Für Sie gelesen ...

Inhalt:
Christian Hörl: unvollkommen vollkommen
Christian Urban: Habadabaduga

Helga Kohler-Spiegel: Traumatisierte Kinder in der Schule
Til Bastian: Auschwitz und die "Auschwitz-Lüge"
Valentin Kirschgruber: Den Tag segnen
Andreas Geiger / Annette Rieger: Die Gabe zu heilen  
Julia Rothman und Rachel Wharton: Alles, was schmeckt
  
Emmanuel Guibert: Martha & Alan  
Walter Buder: das wort. auf den tisch 
Wilhelm Bruners: Zuhause – In zwei Zelten.
Markus Hofer: Glauben und das Leben genießen
Elmar Simma: Dem Leben zulächeln
Clemens Sedman: Ans Herz gelegt
Dina Dor-Kasten: Versteckt unter der Erde
Karl Herndl: Führen nach Gottes Vorbild 

Christian HörlChristian Hörl: unvollkommen vollkommen

Eine Einladung zum Dialog über das Menschliche
erhältlich in allen Brunner-Buchhandlungen, in „Das Buch“ im Messepark Dornbirn, in  der Buchhandlung Eggler in Feldkirch sowie im Bildungshaus St. Arbogast.
126 Seiten, Preis: € 25,-

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Christian Urban: Habadabaduga

Im Meer der tausend Inseln.
Eigenverlag 2016, 255 Seiten, gebunden, € 22,80

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in der SchuleHelga Kohler-Spiegel:
Traumatisierte Kinder in der Schule

Verstehen - auffangen - stabilisieren.
Patmos Verlag 2017, 95 Seiten, broschiert, € 14,40

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Cover: Die Auschwitz-Lüge

Till Bastian:
Auschwitz und die „Auschwitz-Lüge“.

Massenmord, Geschichtsfälschung und die deutsche Identität.
Verlag C.H. Beck. 6., überarbeitete Auflage 2016.
137 Seiten, mit 18 Abbildungen.
Broschiert. € 13,40.

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Cover: Den Tag segnenValentin Kirschgruber: Den Tag segnen. 

Rituale von Sonnwend bis  Rauhnacht, die jeden Moment bedeutsam machen.
Kailash Verlag 2016, 301 Seiten, gebunden, € 15,50.

Nichts vergeht so schnell als die Zeit. Deshalb ist dieses Buch eine Einladung der besonderen Art. Valentin Kirschgruber, 1948 auf einem kleinen Bauernhof im Allgäu geboren, studierte nach einer Schreinerlehre Katholische Theologie und ist als Holzbildhauer, Restaurator und Autor tätig. Er lädt uns Leserinnen und Leser dazu ein, die Zeit und in besonderer Weise den Tag zu segnen und ihm damit etwas Heiliges zu verleihen - etwas, das nicht einfach verrinnt oder vergeht, sondern Bedeutung und Sinn hat. Für jede Woche des Jahres finden Sie einen Morgensegen, Bauernregeln und bedenkenswerte Geburtstage, meditative Gedanken und schließlich einen Abendsegen. Dabei ist es nicht wichtig, ob ein längeres oder kürzeres Ritual ausgeführt wird. Vielmehr liegt die Bedeutung des kurzen Innehaltens auf dem „Wie“ –  der würdevollen Haltung und der feierlichen Stimmung. Einfache Hinweise erleichtern das Einüben in die Achtsamkeit und helfen dabei, die Aufmerksamkeit von den äußeren Ereignissen auf das Innere zu lenken. Immer im Wochenrhythmus wechseln die Anleitungen. Dies hat den Vorteil, dass der Morgensegen und das Abendgebet eine Woche lang verinnerlicht werden und in unseren Gedanken wiederkehren können.
Dieses Buch ist eine sehr hilfreiche und zum Nachdenken und Meditieren einladende Begleitung durch das Jahr. Ich bin dankbar, es vor ein paar Wochen entdeckt zu haben. Der Einstieg ist jederzeit möglich! Gönnen Sie es sich … 
Christine Bertl-Anker

(aus dem KirchenBlatt Nr. 18 vom 4. Mai 2017)

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Andreas Geiger / Annette Rieger: Die Gabe zu heilen.Andreas Geiger / Annette Rieger: Die Gabe zu heilen.

Von wegen Wunder. Mit einem Vorwort von Andreas Geiger und einem Nachwort von Matthias Badura. Fotos von Stanislav Krupar.
Klöpfer & Meyer 2017.
234 Seiten mit 34 s/w Fotos, geb., € 24,60

Rein sprachlich gesehen gehören Heil und Heilung ganz innig zusammen. Wer Un-Heil oder Un-Glück - gleich in welcher Form - erleben muss und erfährt, der weiß auch um diesen Zusammenhang in der Seele. Gesundheit und Krankheit beanspruchen den ganzen Menschen als Leib-Geist-Seele-Einheit, theologisch gesprochen geht es dann um Heil und Heilung. Und wenn dann „Menschen mit der besonderen Gabe“ des Heilens, des Ganzmachens ins Spiel kommen, gewinnt das Thema an Profil und Tiefe und wird zudem noch hoch interessant und spannend.

Annette Maria Rieger, Journalistin und Literaturagentin, lebt im Schwarzwald, und beschreibt neben elf anderen, sehr normalen Leuten mit außergewöhnlichen Begabungen zum Heilen auch Robert Baldauf, einen 80-jährigen „gottesfürchtigen Bauern“ aus Sulzberg. Herr Baldauf pendelt unter Assistenz von Engeln und hat mit ihrer Hilfe auch einen Kräutertrank entwickelt. Die zwölf Portraits sind einfache Lesestücke, ohne Schnörkel, ohne Berührungsängste, ohne jede Geheimnistuerei und in aller Offenheit ist die ganz eigene Bescheidenheit jeder einzelnen Person gut zu spüren. Ihr Welt- und Menschenbild wird einsichtig und - bei allen möglichen Fragen, die in einem aufkommen - regt sich auch der oft so verschlafene und unterdrückte Sinn für das Übernatürliche, für das Wundersame und das eigentlich Unmögliche, das im Tun und Lassen dieser Zeitgenossen/innen irgendwie wirklich und wirksam wird.

Im Nachwort von ­Matthias Badura gibt es eine ­hilfreiche, klärende und einordnende kulturwissenschaftliche Reflexion. Andreas Geiger (Vorwort) hat einen Dokumentarfilm zu den Heilerinnen und Heilern gemacht. Die s/w-Fotos von Stanislav Krupar erhellen und bereichern den Inhalt der 234 Seiten. Ein schönes Buch, dessen Botschaft in den Tagen zwischen Osternund Pfingsten gut Platz finden kann. Walter L. Buder

(aus dem KirchenBlatt Nr. 15/16 vom 13./20 April 2017)

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Julia Rothman und Rachel Wharton: Alles, was schmecktJulia Rothman und Rachel Wharton: Alles, was schmeckt.

Die faszinierende Welt des Essens und Trinkens. Aus dem Englischen von Ulrike Becker.
München: Verlag Antje Kunstmann, 2017.
225 Seiten, durchgehend farbig illustriert, € 24,70

„Alles, was schmeckt“ von Julia Rothman ist kein Kochbuch. Auch Warenkunde ist nicht der passende Ausdruck, denn der scheint zu nüchtern. „Nüchtern“ bedeutet bekanntlich, „ohne etwas gegessen oder getrunken zu haben“. Und dieses Buch ist eine einzige Feier fester und flüssiger Nahrung, in satten Farben und voller Details zu Lebensmitteln, ihrer Herkunft, Verbreitung, Geschichte und Zubereitung.

Da sind die paradiesischen Gaben der Schöpfung, da ist ihre liebe- und fantasievolle Kultivierung durch den Menschen. Das Kapitel „Köstliche Körner“ widmet sich dem Getreide, somit auch dem Brot, „Zum Wohl“ veranschaulicht unter anderem die Herstellung von Wein, und der Abschnitt „Tierisch gut“ liefert erstaunliche Informationen über Fisch: Wussten Sie, dass bei der Scholle während des Wachstums beide Augen auf die rechte Körperseite wandern?

Nicht ganz mit rechten Dingen zu geht’s in Sachen Brezel: „Italienische Mönche sollen damals beschlossen haben, Brote in Form von fromm verschränkten Kinderarmen zu backen - um sie dann ­braven Kindern als Belohnung zu schenken, wenn diese ihre Gebete auswendig aufsagen konnten.“ So weit, so gut. Stutzig macht, dass diese „eine von vielen Ursprungsgeschichten über die Brezel“ […]  „in das Jahr 610 v. Chr.“ zurückgehen solle. Klosterbrauch vor Christus? Vermutlich ist der Buchstabe „a“ in der Abkürzung „AD“ (für „Anno Domini“) mit dem „a“ für „ante“ (wie in der Zeitangabe mit „AM“) verwechselt und dem entsprechend eingedeutscht worden. Petra Nachbaur

(aus dem KirchenBlatt Nr. 15/16 vom 13./20 April 2017)

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Cover Martha u AlanEmmanule Guibert: Martha & Alan

Die Geschichte einer Jugendliebe
Zürich: Edition Moderne, 2017.
120 Seiten, durchgehend farbig illustriert, € 24,--

Bei seiner besten Freundin daheim genießt Alan Milch zum Essen. Im eigenen Zuhause gibt’s das nicht: Der verwitwete Vater hat eine neue, junge Frau zur Seite, eine sparsame und unerbittliche. Als der Bub eines Abends vom Usus der anderen Familie erzählt und hofft, dann auch Milch zu bekommen, stößt sein Anliegen auf taube Ohren. Noch schlimmer: Von da an darf er Martha nicht mehr treffen. „Und ich gehorchte.“

Zwei Freundschaften.
Es ist nicht die eigene frühe Jugend, von der der Comickünstler Emmanuel Guibert erzählt, sondern die des 40 Jahre älteren Alan Cope, den Guibert zufällig kennen lernte und nachhaltig ins Herz schloss. Schon „Alans Krieg“ und „Alans Kindheit“ skizzierten Lebensjahre des US-amerikanischen Normalbürgers Cope (1925-1999), der dritte Band ist nun ein Bindeglied. „Jugendliebe“ im Untertitel mag aus heutiger Sicht irreführend sein: Es geht um die innige Freundschaft zwischen einem Bub und einem Mädchen, ihr jähes Ende und das bisschen Kontakt dieser beiden Menschen vom beginnenden bis zum reifen Erwachsenenalter.

Nicht nur traurig.
Emmanuel lässt Alan in Ich-Form erzählen, die wenigen Dialoge in eckigen Sprechblasen fügen sich in die außergewöhnlich kolorierten Bilder, die Nostalgie bedienen könnten, wären da nicht die Lebensumstände. 12 Doppelseiten im Zentrum des Buches schildern die glückliche Zeit, in der Martha und Alan gemeinsam im Kirchenchor singen. „Und dann starb meine Mutter.“

„Martha & Alan“ steht im Regal unter Graphic Novels. Im Gegensatz zum Verlag Reprodukt -  wo Emmanuel Guibert für Marc Boutavant die witzigen Comic Strips um Ariol, ein Stadt-Eselchen im Vorschulalter, textet - hat die Edition Moderne keine ausgewiesenen Kindercomics. Geeignet ist das Buch keineswegs nur für Erwachsene: Die Melancholie und die Betrachtung im Rückblick - einmal lautet der Text zu einer ganzen Doppelseite nur: „Schade.“ - geben auch jungen Menschen Stoff zum Nachdenken, -spüren und -fragen.

(aus dem KirchenBlatt Nr. 14 vom 6. April 2017) 

Cover Buder - dichWalter Buder: "dich" - Gedichte

Hecht-Verlag, Hard, 2017
ISBN 978-3-85298-216-8,
€ 18,70
zur Beschreibung

 (aus dem KirchenBlatt Nr. 14 vom 6. April 2017)

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Cover: Zuhause – in zwei ZeltenWilhelm Bruners: Zuhause – In zwei Zelten.

Tyrolia Verlag 2017,
€ 17,95

Wilhelm Bruners ist in Vorarlberg kein Unbekannter. Seine Verbundenheit mit dem Werk der Frohbotschaft Batschuns äußert sich auch darin, dass er einem Gedicht die Ordensregel der Frohbotinnen als Überschrift gibt - „draußen zuhause“ - und die Zeilen „der gemeinschaft der frohbotinnen“ widmet. Ansonsten finden sich in der vorliegenden, soeben erschienenen Anthologie längere und kürzere Prosatexten und Lyrik.
Der Dichter, Theologe und Priester Wilhelm Bruners (geb. 1940) feierte im Februar 2017 sein 50-jähriges Priesterjubiläum. Der Tyrolia-Verlag trug dem Rechnung und brachte das lesenswerte spirituelle Buch „Zuhause - In zwei Zelten“ heraus. Verwurzelt als Priester in der Diözese Aachen, wohnhaft in Mönchengladbach, hat Bruners 18 Jahre in Jerusalem gelebt. „Zwei Zelte“, der Buchtitel spielt auf das Zelt Gottes im Alten Testament an und weist Deutschland und Israel als heimatliche Bezugspunkte des Schriftstellers aus.

Das vorliegende Lesebuch versammelt unterschiedliche Texte. Da gibt es märchenhafte Parabeln neben allegorischen Erzählungen, da gibt es ­prägnante Tagebucheinträge neben autobiographischen Skizzen. Immer aber ist da ein Wortkünstler am Werk, der auch die Nähe zur Mystik bravourös beherrscht. Prof. Karl-Josef Kuschel zitiert etwa im Vorwort ein frühes Kurzgedicht Bruners: „Streif an / GOTT / alles Überflüssige ab / Staune“. Auch wenn der Zugang von Kuschel eine Spur zu pathosgeladen scheint, bietet er doch eine gute Einführung in Leben und Werk Bruners.

Bruners hatte sich beispielsweise auch nicht gescheut, die Bedeutung des Aktionskünstlers Christoph Schlingensief hervorzukehren, der „der feine(n) Gesellschaft (...) oft die vordergründige Maske vom Gesicht gerissen (hat). Nichtscheuend die Wut der Enttarnten.“
Der Dichter Wilhelm Bruners ist ein Sprachkünstler von Rang, vergleichbar etwa dem unvergessenen Rektor der Wiener Ruprechtskirche, Joop Roeland (1931-2010). Wolfgang Ölz

(aus dem KirchenBlatt Nr. 10 vom 9. März 2017)

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Cover: Glauben und das Leben geniessenMarkus Hofer: Glauben und das Leben genießen

Lebenskunst aus der Bibel
Tyrolia Verlag 2017,
€ 14,95

Nicht erst seit Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ stellt sich die Frage, ob Gott und Humor, Glaube und Lebenslust zusammengehen. Autor Markus Hofer zeigt, dass in scheinbaren Alltäglichkeiten wie Essen, Trinken oder Schlafen dennoch eine Spiritualität steckt, die das Leben als ein Geschenk Gottes zu feiern weiß.

Markus Hofer begibt sich in seinem neuen Buch „Glauben und das Leben genießen“ auf die Spur eines Gottes, der in allen Lebenslagen mit dabei sein will: Nicht nur in heiligen Hallen und im Gottesdienst, nein, auch beim Genießen, beim Arbeiten und, ja, auch in der intimen Begegnung zwischen zwei Menschen.

Keine Weltflucht
Ausgangspunkt der Überlegungen Hofers ist aber nicht ein materialistisch-hedonistischer Blick auf die Welt, sondern das Buch der Bücher selbst: die Bibel. Das „Hohelied der Liebe“ ist daraus hinlänglich bekannt und beliebt, wenngleich über die mehr himmlische oder doch eher irdische Interpretation trefflich gestritten wird. Genau hier setzt Hofer an. Nicht die leibfeindliche Weltflucht ist die erste Aufgabe eines Gläubigen, sondern die Frage: Wenn Gott in Jesus von Nazaret schon Mensch geworden ist, ist er dann als dieser nicht auch - bis auf die Sünde - ganz im Leben und Leiden und Lieben der Menschen drinnen? Und will Gott nicht gerade von sich selbst aus dort drinnen sein, ist Leiblichkeit also kein lästiges Übel, sondern in Gottes Plan geradewegs so gewollt? „Was nicht angenommen ist, kann auch nicht erlöst werden“, lehrte der Kirchenvater Gregor von Nazianz schon im 4. Jahrhundert. Nicht weil Leiblichkeit und Sinnenhaftigkeit des irdischen Menschen das Ziel des Lebens sind, sondern eine notwendige Station auf dem Weg zu Gott.

Offenbarung Gottes
Den Beginn macht Hofer bei Abraham und dem Besuch durch die drei Wanderer. Es ist eine zentrale Geschichte über die Offenbarung Gottes. Diese geschieht hier nicht mit Blitz und Donner, sondern „sie wird vielmehr beschrieben in den alltäglichsten Formen: der vorüberziehende Wanderer, der Mensch, der neben mir lebt, der mit mir lebt, mit mir das Leben teilt. Die Offenbarung Gottes wird beschrieben als etwas, was sich an jedem Ort zu jeder Zeit ereignen kann.“ Abraham tat gerade das, was er jeden Tag um diese Zeit tat, und „Gott kam trotzdem zu ihm“. In diesem „Trotzdem“ liegt die Spannung des Buches: Markus Hofer zeigt, wie Gott die biblischen Helden - also auch uns - ein ums andere Mal überrascht: Abraham, Moses, Ijob, David - „Typen mit Ecken und Kanten und vielen krummen  Zeilen“, wie der Autor sie beschreibt. Doch Gott ist ihnen nahe auch im Leid und im Versagen.

Darf man über Jesus Witze machen? Ein „sattelfester Glaube“, so Hofer, ertrage auch Witze über Gott. Guter Humor habe „ein Gespür für den Unterschied zwischen Gott und Halbgöttern, zwischen Berufenen und Möchtegerns, zwischen Tiefe und Vorgegaukeltem, zwischen Ernst und Oberfläche, zwischen Heil und Scharlatanerie“. Nicht nur hier liefert der Autor mit seinem Büchlein einen gut lesbaren Leitfaden für eine gesunde Alltagsspiritualität. So bleiben viele Worte und Zitate im Gedächtnis. Sie eignen sich - im besten Sinne des Wortes - auch als Trinkspruch fürs nächste Festmahl - und darüber hinaus. Dietmar Steinmair

(aus dem KirchenBlatt Nr. 8 vom 23. Februar 2017)

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Cover: Dem Leben zulächeln

Elmar Simma: Dem Leben zulächeln. 

Von der Kunst, den Tag zu loben.
Tyrolia Verlag, Innsbruck – Wien 2017,
€ 14,95.

„Die Schlagzeilen machen sich einfach zu wichtig. Es geht uns doch gut. An einem kalten Nebeltag kommen wir heim und können hier an einem warmen Ort Leib und Seele aufwärmen“, Elmar Simma, langjähriger Caritas-Seelsorger der Diözese Feldkirch, möchte in seinem neuen Buch den Blick ganz bewusst auf das Gute richten, das einem jeden Tag begegnet. Auch mühsame Situationen oder schwierige Menschen haben vielleicht ihre positive Seite, man muss nur bereit sein, dies zu sehen.

Und trotzdem
„Es gibt so vieles, was das Herz erwärmen kann, und dennoch ersticken die Leute im Jammern“, bedauert Simma. Das führt schnell in eine Negativ-Spirale, aus der man nur schwer wieder ­herauskommt. „Wir müssen Kopf und Herz erheben, nur so ist es möglich, die Sterne zu sehen. Oder die Sonne, die über dem Nebel scheint“, so seine Aufforderung. Mit dem Blick nach unten verkleinert sich auch der Horizont. Schaut man hinauf, vielleicht sogar mit einem Lächeln, merkt man schnell, wie gut das tut. Auch wenn es nur kurze Augenblicke sind, können sie doch ­einen ganzen Tag verschönern.

Drei Mal täglich
„Schenken Sie den Leuten, denen Sie begegnen, einen freundlichen Blick, schließen Sie Ihre Nachbarn ins Abendgebet ein oder kochen Sie sich eine Lieblingsspeise aus Ihrer Kindheit“ – die positiven Impulse von Elmar Simma sind sehr unterschiedlich. Als Dosis rät er: „Loben wir den Wolf in uns drei Mal täglich.“ Er spielt damit auf eine Indianer-Geschichte an, die von zwei Wölfen im Herzen erzählt, einem schwermütigen und einem heiteren. „Wir können den Kampf zwischen den beiden beeinflussen. Wenn wir den Wolf des Lobes und der Dankbarkeit füttern, werden Freude und Zuversicht das Leben prägen.“

Auf die kleinen Dinge achten 
„Das Leben spielt sich zwischen den Höhepunkten ab. Je mehr man sich banale Dinge bewusst macht, umso mehr Farbe bringen sie in den Alltag“, sagt Elmar Simma. Ganz einfache Dinge können sich positiv, aber auch negativ auswirken. Eine nette Aufmerksamkeit, eine Überraschung oder ein kleiner Blumenstrauß verstärken die guten Gefühle. Im Gegensatz dazu kann schon eine gedankenlose Äußerung oder eine unbedachte Handlung verletzend und schmerzhaft sein.

Impulse für Paare
Im Laufe der Jahre hat Elmar Simma zahlreiche Paare getraut. Und er freut sich, dass es trotz vieler missglückter Ehen und Scheidungen immer wieder Menschen gibt, die an die Liebe glauben und „Ja“ zueinander sagen. Aber man muss auch an der Liebe arbeiten, denn „eine Ehe wird von selber schlechter“, wie es der deutsche Paartherapeut Hans Jellouschek formuliert.
Brigitta Hasch

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Cover: Ans Herz gelegtClemens Sedmak: Ans Herz gelegt. 

Die vielen Sprachen der Liebe.
Tyrolia Verlag 2016. 176 S., geb.,
€ 14,95. E-Book: € 11,99

Jeder Mensch will anders geliebt werden
Wer Clemens Sedmak schon einmal als Vortragenden gehört hat, weiß, dass es aus ihm nur so heraussprudelt. Worte, Sätze, ganze Textpassagen folgen einander in Hochgeschwindigkeit. Ein bisschen so ist auch sein Buch „Ans Herz gelegt. Die vielen Sprachen der Liebe“ geschrieben. Kurze Sätze, poetische Einwürfe und immer wieder die gerade passenden Querverweise und Zitate aus der ganzen Weltgeschichte und allen Wissensgebieten. Beim Buch können die Leser/innen nun das Tempo selbst bestimmen.
Sedmak hat im vorliegenden Ratgeber persönliche Briefe an die unterschiedlichsten Menschen geschrieben, an engste Familienmitglieder, große Vorbilder, Leute in besonderen Lebenssituationen. Oder auch an einen Feind, an den Zahnarzt oder an das Finanzamt. In allen Briefen aber geht es um die Liebe.

Wie Sedmak die verschiedenen Arten zu lieben, in den Briefen an seine Frau und seine drei Kinder auszudrücken vermag, ist schlicht umwerfend und berührend. Einen Sohn zu lieben heißt etwa, ihn - mit Ohrenstöpsel, Stirnband und Kapuze ausgerüstet - auf ein Justin-Bieber-Konzert zu begleiten, wo der Sohn sich dann umdreht und „leise“ brüllt: „Es ist so toll.“
Oder wenn Sedmak an eine enge Freundin schreibt: „Einen Menschen zu lieben heißt, ihm die Erfahrung des Willkommenseins zu schenken. Willkommen zu sein bedeutet zu erfahren: Es ist gut, dass du da bist.“ Liebe zeigt sich, so Sedmak, in vielen Formen. Liebe ist anspruchsvoll. Aber man kann auch lernen zu lieben, um so auf die richtige Weise seine Liebe auszudrücken.
Darin liegt auch eine weitere Stärke des Buches: Sedmak fängt immer wieder neu an, kreist immer wieder neu um die Weisen und Intensitäten der Liebe, um seine Gedanken schließlich in ein paar einprägsamen Worten auf den Punkt zu bringen. So ist das Buch voll von Sätzen, die man sich merken oder abschreiben kann, ja soll.
Wer von den vielen Möglichkeiten wissen will, was es heißt einen Menschen zu lieben, dem sei das Büchlein von Clemens Sedmak sehr und uneingeschränkt, nicht nur am bevorstehenden Valentinstag ... „Ans Herz gelegt“.
Dietmar Steinmair

DDDr. Clemens Sedmak, geb. 1971 in Bad Ischl, studierte Theologie, Philosophie und Sozialwissenschaften. Er war Gastprofessor u.a. in Nairobi, Manila und Mexico City.  Er ist Professor für Sozialethik am King‘s College in London und Leiter des Zentrums für Ethik und Armutsforschung in Salzburg. Sedmak ist verheiratet, Vater dreier Kinder und Autor zahlreicher Bücher.

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Versteckt unter der Erde

Dina Dor-Kasten: Versteckt unter der Erde

Die Überlebensgeschichte der Familie Kasten. Nach Erzählungen von Lina-Liba Kasten.
Metropol Verlag 2016.
200 Seiten, € 16,-.

Es gibt Bücher, die kann man schließen, aber nicht vergessen. Zu berührend ist die Geschichte oder die Sprache, mit der die Geschichte erzählt wird. Auf „Versteckt unter der Erde“ von Dina Dor-Kasten trifft beides zu. „Es gibt Dinge, die man nicht für möglich hält - so war es, und du, meine Tochter, erzähle es weiter…“ Und so beginnt die unglaubliche Geschichte der ­Familie Kasten.

Im März 1942 flohen Jossel und Lina-Liba Kasten mit ihren beiden kleinen Kindern Schmulik und Dina aus dem Ghetto Rohatyn, das die Deutschen nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 in dem ukrainischen Ort eingerichtet hatten. Die Familie versteckte sich zweieinhalb Jahre lang in einer eigenhändig gegrabenen Höhle im Wald. Als Nahrungsquelle diente das, was der Wald hergab bzw. das, was der Vater bei beschwerlichen Fußmärschen zu benachbarten Dörfern fand. Ein unbeugsamer Lebenswille gab der Familie Kasten die Kraft, Jahre der Verfolgung - als Waldmenschen versteckt - in einer feindlichen Umgebung zu überleben. Ständige Begleiter waren die Angst, der Hunger und nie richtig ausheilende Infektionskrankheiten. Die Tage wurden so gut wie immer im Dämmerlicht unter der Erde verbracht. Im Dämmerschlaf. Erst in der Nacht traute sich die Familie aus ihrem Versteck. Für die Kinder waren es 2,5 Jahre ohne Kindheit. Doch die ganze Familie hat überlebt. Und das ohne körperliche oder geistige Schäden. Im August 1944 befreiten sowjetische Soldaten sie aus dem Erdloch. Vier Jahre später emigrierte die Familie Kasten dann nach Israel.

Es ist nicht leicht, die Schilderungen des unfassbaren Leides, das die Familie Kasten erdulden musste, zu lesen. Doch wir können uns jederzeit zurücklehnen in unsere sichere, kuschelige Komfortzone. Die Familie Kasten und mehrere Millionen Juden hatten diese Möglichkeit nicht. Es ist wichtig, den Schmerz und das Leid nicht zu vergessen. Das schulden wir den Opfern.

Petra Baur
(KirchenBlatt Nr. 3 2017)

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Führen nach Gottes VorbildKarl Herndl: Führen nach Gottes Vorbild

Der Kärntner Coach und Verkaufsberater Karl Herndl hat mit „Führen nach Gottes Vorbild“ ein persönliches, bekenntnishaftes Buch geschrieben. Sein eigener Weg ins Kloster auf Zeit hat ihm den Weg zu spiritueller Tiefe gewiesen: „Das Chorgebet der Mönche am Morgen gehört zum Schönsten, was man in einem Kloster erleben kann.“ Das Buch liest sich daher auch als ein Erfahrungsbericht, wie sich jemand mehr und mehr Gott öffnet und so Klarheit und Freude für sein Leben findet. Es ist immer wieder erstaunlich, wie im vorliegenden Text Worte aus der Bibel, diesem bis zu 3000 Jahre alten Buch, genau auf biographische Situationen Karl Herndls passen.
Während heute die gesamtgesellschaftliche Entwicklung aus den Kirchen hinausführt, zeigt Herndl einen Weg, wie man im eigenen Leben in der Kirche Halt und Glück finden kann, gerade in Leitungsfunktionen im Beruf, aber auch als Vorbild in der Familie. Mit der Benediktregel als Grundlage hat Herndl auch erfolgreiche Strategien für das Verkaufen gefunden.

Die Schwäche des Buches liegt darin, dass manche Sätze eine Spur zu allgemein formuliert sind. „Durch die Direktansprache Gottes folgen die Menschen im Alten Testament ohne zu zögern“, schreibt Herndl. Was war dann mit Jona, was mit Elija?
Falsch wird es leider dort, wo davon die Rede ist, dass im Gleichnis vom barmherzigen Vater der ältere, nicht der jüngere Sohn das Vermögen des Vaters verschleudert.

Wolfgang Ölz
(KirchenBlatt Nr. 4 2017)

Karl Herndl: Führen nach Gottes Vorbild. Ratgeber für Führungsaufgaben in Berufs- und Privatleben. BoD 2016, 208 Seiten, € 17,27.

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