In den Tagen bis Weihnachten lesen Sie an dieser Stelle Geschichten und Ansichten von Menschen zum Advent, zur "stillen Zeit", zur Weihnacht schließlich. Besondere Geschichten, kleine Ereignisse, Gedanken. Miniaturerzählungen also, formuliert von Menschen, die nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen. Mehr noch: Menschen, die von der Gesellschaft übersehen werden, Menschen an Schnittpunkten existenzieller Fragen. Oder auch Menschen, die an Weihnachten arbeiten werden. Wir werfen einen Blick in Welten, die zwischen Küachle und Glühweinromantik gerne ausgeklammert werden.

Der 22. Dezembertag gehört Margit "Maggy" Buttazoni, die als Pflegerin im Heim St. Vinerius der St. Anna Stiftung in Nüziders arbeitet. Frau Buttazoni wird am 24. Dezember abends im Pflegeheim für die BewohnerInnen da sein. In jenen Stunden also, da die Idealvorstellung von Weihnachten vorschreibt, mit der Familie unter dem Tannenbaum zu sitzen.

Wie im Kreis einer Familie

von Maggy Buttazoni

Momentan durchlebe ich eine sehr intensive Zeit, was nicht am Advent liegt. Die Adventtage selbst erlebe ich wie immer, mit Kekse backen und den üblichen Dingen, die man im Advent halt so macht. Ich war 23 Jahre Mama, das legt man nicht so schnell ab, aber jetzt sind meine zwei Söhne aus dem Haus. Da ist alles anders.

Die Zeit mit den Kindern am Weihnachtsabend ist damit ja auch vorbei, von da her hat es mir nichts ausgemacht, dass ich am 24. am Abend Dienst habe. Früher habe ich an diesem Abend auch immer Leute eingeladen, die sonst alleine wären. Wir haben zusammengesessen und gegessen, ein bisschen gefeiert. Das war immer schön.

In diesem Jahr mache ich das erste Mal am Heiligen Abend Dienst im Pflegeheim. Was tatsächlich sein wird, ist ungewiss. Ich werde mittags anfangen und dann hoffe ich, dass ich mit meinen BewohnerInnen den Heiligen Abend so schön verbringen kann wie im Kreis einer Familie. Dazu muss ich sagen, dass ich gerne hier arbeite und die Menschen hier ja auch wie eine Art Familie sehen kann. Ich bekomme viel zurück von den BewohnerInnen. Die Menschen hier sind alt, man weiß nie, was im nächsten Jahr sein wird, für viele werden es vielleicht die letzten Weihnachten sein. Wir wissen nie, was kommt. Weihnachten soll für die Menschen hier so schön wie möglich sein.

Und ein bisschen eine Entlohnung wartet ja am nächsten Tag auf mich. Da fahre ich mit meinem Freund zu - ich kann sagen - unseren Verwandten nach Wien. Seine Familie hat mich ganz lieb aufgenommen. Und den nächsten Dienst habe ich dann erst am 30. Dezember. Und Silvester, da arbeite ich auch.

Von Rainer Juriatti veröffentlicht am 22.12.2009

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