Seit dem Jahr 2000 - also zum zehnten Mal - begehen die christlichen Kirchen in Österreich auch heuer am 17. Jänner wieder den "Tag des Judentums". Er soll den Anstoß geben, sich christlicherseits der jüdischen Wurzeln zu erinnern und so zu einem tieferen Verständnis was das Christentum überhaupt ist, zu finden. Also: Der "Tag des Judentums" ist ein Besinnungstag für die Christen. (Von Patrick Gleffe)

Der Apostel Paulus schreibt im 11. Kapitel des Römerbriefs: "Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich". Diese theologisch bedeutsame Aussage wurde allzu oft ignoriert und wohl auch verdrängt. Der 17. Jänner -  vom 18. bis 25. gibt es seit über 100 Jahren die "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen"- ist so kein Zufall. Am Tag vor dieser Gebetswoche, in der die Überwindung der Spaltungen in der Christenheit gebetet wird, nimmt man die gemeinsame jüdische Wurzel aller Kirchen in den Blick.

Nähe und Distanz. Es geht dabei weder um ein bloßes Kennenlernen des Judentums, noch darum, eine Feier mit folkloristischen jüdischen Elementen zu gestalten. Jüdinnen und Juden empfinden es häufig als Vereinnahmung, wenn die Distanz der beiden Traditionen vor lauter Begeisterung nicht gewahrt wird. Anstatt christliche Gottesdienste jüdisch zu "garnieren", zählt das tiefere Verständnis des Christentums, das aus dem Judentum hervorgegangen ist, und sich parallel zum Judentum - leider viel zu oft in feindseliger Abgrenzung - weiterentwickelt hat. Erzbischof Michael Staikos, der griechisch-orthodoxe Metropolit von Austria, betont: "Die jahrhundertelange Verfolgung der Juden durch Christen macht es notwendig, dass auf dem Weg der Buße und der Neubesinnung eine Haltung gegenüber den Juden heranreift, die dem Evangelium entspricht. Der Tag des Judentums ist also ein Besinnungstag für Christen."

Das Jüdische im Christlichen entdecken. Dieser "Tag des Judentums" bietet so die Möglichkeit, in den jeweiligen christlichen Konfessionen auf Entdeckungsreise zu gehen und das Jüdische im jeweilig Christlichen als Gabe und Aufgabe zu entdecken. Christlich-jüdischer Dialog kommt nicht von außen an das Christentum, sondern erwächst aus dem Wesen des Christentums selbst. Denn jede Katechese, die sich auf Christus und seine Jünger bezieht, redet von Juden und die meisten Predigten interpretieren jüdische Texte, die für das Christentum grundlegend geworden sind.

Deshalb lädt die Ökumenekommission der Diözese Feldkirch in Zusammenarbeit mit dem Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast zu einer Abendveranstaltung ein. Unter dem Motto „Zwischen Schabbat und Sonntag“ wird der Innsbrucker Theologe und Altorientalist, Dr. Martin Lang, dem Jüdischen in der christlichen Feier des Sonntags nachgehen und immer wieder Brücken zur Feier des Schabbats schlagen. Musikalische Brückenschläge werden Mag. Elisabeth Metzler und Mag. Christian Faißt (Klarinette und Cajon) wagen und die ZuhörerInnen in Klangwelten zwischen Synagoge und Kirche entführen. Und nicht zuletzt wird Iris Unterreiner mit kleinen Köstlichkeiten aus ihrer israelischen Heimat für den kulinarischen Ausklang des Abends sorgen.

 

Wo: Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast

Wann: 16. Jänner, 17.30 Uhr

Dieser Text ist Vorarlberger Kirchenblatt (Nr. 2/09 vom 11. Jänner 2009, S. 5) erschienen.

Von Walter Buder veröffentlicht am 08.01.2009

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