In den Tagen bis Weihnachten lesen Sie an dieser Stelle Geschichten und Ansichten von Menschen zum Advent, zur "stillen Zeit", zur Weihnacht schließlich. Besondere Geschichten, kleine Ereignisse, Gedanken. Miniaturerzählungen also, formuliert von Menschen, die nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen. Mehr noch: Menschen, die von der Gesellschaft übersehen werden, Menschen an Schnittpunkten existenzieller Fragen. Oder auch Menschen, die an Weihnachten arbeiten werden. Wir werfen einen Blick in Welten, die zwischen Küachle und Glühweinromantik gerne ausgeklammert werden.
Der 19. Tag im Dezember gehört Hedy Lipburger aus Bregenz. Sie wohnt derzeit in Innsbruck und engagiert sich für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen und widmet ihr Leben den Ärmsten der Armen.
Weihnacht mit der Muslimin
von Hedy Lipburger
Kerzen, Lieder, Schnee und Geschichten können eine Hilfe sein, dass Weihnachtsstimmung aufkommt, aber irgendwie war mir das immer zu wenig.
Ich erinnere mich an ein Weihnachten auf den Philippinen, wo es keine Kerze gab, diese schmilzt nämlich in der Hitze, kein weißes Tischtuch und kein feines Abendessen. Das alles ist dort nicht Brauch. Die Armen rundherum kehrten den Lehmboden ihrer Hütten fein säuberlich und hängten einen großen Stern aus Kokosblättern vors Haus. Dann kamen sie zu uns und wir machten Spiele mit den Familien und überreichten jeder einen Sack mit Grundnahrungsmitteln und einem Hühnchen. Es waren etwa 100. Das ganze Jahr über war ein enger Kontakt, wo man Freud und Leid teilte, miteinander arbeitete, lernte und lebte - da war nicht mehr dieses Gefühl von reich und arm, im Gegenteil, wir waren alle wie eine riesengroße Familie. Die Messe mit diesen Menschen in der Heiligen Nacht war echt berührend. Ja, Jesus, die Liebe selbst, ist auf die Erde gekommen und möchte, dass sie unter uns weiterlebt. Wer ist der Beschenkte?
Vor drei Jahren verbrachte ich den Heiligen Abend und die Weihnachtszeit im Spital. Neben mir lag eine Türkin. Irgendwie hatte ich den Wunsch zu beten und ganz still und leise für mich Weihnachten zu feiern. Bald kam ich drauf , dass sie um diese Zeit das Opferfest feiern, eines der größten Feste für Muslime. Das war für mich etwas Neues. So interessierte ich mich und konnte nicht nur in eine andere Religion eintauchen, sondern auch in ihr Leben, ihre Familie, in ihr Brauchtum. Ich hatte zwar nicht meine traute stille Zeit, dafür eine unvergessliche Begegnung und Freundschaft, die anhält und die mich vieles verstehen und schätzen lässt.
Für mich bedeutet Weihnachten jedes Mal, wenn ich mich ganz einlasse, jemanden uneingeschränkt zu lieben. Advent ist wie wenn Jesus anklopft und sagt: ich möchte dir in jedem begegnen, bist du da?
Heuer sind bei mir in der Dachwohnung Bäcker einquartiert, die am Weihnachtsmarkt Brot backen. So im Gespräch erzählten sie, dass so viel Brot überbleibt und dass sie es einfach in den Müllsack geben. Ich sagte ihnen, dass ich nicht schlafen kann, wenn sie das weiterhin tun. Es tut mir weh, wenn wo viele an Hunger sterben. Und so hab ich verschiedene Leute gefunden, die an einem bestimmten Tag dort vorbeigehen und Brot abholen können.
Es ist immer Er, der anklopft und will, dass wir handeln.
Heuer werde ich zu Weihnachten aus der Umgebung ein paar Menschen einladen, die keine Verwandten und Freunde haben und dieses so besondere und doch so einfache Fest feiern. Mit ihnen feiern.
Von Rainer Juriatti veröffentlicht am 19.12.2009
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