Das Vorarlberger KirchenBlatt veranstaltet in Kooperation mit dem Bildungswerk eine einwöchige Israel-Reise. Die 25-köpfige Gruppe ist derzeit mit Pfr. Edwin Matt und Bildungswerkleiter Hans Rapp im Heiligen Land unterwegs. Eine Reisestation ist dabei das Pilgerhaus von Sr. Martha. Eine Reiseerzählung.
Hans Rapp
Der Weg nach Abuna Faraj verläuft über Kafr Kanna. Kafr Kanna ist eine arabische Stadt in Galiläa. Das biblische Kana. Jesus hatte nach dem Johannesevangelium dort sein erstes Zeichen gewirkt und bei einer Hochzeit Wasser in Wein verwandelt. Die Straßen von Kafr Kanna sind verstopft. Der Bus kommt kaum an den Autos vorbei, die nach Lust und Laune abgestellt, zwischengelagert oder geparkt sind. Das gehört zu einer arabischen Stadt. In Nazareth dasselbe Bild. Der Bus quält sich zuerst durch den Verkehr der Innenstadt, dann eine schmale, gewundene Straße den Berg hinauf. Wir wollen zum Pilgerhaus „Abuna Faraj“. Genannt ist das Haus, in dem die Vorarlberger Schwester Martha Bertsch aus Frastanz wirkt, nach einem charismatischen melkitischen Priester, Abu Faraj. Die Melkiten sind „orthodoxe“ ChristInnen, die nach orthodoxem Ritus die Messe feiern, aber dennoch zur katholischen Kirche gehören. Abu Faraj hatte in Bethlehem ein Begegnungszentrum für die Begegnung von Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen gegründet. Nach seinem frühen Tod kümmerte sich zunächst niemand um dieses Haus, bis Bischof Elias Chacour Schwester Martha Bertsch aus Frastanz bat, das Haus in ein Pilgerzentrum umzubauen.
Eine Aufgabe für Schwester Martha
Sr. Martha empfängt unsere Reisegruppe beim Eingang zu „ihrem“ Haus. Die resolute Frastnerin hatte zunächst in Wien mit Frauen gearbeitet, die Gewalterfahrungen hinter sich hatten. Dann wurde sie nach Israel gesandt. Zunächst betreute sie eine Zeit lang Gäste von Bischof Chacour. Als er 2006 Bischof wurde, schickte er sie nach Nazareth, um das Haus von Abuna Faraj zu renovieren und als Pilgerhaus aufzubauen. Die Vorarlbergerin erzählt nicht überschwänglich. Aber man merkt ihr an, dass sie weiß was sie will. Man sieht es auch dem Pilgerhaus an. War das Haus noch ein halber Taubenschlag als sie kam, so wirkt es heute sauber und einladend. Es ist eine enorme Arbeit gewesen. „Das Haus musste dringend renoviert werden. Es war aber kein Geld da,“ erzählt die Frastanzerin. Bald aber gelang es ihr und Bischof Chacour, Geld aufzutreiben.
Unterstützung aus Vorarlberg
Für Sr. Martha war die Begegnung mit Walter Buder, dem ehemaligen Chefredakteur des Kirchenblatts, die Tür zum Herzen vieler Menschen aus Vorarlberg. Sie hatte ihn während seiner Fahrrad-Pilgerreise nach Jerusalem kennen gelernt. Sie hatte der Fahrradgruppe eine günstige Unterkunft in Tiberias verschafft. „Luagt dis Hus o so us wie des?“ hatte Buder sie gefragt. Auf seine Einladung hin konnte sie dann in einem Artikel im Vorarlberger Kirchenblatt über ihr Projekt zu berichten. Ab diesem Zeitpunkt begann Geld aus Vorarlberg zu fließen.
Helfende Hände
Fast noch wichtiger waren aber die Freiwilligen, die kamen, um das Projekt zu unterstützen. Eine von ihnen, Schirin aus Osttirol, hilft bei der Verpflegung unserer Reisegruppe mit Wasser, türkischem Kaffe und orientalischen Süßigkeiten. Ein anderer war der Vorarlberger Rainer Elmenreich. „Ein Mann mit goldigen Händen“, meint die Schwester. Elmenreich konnte gut zupacken und verstand auch etwas vom Handwerk. „Alles, was grad hängt, hat Rainer gemacht. Er hat halt alles können“. Wegen seines Flugtickets muss er aber zurück nach Vorarlberg, bevor das Haus fertiggestellt ist. „Als Rainer heimkam, hat ihn seine Frau aber gleich wieder zurück geschickt, um die Arbeit fertig zu machen“.
Haus für Pilger
Bald darauf kommen die ersten Gäste. Schwester Martha ist stolz darauf, dass es nur ganz wenig braucht, um Gäste anzusprechen. Hauptsächlich funktioniert es über Mundpropaganda. Bald werden die einfachen aber gemütlichen Zimmer, die alle mit einem kleinen, einfachen Badezimmer ausgerüstet sind, Menschen beherbergen, die sich allein oder in Gruppen ins heilige Land aufgemacht haben. HelferInnen kann Sr. Martha übrigens immer noch gut brauchen. Mit den Vorarlbergerinnen war sie sehr zufrieden.
Im Internet ist das Pilgerhaus Abuna Faraj über die Adressse www.afpilgrimhouse.com zu finden.
Briefpost erreicht Sr. Martha und das Pilgerhaus Abuna Farad unter der Anschrift:
Sr. Martha Bertsch SSND
Melkite Catholic Church
Pilgerhaus Abuna Faraj
P. O. Box 3109
16130 Nazareth
ISRAEL
Von Patricia Begle veröffentlicht am 26.04.2012
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