Das Dornbirner Christbaumschmuckmuseum ist ein echter Geheimtipp.

von Wolfgang Ölz

Das Ehepaar Evi und Sepp Huschle hat in jahrzehntelanger Sammlerleidenschaft über 7.000 Exponate zusammengetragen, ein kleiner „Christbaumwald“ umfasst Christbäume, dekoriert mit Exponaten aus sämtlichen kunstgeschichtlichen Epochen seit dem Biedermeier.

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Gesammelt wird im Hause Huschle schon seit 21 Jahren und zwar auf Flohmärkten in ganz Deutschland. Das hat dann so ausgesehen, dass sie bereits um 1 Uhr 30 losgefahren sind, um ca. 5 Uhr früh waren sie dann auf den entsprechenden Märkten in München, Regensburg, Nürnberg, Bayreuth oder Augsburg, um dann als Erste den Händlern die wertvollen Schmuckstücke bereits beim Auspacken abzukaufen. Bereits während ihrer aktiven Zeit als Gärtner haben die Huschles diese Art der kraftaufwendigen Sammlertätigkeit praktiziert.

Nun ist der Christbaumschmuck nicht ihre Hauptbeschäftigung, weil mit diesem Wort verbindet sich ja ein gewisser finanzieller Gewinn, aber doch ihr mit Abstand liebstes „Hobby“. Öffentlich honoriert wurde die museale Tätigkeit, das Museum gibt es mittlerweile elf Jahre, durch einen interessierten Besuch des nunmehrigen Altlandeshauptmann Dr. Herbert Sausgruber. Ein Internetmuseum könnte den Eindruck auch dieses Museums nicht ersetzen, denn „live ist live“, wie Herr Huschle sagt.

Der Christbaumschmuck hat viele Tränen gesehen
Mit Exponaten aus verschiedenen Epochen behangene Christbäume sind das Herzstück der Sammlung. Die ältesten Stücke kommen aus dem Biedermeier, es folgen Historismus und Jugendstil, 1. Weltkrieg, Art Déco und 2. Weltkrieg. Über den Preis des Schmuckes schweigt des Sängers Höflichkeit, für einen Sammler haben diese Dinge eben keinen materiellen, sondern einen seelischen Wert. Der Christbaumschmuck ist darüberhinaus „erhaltungswürdig“, auch weil er Geschichten der Vorfahren, der Groß- und Urgroßeltern erzählt. „Der Christbaumschmuck“, so Herr Huschle, „hat so viel Freud aber auch Leid gesehen, wie kaum etwas. Weihnachten ist ja eine so sentimentale Zeit, in der auch vor dem Christbaum viele Tränen vergossen wurden und werden.“ 

Dunkle Zeit und bunter Schmuck
Der Sammler Huschle erzählt, dass er in seiner Familie christlich erzogen worden sei, und gerade Weihnachten ihn ins Zentrum seines Glaubens führt. Er sieht daher vor allem das Christliche an Weihnachten, obwohl man seit eh und je natürlich auch den Handel fokussiert, unterstützt und gefördert hat. Die 20er und 30er Jahre, die an sich eine dunkle Zeit waren, veranlassten die Menschen, besonders bunten Schmuck an den Christbaum zu hängen, das Silber allerdings blieb reicheren Epochen wie etwa dem Jugendstil vorbehalten. In der Kindheit zuhause bei Herrn Huschle war der Christbaumschmuck auch wie gewohnt silbern, nicht bunt.

Erinnerung an die Kindheit

Die kunsthistorische Einordnung ist für die Huschles mittlerweile einfach. Bis sie auf einem Markt etwa Art Déco von Jugendstil unterscheiden konnten, brauchte es allerdings auch das Studium der einschlägigen Fachliteratur. Heute könnten die Dornbirner selbst ein Buch dazu schreiben. Europaweit mag  es vergleichbare Museen geben, Insider sagen aber, dass das Dornbirner Museum das beste sei. Als in sich geschlossenes Museum ist es in dieser Vielfalt der verschiedenen Epochen jedenfalls einzigartig: „Die Menschen, die kommen, glauben, es gäbe hier ein paar Kugeln, aber dann sind sie ganz überrascht, dass es hier alle möglichen Formen in Watte, Blei, Zinn, Glas usw. gibt.
Der ausgestellte Schmuck war schon zu seiner Entstehungszeit sehr kostspielig, leisten konnten ihn sich der Kaiser, die Fürsten bis zum Apotheker, der relativ wohlhabend war.  Auch Fabrikanten und Tuchhändler gehörten zu den „Betuchten“. In Vorarlberg ist der Christbaumschmuck auch unter den Reichen nie sehr populär geworden, auch wenn Fabrikanten aus dem Ländle zu den Weihnachtsmärkten, etwa in Nürnberg, gekommen sind.
Jemand der das Museum besucht, kann ca. 7.000 Objekte bestaunen, wie viel genau lässt sich gar nicht sagen. Am Baum zum Jugendstil (siehe Hauptbild) ist dabei jedes Schmuckstück für sich ein Unikat, keines gleicht dem anderen. 

Das Lieblingseck von Frau Huschle ist das mit den Holzspielsachen, auch weil sie sich die als Kind gewünscht, aber nicht gehabt hat. Jetzt  freut sie sich, wenn sie nur vor dieses Spielzeug hinsitzen kann, um es zu bestaunen. Die Erinnerung an die Kindheit rührt sie fast zu Tränen. Statt Urlaub zu machen wie andere Leute haben die Huschles Zeit und Geld in ihre Sammlung investiert und dabei echte Seelenfreude gefunden.

Christbaumschmuckmuseum

Montfortstr. 34, Dornbirn. Für jedes Alter.
In der Advent- und Weihnachtszeit, Dezember und Jänner, geöffnet: Sa/So 14-18 Uhr, ab acht Personen nach Vereinbarung, T 05572/23128. 

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Von Marianne Springer veröffentlicht am 19.12.2011

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