Der Auslandsdienst der Pfarre Frastanz bietet jungen Männern eine sinnvolle Alternative zu Bundesheer und Zivildienst.

von Simone Rinner

„Unvergesslich“, „horizonterweiternd“ oder „eine Riesenchance“ sind nur einige der Worte, die die jungen Männer verwenden,um die zwölf Monate zu beschreiben, die sie in einer fremden Kultur verbracht haben. Nicht als Touristen, sondern als Auslandsdiener der Pfarre Frastanz. In einem der Länder Südamerikas, Europas, Afrikas oder Asiens.

Zwölf Monate weit weg von zu Hause
In einem fremden Land mit fremden Menschen, Gerüchen und einer fremden Kultur. Weit weg von seiner Familie und seinen Freunden. Eine Herausforderung, der sich jährlich rund 70 Zivildienstpflichtige aus Österreich stellen, um mit einem Koffer, vollgepackt mit Eindrücken und Lebenserfahrung zurückzukommen. Das ist der Auslandsdienst der Pfarre Frastanz, der Männern zwischen 18 und 30 Jahren eine sinnvolle Alternative zu Bundesheer und Zivildienst bietet.

Authentisches Ecuador
Diese Chance nutzten auch der Vorarlberger David Keßler und der Tiroler Andreas Lichtenberger. Von August 2010 bis September 2011 leisteten die beiden ihren Auslandsdienst in Südamerika, genauer gesagt in Ecuador. Kilometerlange Sandstrände, vulkanbespickte Anden und ein artenreicher Regenwald zeichnen das kleinste Andenland aus - die beiden Männer durften Ecuador aber auch von einer anderen Seitekennen lernen. Geprägt von Armut, Arbeit in der Landwirtschaft und schwierigen klimatischenVerhältnissen. Ein authentisches Ecuador.

CAAM
Das Centro Agro Artesanal „Nuestro Señora de las Mercedes“ (CAAM) ist ein Landwirtschafts- und Handwerkszentrum im Küstenstreifen Ecuadors, welches 1991 aus einer der zahlreichen Initiativen der österreichischen und koreanischen Missionsarbeit entstand. Jedes Jahr leisten hier drei bis vier Zivildiener ihren Dienst und unterstützen die ecuadorianische Bevölkerung. Neben einer Schule für körperlich Beeinträchtigte gibt eseine Kleinkreditsparkasse und den „Parque Ecologico“, eine Art botanischer Garten.

Auslandsdienst-Kleinkreditsparkasse

Ein Strohhalm für die Bevölkerung
Lichtenberger arbeitete während seines Auslandsdienstes für die Kleinkreditsparkasse. „Die Küstenbevölkerung ist zum größten Teil im landwirtschaftlichen Sektor tätig und lebt oftmals weit unter der dortigen Armutsgrenze“, erklärt der 20-Jährige die Lebenssituation in Ecuador. Die Klein- oder Mikrokreditsparkassen ermöglichen Kredite zu moderaten Zinsraten, mit denen Saatgut und Bewässerungsanlagen gekauft werden können. Angesichts schwankender Lebensmittelpreise, schwieriger klimatischer Verhältnisse und des durch Rodung unfruchtbar gewordenen Bodens eine Notwendigkeit. Was Lichtenberger dort gemacht hat? „Ich habe mitgeholfen das System am Laufen zu halten, die Buchhaltung ausgebessert, Computerprobleme gelöst, Schulungen gegeben und als Bindeglied zwischen der größten NGO Ecuadors und den Kleinkreditsparkassen fungiert.“

Vielseitige Arbeiten
Ein anderer Aufgabenbereich der Auslandsdiener in Ecuador ist der „Parque Ecologico“, in dem Keßler tätig war. Der Park ist nicht nur eine Erholungs-einrichtung, sondern soll der lokalen Bevölkerung auch die Augen für die Schönheit ihrer Natur öffnen und als Schulungszentrum für Bauern dienen. Das Pflegen und Instandhalten des Parks gehörten ebenso zu Keßlers Arbeit wie die Organisation der Entwicklung und die Mithilfe bei Konstruktionsarbeiten.

Ein Zentrum bietet Wissen
Neben der Landwirtschaft ist auch das Handwerk ein Standbein des CAAM. Basis bilden die Frauen der Werkstatt „taller de paja toquilla“, die aus Palmstroh Kunsthandwerk für Haushaltsgebrauch flechten, das überwiegend ins Ausland geschickt wird. Zusätzlich zu den in-frastrukturellen und logistischen Vorteilen bietet das CAAM einen mehr oder weniger sicheren Absatzmarkt. Außerdem erhalten seine Mitglieder - die sogenannten „socios“ - die Möglichkeit neues Wissen zu schöpfen.

Die Lust nach Abenteuer
Seit einigen Monaten sind die beiden Österreicher nun wieder zu Hause, haben in Wien mit ihrem Studium einen neuen Lebensabschnitt begonnen und lassen den alten Revue passieren. Ob sie ihre Beweggründe für den Auslandsdienst noch wissen? Das „Ausbrechen aus dem alt-vertrauten Dasein, die Lust nach Abenteuer, Durst nach ,Mehr-Leben‘ und Horizonterweiterung“ werden spontan genannt. Grenzen - sowohl topographische als auch soziokulturelle wollten überwunden werden. Und natürlich spielte auch der bekannte südamerikanische Lebensflair eine Rolle. 

Tag und Nacht zu spüren
Die „Bereitschaft, sich auf die Lebensbedingungen und kulturellen Gegebenheiten einzulassen und diese zu respektieren“ ist eine der Voraussetzungen, die die Pfarre Frastanz, neben einigen anderen, an ihre Auslandsdiener stellt. Sozial-kulturelle Differenzen, die laut Keßler und Lichtenberger im Vergleich zu einem Industrieland „Tag und Nacht zu spüren sind“. Und genau diese bilden die Basis für herausragende Eindrücke und Momente, halten die beiden fest. Natürlich gibt es in einem fremden Land auch Probleme - vor allem der Dialekt der Küstenbewohner stellte für die beiden Österreicher in den ersten Wochen und Monaten eine Hürde dar, alleine waren sie trotzdem nicht.

Vorbereitung ist alles
Gemeinsam mit zwei anderen Auslandsdienern verbrachten die beiden Österreicher zwölf Monate in einem Land, das 10.374,57 km Luftlinie von ihrer Heimat entfernt liegt.  Eine Tatsache, auf die sie bereits in den verpflichtenden Vorgesprächen und Seminaren von der Pfarre Frastanz vorbereitet wurden. Zudem stehen auch ehemalige Auslandsdiener zur Verfügung, die vorweg einen Einblick darauf bieten, was auf sie zukommen wird. Im Gegenzug verfassen die jungen Männer vor Ort drei Tätigkeitsberichte, in denen sie Einsicht in die Projekte und deren Fortschritte geben.

Unglaublich
Auch wenn die Länder, in denen die jungen Männer ihren Auslandsdienst leisten, variieren - die Rückmeldung bleibt positiv. Simon Sutterlüti arbeitete zum Beispiel ein Jahr bei der „Fundacion Madre Herlinda moises“ in Kolumbien mit. Mangos pflanzen, Gärten anlegen, Wasserrohre vermitteln, Kinder betreuen und die Arbeit mit staatlichen Sozialarbeitern gehörten dort zu seinem Aufgabengebiet. Natürlich habe es Momente gegeben, in denen er mit den kulturellen Gegebenheiten oder der Verständigung zu kämpfen hatte, dennoch bezeichnet er die zwölf Monate als „unglaubliche Erfahrung“.

Ein Geben und Nehmen
Der Auslandsdienst lasse einen nicht nur reifer und selbst-sicherer werden, sondern wirke auch „persönlichkeitsbildend“, fasst der Feldkircher seine Erfahrungen zusammen. „Die wichtigste Veränderung hat sicher bei mir stattgefunden“, meint der 20-Jährige, „aber ich bin mir sicher, durch meine Anwesenheit und mein Handeln auch viele Kolumbianer/innen zum Nachdenken gebracht zu haben“. 

ZUR SACHE

Tauglich - was nun?

„Hier in Ecuador lernte ich so vieles über mich selbst, wie ich es wohl in Österreich nie hätte erfahren können“, ist auf der Homepage des Auslandsdienstes der Pfarre Frastanz zu lesen. Es ist einer von vielen Berichten, in denen ehemalige Auslandsdiener über ihre Erfahrungen in einem fremden Land berichten. Eines ist ihnen allen gemein: ein positiver Tenor.

Das Leben nach der Musterung
Früher bedeutete das Wort „tauglich“ bei der Mus-terung sich zwischen Bundes-heer oder Zivildienst entschei-den zu müssen. Seit dem Jahr 1993 gibt es eine weitere Opti-on: den Auslandsdienst! Männer zwischen 18 und 30 Jahren erhalten hier die Möglichkeit zwölf Monate lang eine andere Kultur und Sprache kennen zu lernen. Jährlich nehmen in ganz Österreich rund 70 Zivildienstpflichtige diese Chance wahr.

Drei Kontinente
In Vorarlberg ist die Pfarre Frastanz mit ihrem Auslandsdienst federführend: „Im Jahr 2011 wurden von uns insgesamt 38 Auslandsdiener in acht Dienststellen auf drei Kontinenten  betreut“, wartet der Leiter des Referates für Auslandsdienste, Gerhard Vonach, mit beeindruckenden Zahlen auf. Zur Auswahl stehen dabei Länder in Südamerika, Europa, Asien und Afrika.

Laut Vonach bringt der Auslandsdienst nicht nur für die Männer selbst, sondern auch für das Land Österreich viele Vorteile mit sich - sozial engagierte und weltoffene Bürger oder potentielle Mitarbeiter und Kontakte für Sozial- und Friedensprojekte in aller Welt zum Beispiel. Und: „Mit dem Auslandsdienst nimmt die Pfarre Frastanz ihren christlichen Auftrag auch als gesellschaftliche Verantwortung wahr“, hält Vonach fest.

www.meinauslandsdienst.at

 

Von Marianne Springer veröffentlicht am 19.01.2012

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