Ein weißer Pavillon, umrahmt von schönen großen Bäumen und einem dunkelblauen Nachthimmel. Mehr braucht es nicht, um Arno Geigers Erfolgsroman gekonnt in Szene zu setzen. Außer vielleicht noch einen Schauspieler, einen Musiker und einen Chor.

Simone Rinner

Zu zweit sitzen sie auf einem Hocker im Pavillon im Garten der Villa Falkenhorst in Thüringen und sind doch nur eine Person. Der - von Amateur- und Profibühnen bekannte - Hanno Dreher versteht es ohne Frage, gleich zwei Generationen zu verkörpern und ihnen mit sparsam eingesetzten Gesten Leben einzuhauchen: Als Arno Geiger erzählt er vom Leben seines dementen Vaters, dem von der Krankheit nicht nur seine Erinnerung, sondern auch das Heimatgefühl geraubt wird. Als August Geiger gibt er überraschend tiefgründige und scharfsinnige Antworten auf die Fragen seines Sohnes. Begleitet wird das Erzähltheater von Arno Oehri, der mit seinem „Klanglabor“ einen zeitgenössischen, musikalischen Klangteppich über den alten König in seinem Exil legt.

Herzenswunsch
Für die Vorarlberger Regisseurin Brigitta Soraperra war es ein Herzenswunsch, die Erzählung für das Podium zu bearbeiten, denn „was in diesem Buch auf so unsagbar poetische und kluge Weise über Familie, Heimat und den Umgang mit einer heimtückischen Krankheit erzählt wird, gehört zum Basiswissen eines jeden Menschen“. Das Wissen, nämlich jenes, dass er bereits zu Hause ist, kommt „dem alten König“ August im Laufe der Erzählung immer wieder abhanden. Dennoch wünscht er sich nichts sehnlicher, als eben dahin zurückzukehren. Ein Aspekt, dem Soraperra in ihrer stark verkürzten Fassung mit einem Männerensemble Ausdruck gibt: Alt bekannte Volkslieder wie „Oh Hoamatle“ oder „Müsle gang ge schlofa“ ertönen plötzlich und lassen im Herzen ein Gefühl von Heimat anklingen.

Emotionales Zuhause
„Singen ist etwas Emotionales, ein Zuhause außerhalb der greifbaren Welt“, erzählt Arno Geiger in Person des Hanno Dreher und schließt damit den Kreis zwischen Buch und Aufführung. Für letztere bietet der Garten der Villa Falkenhorst - stimmungsvoll und mit Ausblick auf die Walgaugemeinden unter den Sternen - das perfekte Ambiente. Bleibt nur noch ein Tipp zu geben: Decke nicht vergessen.

Weitere Aufführungen
Der alte König in seinem Exil von Arno Geiger. Fassung für Erzähltheater von Brigitta Soraperra mit Hanno Dreher (Spiel), Arno Oehri (Musik) und Sängern aus der Region. Eintritt: € 14,- / € 12,- VVK

Aufführungstermine: 9./ 10./ 11./ 16./ 17. und 18. August, jeweils 20.30 Uhr, Park der Villa Falkenhorst,  bei schlechter Witterung im Douglass Saal der Villa Falkenhorst, Thüringen.

Von Simone Rinner veröffentlicht am 09.08.2012

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