Tage der Kirchenmusik in Bregenz vom 12. - 17 Juli: Gesamtchorleiter Wolfgang Schwendinger im Interview.

„Christus - unser Lied“ - unter diesem Motto finden sich im Juli eine Woche lang Kirchenmusiker/innen aus dem ganzen Land zu den „Tagen der Kirchenmusik“ in Bregenz zu-sammen. Die dabei erarbeitete Literatur wird am Ende mit mehreren Chören zur Aufführung gebracht. Wolfgang Schwendinger,  Leiter des Gesamtchores, spricht im KirchenBlatt-Interview über seine Erwartungen an die Kirchenmusik-Woche.

Wolfgang Schwendinger

Wolfgang Schwendinger
Gesamtchorleiter - Tage der Kirchemmusik 2011
"Gefühle leben und singend, spielend, dirigierend weitergeben ..."

Bild rechts: Bregenz Herz-Jesu, einer der Kirchenmusik-Brennpunkte des Landes. Am Pult: Wolfgang Schwendinger

 

Was sind die Kriterien, die zur Auswahl der Chor-Werke bei den heurigen „Tagen der Kirchenmusik“ in Bregenz geführt haben? Die Messe von Brahms wird doch eher selten gesungen.
In erster Linie die Jubiläen - ich bin ein etwas sentimentaler Mensch – und hier ist mir das Jubiläum des burgenländisch-ungarischen Superstars Franz Liszt ins Auge gesprungen. Die Messe von Brahms lag bei mir schon länger im Warteregal. Da sie kein Gloria hat, würde man sie nur in der Fastenzeit verwenden können. Und dafür ist sie mir wieder etwas zu sinnlich, jetzt aber in Kombination mit Liszts Gloria aus seiner „Missa Choralis“ geradezu ideal.

Was erwarten Sie sich von den teilnehmenden Sängerinnen und Sängern? Und was dürfen sich die Teilnehmer/innen von Ihnen erwarten?
Erwartungen sind gefährlich. Sie werden allzu schnell enttäuscht. Ich freue mich auf eine Gruppe von Menschen, die Kirchenmusik - für mich die beste Musik! - lieben und dafür ihr kostbarstes Geschenk hergeben: ihre Zeit.
Ich wünsche mir, dass wir zusammen ein romantisches, zu Herzen gehendes, musikalisches Menü aufbereiten und bei diversesten Gottesdiensten auch genießen dürfen. Meine Erfahrung wird hoffentlich die nötige Würze und Süße beisteuern.

Es ist immer faszinierend, wie aus einer bunt zusammengestellten Gruppe in wenigen Tagen ein homogener Chor wird. Wie schaffen Sie das?
In erster Linie durch das, was wir immer im Gloria anpreisen: durch Menschen guten Willens – ausgestattet mit Liebe zur Musik.
Natürlich kommt zudem bei beiden Teilen - Dirigent und Sänger/innen - deren Erfahrung zum Tragen. Auch ich werde auf Handlungsweisen zurückgreifen können, die ich einmal erspüren durfte: sei es als Jugendlicher im Marianum, wo ich das Chorleiten durch „Learning bei Doing“ begann, oder Jahre später, als ich in Wien Chorpropheten wie Erwin Ortner, Johannes Prinz oder Johannes Hiemetsberger hautnah erleben und mit ihnen zusammenarbeiten durfte. Meine Chorarbeit, oder besser mein „Chorvergnügen“ mit Kirchenchören, zuerst in Altenrhein oder heute nach nahezu 20 Jahren in Hohenems St. Karl und Bregenz Herz-Jesu haben mich für solche Aufgaben gestärkt oder dazu beflügelt.

Wie beschreiben Sie sich selber als Musiker?
Ich versuche, Gefühle zu leben und singend, spielend oder dirigierend weiterzugeben, sprich: andere damit anzustecken – und das auf einer Ebene, die weit über das Wörtliche und Rationale hinausgeht: der Musik.
Die Werke dieser großen Macht dürfen nicht zu Museumsstückchen verkommen, sondern ihre Aussagen sind heute und in kommenden Zeiten immer aktuell; was ich von meinem größten Vorbild Nikolaus Harnoncourt gelernt habe.

LINK: Informationen zu den Tagen der Kirchemmusik 2011 in Bregenz

www.kirchenmusik-vorarlberg.at

(aus KirchenBlatt Nr. 24 vom 19. Juni 2011)

Von Marianne Springer veröffentlicht am 15.06.2011

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