Ein riesiges Land, in das wir Mitarbeiter/innen der Dreikönigsaktion (DKA) hineingeworfen werden. Erlebnisse, Eindrücke und Fragen anhand einer Reiseroute. Vorausgeschickt sei: Fakten zum Projekt selbst gibt’s im Herbst – Äthiopien ist Beispielland der kommenden Sternsingeraktion.
Christina Thanner
berichtet von der Lernreise als
Verantwortliche der Dreikönigsaktion
in Vorarlberg.
Fakt ist auch: Was ich schreibe sind Schlaglichter, subjektiv und vielleicht nicht repräsentativ. Es sind nur drei Wochen, aber die Eindrücke sind grenzenlos. Die Fragen unendlich. Die Antworten darauf? Unbeantwortet.
Anreisen, Einleben.
Die Reise beginnt in der Hauptstadt Addis Abeba. In deren Umgebung sind wir drei Tage, akklimatisieren uns an den immerwährenden Sonnenschein, die Höhe (Addis liegt auf 2300 m) und das Essen.
Chillis im Frühstück und Kaffee sind die Muntermacher für den Körper. Der Geist ist auch so munter, gespannt und begierig, alle Eindrücke aufzusaugen. Die ersten drei Tage geben einen ersten Einblick in die Geschichte und die Situation des Landes, in dem wir so plötzlich sind. Die ersten Gänge durch die Straßen sind teils unsicher. Die Fragen noch einfacher Natur: Wie verhalten wir uns gegenüber bettelnden Kindern? Und wie kommen wir überhaupt von einer Straßenseite auf die andere?
Ankommen
Weiter fahren wir aufs Land, nach Anno Village. Das ganze Gebiet rund um dieses Dorf ist Projektgebiet von Harmee Education for Development Association (HEfDA), einer Partnerorganisation der DKA. Die Projektbeschreibungen hatten wir gelesen. Integrierte Gemeindeentwicklung, Frauen- und Mädchenförderung, Bildung, handwerkliche Ausbildung von Jugendlichen, etc.
Nach einer langen Fahrt, die Straßen werden immer schlechter, kommen wir durch die Stadt Qarssa. Meine erste Reise in die Vergangenheit. Staubige Straßen, mehr Hütten denn Häuser, weit mehr Esel- und Pferdekarren als motorisierte Fahrzeuge, sehr viele Menschen auf der Straße. Wir Weiße eine Attraktion. Doch wir fahren noch weiter aufs Land.
Plötzlich eine Staubwolke am Horizont. Geschrei, Gesang? Ca. 40 Reiter galoppieren auf uns zu. Sie schwenken drei Fahnen – die äthiopische, die oromische (Oromo, der Bundesstaat in dem wir uns befinden) und die österreichische. Sie kommen um uns zu begrüßen. Die Szene ist atemberaubend. Schon sind sie bei uns, neben dem Bus, Kinder und Jugendliche kommen rennend herbei, die Reiter und Fußgänger begleiten uns und hören nicht auf zu singen, zu lachen, alles ist wahnsinnig ergreifend und berührend. Nach staunender Fahrt die nächste singende „Begrüßung“ am Horizont. Diesmal die Frauen. Wir steigen nun aus. Vor uns die Frauengruppe, hinter uns die Männer mit ihren Pferden, neben uns die jungen „Zaungäste“. Alle buhlen um unsere Aufmerksamkeit.
Wo sind wir? Wo wollen wir hin? Was passiert hier? Keine Ahnung. Wir laufen ein Stück inmitten der uns noch völlig fremden Leute und werden an der 3. Station von den Schüler/innen begrüßt, wieder singend. Dann gehen wir wie in einer Prozession weiter. 400 Äthiopier, wir paar Österreicher. Wir verlieren uns im Getümmel, laufen einfach mit, werden teils an der Hand genommen, in der uns fremden Sprache angeredet, für die Leute scheint das ein riesiger Feiertag zu sein. Wir kommen an einen Platz. Die Begrüßungszeremonie geht weiter und weiter. Endlich werden wir in ein Haus gebeten. Ruhe. Was zu trinken und zu essen. Whow. Wir sind da. Angekommen in Äthiopien.
Lesen Sie den zweiten Teil des Reiseberichts in der nächsten Woche (KirchenBlatt Nr. 19/2012)
Die DKA in Äthiopien
Die DKA unterstützt seit rund 15 Jahren Projektpartner/innen in Äthiopien. Seit damals verfolgt man den Ansatz gemeindeorientierter Entwicklungsarbeit: Das zu unterstützen, was die betroffenen Menschen selbst wählen und durchführen, kontrollieren und erhalten können. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Personen, Gesellschaften oder Gemeinden ihre jeweiligen Optionen für den Wandel selbst verstehen, bevor sie darüber entscheiden und mit der Umsetzung beginnen. Die Arbeit der DKA beinhaltet daher, zu informieren, auszubilden und zu stärken. Aus der Analyse der Situation ergeben sich Optionen für die Entwicklung der Gemeinden. Die Umsetzung ist ein langfristiger Prozess, in den die verschiedenen Gemeindegruppen und ihre Leiter fest eingebunden sind. Für den Erfolg der Programme ist das Bewusstsein, selbst Verantwortung für das eigene Leben und das der ganzen Gemeinde übernehmen zu wollen, von zentraler Bedeutung. An Entscheidungsprozessen teilzunehmen, Verantwortung für alle Gemeindemitglieder zu teilen und die Achtung der Beziehung zwischen Mensch und Natur sind die wesentlichsten Bestandteile ganzheitlicher Entwicklung.
Partnerorganisation HEfDA
Seit 2006 Partner der DKA. Ländliche Hochlandregion, die Menschen leben vom Getreideanbau und der Viehhaltung. Weniger als 20% der Menschen können Lesen und Schreiben. Das Augenmerk liegt auf ländlicher Entwicklung, Bildung und Bewusstseinsbildung.
Fakten über Äthiopien
- 1.104.300 km2
- 50% der Fläche auf über 1200m Höhe
- Ca. 90 Mio Einwohner
- Davon ca 49% unterernährt (Quelle: wfp.org)
- 80 ethnische Gruppen, 80 Sprachen
- wurde nie kolonialisiert
- bekannt für: Kaffee, Großer Afrikanischer Graben, Ursprung des Nils, Lucy
Von Marianne Springer veröffentlicht am 02.05.2012

