen zu erinnern, der einfach "Nein" gesagt hatte, obwohl es ihn am Ende alles gekostet hatte.

Das Leben Franz Jägerstätters erinnert an eine Zeit, die gerne vergessen werden würde. Das ist vielleicht auch mit ein Grund, warum sein Name noch längst nicht jedermann bekannt ist. Jägerstätter aber hält die Erinnerung wach.  

Große Bilder und leise Momente

Dafür braucht es auf der Bühne, erzählt Regisseurin Brigitta Soraperra, "große und starke Bilder, einschneidende und wachrüttelnde, die wir mit den choreografierten Chorszenen kreieren. Es braucht aber auch Gegenmomente, leise und zarte Situationen, Momente der Hoffnung, die wir in den Einzelszenen, den Liebeszenen und den Szenen mit den Kindern schaffen. Und es braucht immer wieder Raum für die klugen Sätze und die genau gezeichneten Charaktere - Täter, Mitläufer und Opfer -, die Mitterer geschaffen hat."

Sepp Gröfler - von der Telefonseelsorge auf die Bühne

"Jägerstätter" ist keine einzige große Anklageschrift. "Jägerstätter" ist berührendes Theater und es ist ein Freilufttheaterprojekt, das die gesamte Region auf Trab hält. Allein die Schauspieler/innen und Sänger/innen stammen aus dem ganzen Land bis hin zum benachbarten Ausland. Unter den Akteuren finden sich Namen wie Angelika Kerschhaggl-Linder , Christian Urban, Martin Salzmann oder Sepp Gröfler, der neben seiner Tätigkeit bei der Telefonseelsorge auch als Kabarettist bekannt ist. Mit der Rolle des Franz Jägerstätter wechselt er in diesem Sommer ins ernste Fach. Wobei, während der Proben natürlich auch gelacht werden darf. 

"Jägerstätter" ist nach dem Rankler "Jedermann" von 2008 und 2009 das nächste große Theaterprojekt am Liebfrauenberg. Und seit Wochen ist halb Rankweil auf den Beinen - in Sachen "Jägerstätter". Premiere ist am 18. August. Deshalb: Alle auf ihre Plätze ... und toi, toi, toi.

Jugendvorstellung first

Übrigens, wer zu den ersten zählen will, die "Jägerstätter" auf dem Liebfrauenberg sehen können, der hat die besten Chancen, wenn er/sie Schüler/in, Student/in oder Lehrling ist. Denn am 17. August wird die Generalprobe für Jugendliche geöffnet. Ermäßigte Karten dafür sind über die Volksbank Vorarlberg erhältlich.

 

„Jägerstätter“

Premiere: 18. August 2017, 20.30 Uhr (ausverkauft)
Weitere Vorstellungen: 19. /23. /. 24. /. 25. / 26. / 27. August

Regie: Brigitta Soraperra
Choreographie: Ursula Sabatin
Musik: Arno Oehri
Chor: Michael Fliri
Bühne: Pascal Raich
Kostüme: Andrea Knecht

Mitwirkende: rund 50 Schauspieler/innen und Sänger/innen aus ganz Vorarlberg und Liechtenstein.
Kartenvorverkauf: Rathaus Rankweil, Musikladen Rankweil, Elektro Tschanett, Volksbank Vorarlberg